Reiseguide: Israel

Reisetipps für Israel: Ein vielfältiges Paradies mitten im Krisengebiet

Bereits am Gründungstag des jüdischen Staates, dem 14. Mai 1948, erklärten sechs Staaten Israel den Krieg. Noch heute fliegen fast täglich die Raketen in den Grenzgebieten hin und her. Trotzdem lassen es sich viele Touristen nicht nehmen, jenes Land zu bereisen, das seit Jahrhunderten für Juden, Christen und Muslime ein Zentrum des Glaubens ist. Abgesehen davon, dass man im Kernland von den Krawallen an der Grenze so gut wie nichts mitbekommt und man als Tourist ziemlich sicher ist, ist Israel die geringe Gefahr absolut wert. Die großen Städte Tel Aviv, Haifa oder Jerusalem bieten Geschichte, Kultur und orientalisches Lebensgefühl, wie man sie kaum sonstwo in derart geballter Form findet.

Tipp 1: Sicherheitscheck bei der Einreise
Als Tourist hat man in der Regel nichts zu befürchten, jedoch wird man am Flughafen Ben Gurion meist mit denselben drei Fragen empfangen: „Warum sind Sie hier?“, „Wie lange bleiben Sie?“ und „Wo werden Sie wohnen?“. Wer also eine Verlängerung bei der Einreise vermeiden will, der lässt sich davon nicht überraschen und hat die drei Antworten auf Englisch parat.

Tipp 2: Beim Hotel nicht sparen
Die Zimmer in günstigen oder zentral gelegenen Hotels fallen in Israel meist sehr klein aus. Klein heißt in dem Fall oft, dass man, wenn man aus dem Bett aufsteht, schon mit einem Fuß im Bad steht. Wer damit also Probleme hat und es sich leisten kann, der sollte in ein etwas teureres Zimmer investieren. Die Mahlzeiten in den Hotels werden für den Europäer mit der Zeit meist etwas eintönig, es empfiehlt sich also, auch mal auswärts zu essen.

Tipp 3: Teurer Sabbat
Nicht vergessen: Ruhetag der Juden ist nicht der Sonntag. Der Sabbat beginnt mit dem Sonnenuntergang am Freitag und endet mit dem Eintritt der Dunkelheit am Samstag. Während des Sabbats haben die meisten Geschäfte geschlossen. Diejenigen, die geöffnet bleiben, werden meist sehr teuer. Die Preise auf den Etiketten sind dann oft nur noch grobe Richtlinien. Also schon am Freitag fürs Wochenende einkaufen!

Tipp 4: Koscher schmeckt anders
Die meisten Softdrinks in Israel sind picksüß – auch die, die du meinst zu kennen. Zum Beispiel ist Fanta in Israel nicht mit Fanta in Europa zu vergleichen. Wer das nicht mag, der sollte auf Wasser zurückgreifen. Für die Hobby-Alkoholiker unter uns ist israelischer Portwein ein guter Tipp. Den Biertrinkern, die gerne einheimisches Bier kosten möchten, kann man die Gebräue von „Tempo Beer Industries“ nahelegen. Das Maccabee und das Goldstar sind zwei wirklich ausgezeichnete Biere, die geschmacklich stark an unsere Biere erinnern.

Tipp 5: Kleines Israel
Von Jerusalem oder Tel Aviv aus sind alle Sehenswürdigkeiten innerhalb von zwei Stunden zu erreichen, sei es das Tote Meer, der See Genezareth oder Masada. Für die meisten Attraktionen gilt jedoch: Viel Wasser mitnehmen und gut mit Sonnencreme einschmieren, denn in Israel kann es sehr heiß werden und so manche Sehenswürdigkeit liegt mitten in der Wüste. Wasser findet man dann meist nicht so schnell.

Tipp 6: Das Tote Meer
Von Jerusalem aus ist das Tote Meer einen Katzensprung entfernt und ein Pflichtbesuch. Wofür es bekannt ist, das ist klar. Aber Vorsicht: Der hohe Salzgehalt hat auch seine Tücken. Vermeide jeden Wasserkontakt mit Schleimhäuten und koste das Wasser auch nicht – du würdest es garantiert bereuen! Schon ein minimaler Tropfen im Auge und du findest dich für mindestens fünf Minuten an einer Süßwasserstelle dabei, es wieder auszuwaschen. Abgesehen davon ist das Tote Meer ein absolut einmaliges Erlebnis.

Tipp 7: Geduld bei der Heimreise
Auch hier gibt es am Flughafen wieder die klassischen Standardfragen, die so gut wie jeder Reisende beantworten muss. Diesmal wird hauptsächlich nach dem Gepäck gefragt: ob du es selbst gepackt hast, ob du irgendwelche gefährlichen Gegenstände mitführst und ob du deinen Koffer, seitdem er gepackt wurde, aus den Augen gelassen hast. Freilich hast du ihn selbst gepackt, dauernd beaufsichtigt und auch keine verbotenen Substanzen eingepackt. Wenn doch, dann wirst du wenige Minuten später beim Sicherheitscheck sowieso aus dem Verkehr gezogen. Beachte außerdem, dass du zumindest drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein solltest!

Spezialtipps für Jerusalem:
Tipp 1: Gesperrter Tempelberg
Der Tempelberg mit seiner Hauptsehenswürdigkeit dem Felsendom steht unter muslimischer Kontrolle. Für nicht-muslimische Besucher ist er nur selten zugänglich. Die Öffnungszeiten ändern sich öfters, also informiere dich vor Ort, wann man Zutritt hat, denn der Tempelberg ist sehenswert. Außerhalb der Öffnungszeiten werden die Zugänge von bewaffneten Soldaten, die man in Jerusalem oft sieht, bewacht. Sie sind zwar in der Regel nicht unfreundlich, jedoch kennen sie in Sachen Durchlass keine Gnade. Auch nicht, wenn man noch so gute Gründe dafür hat, warum man den Tempelberg außerhalb der jeweiligen Zeitfenster sehen möchte.

Tipp 2: Ausblick vom Ölberg
Wer das perfekte Panorama über Jerusalem haben will, der muss den Ölberg besteigen. Ein Pluspunkt ist der Überblick, den man über die Altstadt bekommt. Doch der Ölberg ist auch an sich sehenswert und beinhaltet auch einige historisch interessante Bauten. Aufgepasst aber mit Ölzweigen. An viele Stellen bekommst du Zweige in die Hand gedrückt, wenn du ein Kirchengelände betrittst. Geschenkt sind die freilich nicht. Spätestens beim Verlassen der Kirche will man Geld dafür sehen.

Tipp 3: Klagemauer am Sabbat
Wer ein Spektakel der besonderen Art sehen will, der sollte rechtzeitig zum Sonnenuntergang am Freitag an der Klagemauer sein. Dort wird nämlich der Sabbat feierlich eingeleitet. Es wird gesungen, getanzt und gefeiert – auch als Tourist ist man gerne unter den Tänzern gesehen. Aber Fotografen aufgepasst: Während des Sabbats darf nicht fotografiert werden! Wenn man seinen Fotoapparat zu auffällig zückt, wird man sofort aufgefordert, das Fotografieren zu unterlassen. Die restliche Woche ist das Fotografieren auch an der Klagemauer erlaubt. Vorne an der Mauer herrscht außerdem Kippa-Pflicht. Die Kippa ist die traditionelle jüdische Kopfbedeckung. Wenn man noch keine als Andenken erstanden hat, dann braucht man jedoch auch nicht verzweifeln, es werden vor Ort welche gratis verliehen.

Tipp 4: Zeit für Yad Vashem
Das große Gelände beherbergt viele Skulpturen und Denkmäler sowie das Holocaust-Museum. Letzteres ist mit Sicherheit eines der berührendsten Museen der Welt. Beim Eingang bekommt man Kopfhörer beziehungsweise Audio-Guides ausgeteilt, die einen durch das Museum begleiten und dafür sorgen, dass man den zweiten Weltkrieg ganz aus der Sicht der Juden erleben kann. Wenn du das Museum besuchst, dann rechne dir als Durchschnittsmensch mindestens drei Stunden ein. Als historisch interessierter Mensch kann man sich auch gut einen Tag am Gelände aufhalten, ohne dabei einen Hauch von Langeweile zu spüren.

Was du auf keinen Fall machen solltest:
1.
Unvorbereitet nach Israel reisen. Entweder du planst alles gründlich im Vorhinein oder sorgst dafür, dass die Reise für dich organisiert wird. Eine Empfehlung ist auch ein Reiseführer. Israel hat viele Eigenheiten, hier hilft ein Reiseführer mehr als sonst.

2. Von den vorgesehen Wegen abweichen. Bleib auf den Touristenrouten! Wenn du diese erst einmal verlassen hast, wird es knifflig bis lebensgefährlich. Jerusalem hat viele Seitengassen, die beim ersten Mal alle komplett gleich wirken. Sich dort zu verlaufen hat wohl nur für Fans von Labyrinthen mit Hang zum Extranervenkitzel seinen Reiz. In den Wüstenregionen an der Grenze sind freie Flächen oft mit Minen versetzt.

3. Abzeichen von rechtslastigen Parteien tragen. Ja, auch in Israel kennt so mancher die FPÖ oder die NPD, die finden die Israelis meist nicht so toll.

 

Titelbild: flickr.com/Episcopal Florida

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

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