Mother’s Cake: „Luftballons und Müllsäcke“

Mother’s Cake im Interview über Vietnamveteranen und Bühnenshows

Es ist dunkel, heiß, stickig und vor allem angespannt. Auf der Bühne sieht man durch den Nebel hindurch die Umrisse von drei Gestalten hinter ihren Instrumenten. Gitarre, Schlagzeug und Verstärker zieren leuchtende Klebestreifen, die dem ganzen Bühnenbild etwas Weltallähnliches verleihen und irgendwie an Deichkind erinnern. Doch mit dem ersten Schlag der Gitarre löst sich jegliche Anspannung und Mother’s Cake halten die Zeit an mit ihrem Live-Auftritt im Wiener Chelsea. Die drei Jungs aus Innsbruck zählen schon lange nicht mehr zu den kleinen, österreichischen Bands. Dennoch üben sie sich in Bescheidenheit und stehen mit ihren Füßen fest am Boden. Außer während den Shows – da kann es schon passieren, dass Benedikt oder Yves quer über die Bühne hüpfen.

mokant.at: Da das nicht euer erstes Interview ist, sondern ihr schon einige Erfahrungen damit gesammelt habt, würde mich interessieren, wie denn das perfekte Interview für euch aussieht?
Jan: Einfach. (lacht)
Yves: Kurz und knackig.
Benedikt: Ach, soll ich auch noch was dazu sagen?

mokant.at: Nein, es wird sonst zu lange.
Benedikt: Eine nette Interviewpartnerin.
Jan: Na schau, da haben wir ja schon das perfekte Interview. Keine Fragen zum Bandnamen – das haben wir nämlich schon oft beantwortet.
Benedikt: Und das war jetzt zufällig deine nächste Frage.

mokant.at: Jetzt nicht mehr. Nein, die nächste Frage ist, ob eure Bühnenshow bei jedem Auftritt eine andere ist. Immerhin gestaltet ihr die ja selber.
Yves: Es ist immer verschieden. Bei Konzerten, wo wir uns denken, wir wollen wieder etwas ganz Neues, Aufregendes machen, da machen wir irgendwelche Sachen. Basteln was zu Hause und hängen es auf der Bühne auf. Dann gibt’s aber auch Konzerte, wo wir gar nichts machen, wo wir einfach nur spielen und singen.
Benedikt: Es ist ja auch oft platztechnisch schwierig.
Jan: Vor allem in den Orten, wo wir oft spielen und auch viele Leute kommen, versuchen wir Abwechslung reinzubringen, weil die Leute meistens das Programm schon relativ gut kennen. Visuell was Neues zu machen funktioniert ganz gut.
Benedikt: Wir haben zur Zeit auch noch nicht die Mittel, das bei jedem Konzert zu machen.
Jan: Ja und vor allem nicht die Bühnengröße. Hier (Chelsea Wien, Anmerkung der Redaktion) wär’s zum Beispiel schwierig. Dafür präsentieren wir einen Preview für unser neues Video.

mokant.at: Jan, du hast vorher den Platzmangel angesprochen. Sagen wir mal, ihr könnt euch aussuchen wo ihr spielt, würdet ihr dann eine richtig fancy Bühnenshow machen mit Feuerwerk, Lasershow und Tänzerinnen?
Yves: Also ich würde sagen: Tänzerinnen auf jeden Fall, Lasershow vielleicht und Feuerwerk: warum nicht? Außer in einer Halle, da wird’s dann schwierig.
Benedikt: Wenn’s dazu passt, natürlich alles.
Yves: Wenn wir die finanziellen Mittel hätten, jedes Mal was Großes zu machen, würden wir’s natürlich tun.
Jan: Die Ideen, die wir schon hatten, waren oft für ein Budget ausgelegt, das wir so noch nicht zur Verfügung haben. Was ich da schon von den Jungs gehört hab, das geht halt wirklich eher in Richtung „Noch nie gesehen!“ Dann braucht man aber wirklich ein Team und eine 50-Meter-Bühne.
Benedikt: Das ginge dann in Richtung Muse.
Jan: Da sind wir noch weit davon weg und deswegen versuchen wir mit dem, was uns möglich ist, kreativ irgendwas Gutes hinzubekommen. Da waren ja auch schon geile Sachen dabei.
Yves: Müllsäcke …
Benedikt: Luftballons und Müllsäcke.
Jan: Eben! Die Materialkosten haben sich das letzte Mal auf Müllsäcke beschränkt – hat geil ausgeschaut. Wie eine Unterwasserlandschaft – gibt’s leider keine Videos davon.
Yves: Men- und Womenpower braucht’s natürlich auch. Wir sind ja immer angewiesen auf … Wie nennt man das? Veterinärleute?
Jan: Liebe Leute, die uns gratis helfen.
Benedikt: Volontär!
Jan: Wir haben immer viele Tierärzte, die wir anrufen.
Benedikt: Und ab und zu natürlich auch Vietnamveteranen. Mother’s Cake steht für soziale Leistung.
Jan: Die nicht vergütet wird. (lacht) Auf jeden Fall müssen wir Trudl, Spawn und Raider danken, die uns immer helfen.

mokant.at: Werdet ihr bezahlt bei Auftritten?
Jan: Kommt ganz drauf an wo. Wenn wir in Wien oder Innsbruck spielen, springt schon was raus. Bisher leider noch nicht für uns privat. Momentan investieren wir noch.
Yves: Wir versuchen damit alles aufzubauen. Und dafür brauchst du einfach viele Mittel und viel Zeit.
Benedikt: Zeit, Geld. Alles, was wir nicht haben.
Jan: Aber Hilfe haben wir mittlerweile wirklich viel und auch finanzielle. Sonst würde es nicht funktionieren. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Michael Katz, Georg Gabler und Jonathan Gabler.

mokant.at: Vom eurem Manager Jonathan hab ich eine ziemlich nette Mail bekommen, in der stand, dass ihr ja eigentlich „noch gar nicht so groß“ seid.
Jan: Wir waren sehr geschmeichelt, als wir „eine große Band“ gelesen haben.
Yves: Natürlich sind wir groß, wir müssen schon ein bisschen angeben.
Jan: Ja, im Underground sind wir groß.
Benedikt: Sagen wir so, wir können auch noch rausgehen, ohne dass wir gleich erkannt werden.
Jan: Ich glaub das ist dafür auch nicht so wirklich die Szene. Die Leute, die zu unseren Konzerten kommen, sind sicher nicht so die potenziellen Auf-der-Straße-Kreischer.

mokant.at: Wo würdet ihr euch selber gerne in zehn Jahren sehen?
Yves: Ganz oben natürlich.
Jan: Die Möglichkeit wirklich etwas Verrücktes zu machen wäre geil. Wenn du so groß bist, dass jemand herkommt und sagt, was wollt ihr machen und wie machen wir das, das wäre schon geil.
Benedikt: In zehn Jahren schon so weit, dass wir davon leben können und wirklich das realisieren könnten, was wir uns so denken.
Jan: Und natürlich eine Europatour, bei der wir uns Städte und Locations aussuchen können. Oder auch in Übersee. Wenn du einfach mit deiner Band rumkommst und nicht draufzahlst, sondern vielleicht sogar dabei noch was verdienst.
Yves: Ja, einfach nicht mehr arbeiten müssen. Das ist einer der Gründe, warum wir Musik machen. Wir wollen doch nur, dass ihr unsere CD kauft. (lacht)

mokant.at: Aber jetzt mal eine ganz andere Frage: Wir haben die ganze Zeit über Szenen, in denen ihr euch bewegt geredet. Gibt es so was wie arge Konkurrenzkämpfe in eurer Musikszene?
Jan: Ah, das ist lustig. Es gibt tatsächlich eine Band, aber das wissen wir nur vom Hören-Sagen. Wir wissen auch nicht wer das ist. Wir wissen nur, dass es eine Band gibt, die uns nicht mag.
Benedikt: Und einer hat mal zu uns gesagt, dass er froh ist, mit einer guten Band zu spielen, weil er geil auf die Konkurrenz ist.
Jan: Aber sonst hab ich’s eigentlich noch nie erlebt. Wir haben noch keine Rivalen – das wäre aber schon lustig.
Yves: Die Musikszene in Österreich ist einfach so klein, dass jeder dem anderen helfen muss und nicht wirklich den anderen rauskicken kann.
Jan: Dafür hat ja auch niemand Zeit! (lacht)
Yves: Wir machen es dann eher umgekehrt, dass wir mit anderen Bands zusammenarbeiten.

mokant.at: Aber gibt es nicht schon so eine Rivalität zwischen Wien und Innsbruck? Also jetzt als Stadt, nicht unbedingt musiktechnisch.
Jan: Vielleicht politisch gesehen, aber keine Ahnung. Ich als Ausländer empfinde das nicht so. Mir kommt’s eher vor wie großer Bruder und kleiner Bruder, paar Sticheleien hin oder her. Außerdem haben wir ja einen Wiener Manager.
Benedikt: Also Rapid Wien ist schon scheiße. Die machen wir fertig.
Jonathan Gabler (Wiener): Es gibt schon eine Hassliebe zwischen Wien und Innsbruck.
Jan: Es gibt immer ein paar Leute, die komisch drauf sind.
Benedikt: Vor allem in Wien, zum Beispiel. (lacht)

mokant.at: Was ist mit der Behauptung, dass Innsbruck ein Gefängnis aus Bergen ist?
Stephan Penz (Innsbrucker): Naja, wenn du auf die Berge rauf gehst, liegt dir die ganze Welt zu Füßen.
Yves: Vielleicht kommt einem das so vor, wenn man nicht dort aufgewachsen ist.
Jan: Ich hab das schon ein paar Mal gehört, dass es einige so empfinden, aber die sind wahrscheinlich wirklich zu faul, um auf die Berge zu gehen.

mokant.at: Abschlussfrage: Was ist euer Lieblingsfilm?
Yves: Forrest Gump.
Jan: Fight Club.
Benedikt: Dann sag ich ein witzigen: Cabin in the Woods.
Yves: Toll. Ich hätte doch was anderes sagen sollen.
Jan: Kannst du bei mir austauschen und Piefke Saga nehmen?
Yves: Und bei mir nimm … Was ist ein schlechter Film?
Jan: Da kann ich dir einen anbieten. Nimm Mega Shark vs. Giant Octopus.
Benedikt: Oder das Schiff der tausend Leichen.
Jan: Du hättest Team America sagen sollen. Jetzt hast du zwei Optionen: Eine, die uns lustig macht oder die andere, wo alle sagen, die Band ist einfallslos.

Titelbild: (c) Mother’s Cake

Lisa Radda ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: lisa.radda[at]mokant.at

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