Dragony: „Keine bösen Death Metaler“

Siegfried von Dragony über gelungene Premieren, Fabelwesen und die Metalszene

Im Rahmen des Dragon’s Cry Festivals trafen wir uns mit dessen Organisator und Frontman der österreichischen Power Metal Band Siegfried Samer. Der Sänger trägt den passenden Beinamen „the Dragonslayer“. Im Interview erklärt er, warum eine „Wall of Unicorns“ eigentlich noch brutaler als eine „Wall of Death“ ist, Metal viel Können erfordert und man bei Slash nicht nervös sein muss.

mokant.at: Beginnen wir mit dem Dragon’s Cry Festival: Erstes Resumé – wie war die Vorbereitung, seid ihr bis jetzt zufrieden?
Siegfried: In der Größenordnung ist es die erste Veranstaltung, die wir machen. Das ist im Vorfeld natürlich schon einigermaßen aufwendig in der Organisation. Es hat aber alles super funktioniert, auch heute – es läuft alles perfekt, im Zeitplan sind wir gut unterwegs. Wir haben schon im Vorverkauf allein für heute 150 Karten verkauft und auch an der Abendkasse ist noch einiges gegangen. Das Wetter ist für Ende Mai, Anfang Juni etwas bescheiden, aber uns spielt’s ein bisschen in die Hände, glaub ich. Weil was macht man, wenn man an so einem Abend nicht draußen sein kann?! Dann bietet sich so ein Konzert zumindest einigermaßen an.

Foto: Michael Nowak

Foto: (c) Romana Messenbüchel

mokant.at: Was ist eigentlich eure Intention hinter dem Ganzen?
Siegfried: Naja, Konzerte gibt es natürlich in Wien viele, auch für Undergroundbands, aber wir haben uns halt gedacht, wir machen ein eigenes Festival, wo der österreichische und vor allem der Wiener Underground wieder eine zusätzliche Plattform bekommt. Das was wir uns dabei gedacht haben, ist einfach einen bunten Stilmix zu kreieren. Normalerweise spielen diese Bands als Supportacts von international etablierteren Bands oder an Genre- und Themenabenden. Wir mischen da eben alle Metalarten durch und hoffen so, dass einfach die Fans der verschiedenen Bands, die vielleicht eher eine bestimmte Spate hören, auch ein bisschen was von den anderen Bands mitbekommen und dass sich so die Fanbase von allen Bands ein bisschen erhöht. Vom Erlös der Vorverkauftickets dürfen sich die Bands auch einen bestimmten Teil behalten, damit sie auch eine finanzielle Unterstützung bekommen. So haben wir dann alle was davon und das ist eigentlich die Intention dahinter.

mokant.at: In einem Interview von vor einem Jahr, habt ihr gemeint, dass euer damals erschienenes Album „Legends“ nicht kostendeckend sein wird. Wie sieht es heute aus? Hat das Album den gewünschten Erfolg gebracht?
Siegfried: Als junge Band in dem Genre ist es natürlich schwierig. Es ist nicht so mainstreamtauglich, dass sich da jetzt zehntausende Menschen in Österreich oder auch international darum reißen. Kostendeckend waren wir noch nicht und wissen auch nicht ob wir es jemals sein werden. Aber wir haben auch sehr sehr viele gute Reviews bekommen für das Album. Insgesamt waren es ca. 50 oder 60 Reviews und davon waren eigentlich 80% sehr gut oder gut, den einen oder anderen Ausreißer nach unten hat es natürlich gegeben, ganz ohne Verriss kommt man halt auch nicht davon. Aber die Resonanz war im Großen und Ganzen sehr positiv, für ein erstes Album einer eigentlich unbekannten Newcomer-Band waren wir sehr zufrieden und wir arbeiten auch schon an einem Nachfolger, der 2014 erscheinen soll.

mokant.at: Im selben Interview ist auch etwas von einer „Wall of Unicorns“ gestanden, was ist das?
Siegfried: Als klassische Power Metal Band sind unsere Texte natürlich sehr Fantasy-inspiriert. Wie auch schon der Bandname nahelegt haben wir natürlich auch allerlei Fabelwesen in den Lyrics dabei. Bei unserem ersten Festivalgig letztes Jahr am Metalfest Austria haben wir uns daher gedacht „Ok, jetzt sind wir schon auf einem Festival, jetzt machen wir auch eine Wall of Death“ – aber nachdem wir ja fröhliche Power Metaler sind und keine „bösen“ Death oder Thrash Metaler, haben wir dann einfach eine „Wall of Unicorns“ gemacht. Das müsste ich jetzt eigentlich pantomimisch darstellen, das kann man schlecht beschreiben. Man muss einfach mit dem Arm das Einhorn simulieren und dann so aufeinander zulaufen, wie bei einer Wall of Death. Was dann im Endeffekt aber fast noch brutaler war, wie eine normale Wall of Death, weil man ja mit dem Ellbogen voraus auf einander zuläuft. Das muss man einfach einmal erlebt haben.

mokant.at: Was wollt ihr mit der Band in nächster Zeit erreichen?
Siegfried: Wir arbeiten an Album Nr. 2, wollen die guten Resonanzen vom ersten Album bestätigen und unseren Bekanntheitsgrad weiter ausbauen. In weiterer Folge wollen wir schauen, dass wir auch die eine oder andere internationale Tour machen können, mit einer bekannteren Band einfach mitfahren als Support. Ansonsten wäre auch ein erstes Video zur Promotion des zweiten Albums ein Ziel, da hoffe ich doch, dass wir das alles auch wirklich umsetzen können.

Foto: Michael Nowak

Foto: (c) Romana Messenbüchel

mokant.at: Die Metalszene in Österreich erlebt scheinbar gerade einen Aufwind, so habe zumindest ich den Eindruck, woher kommt das – wieso gerade jetzt?
Siegfried: Das eine ist natürlich; um Metal spielen zu können, muss man an seinem Instrument einiges drauf haben. Von Schlagzeug über Gitarre, Bass bis auch Gesang, egal ob cleaner oder auch gegröhlter und geshouteter Gesang. Das erfordert einiges an Technik und da gehört auch Übung dazu. Das ist halt auch Unterschied zu vielen anderen Genres, wo auch viele Leute dabei sind, die einfach schnell bekannt werden wollen und das gibt langfristig musikalisch dann einfach nicht so viel her. Ein anderer Faktor ist vielleicht auch, dass die Metalszene sehr eingeschworen ist. Also wenn jemand Metalfan ist mag er meist das ganze Genre und unterstützt nicht nur einzelne Bands, sondern viele, und vor allem werden diese sehr engagiert unterstützt. Das zeigt sich dann auch darin, dass die Bands ihre Fanbase gut motivieren können und so geht auch immer etwas weiter. Ich glaube, das ist insgesamt eine sehr gute Entwicklung und darum versuchen auch wir unseren Teil dazu beizutragen.

mokant.at: Du bist ja selbst auch für die Seite „Stormbringer.at“ journalistisch tätig und wie ich gesehen habe hattest du im Februar ein Interview mit Slash. Wie kommt man dazu? Ist man da nervös?
Siegfried: Nein, das war eigentlich sehr entspannt. Ich war, muss ich sagen, sehr überrascht, dass das hingehaut hat. Ich habe einfach so im November herum bei Warner Music angefragt und mir eigentlich keine Chancen ausgerechnet. Wenn Slash kommt, der gibt halt der Krone ein Interview, dem ORF und vielleicht dem Kurier, aber tatsächlich haben wir als größte Rock- und Metalplattform Österreichs mittlerweile doch einen guten Ruf und haben als eines von drei Medien ein Interview bekommen. War wie gesagt sehr entspannt. Slash ist natürlich ein sau cooler Typ, da brauchen wir gar nicht darüber reden, da merkt man halt, der hat absolut alles erlebt – alles durchgemacht. Der hat eine gewisse Abgeklärtheit und ist einfach ein Vollprofi, da braucht man auch eigentlich nicht nervös sein. Der weiß was er sagt, der weiß was er tut, der weiß wie das rennt. War natürlich schon ein ganz besonderes Erlebnis, das man nicht alle Tage hat und da freut man sich natürlich auch wenn sowas hinhaut.

Titelbild: (c) Romana Messenbüchel

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

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