World Food Program: Hungerhilfe im Bürgerkrieg

Foto: (c) WFP Abeer Etefa

Unter großen Gefahren versuchen Mitarbeiter des Uno-Welternährungsprogramms Syrern zu helfen.

Der Bürgerkrieg in Syrien geht bereits ins dritte Jahr. Seit im März 2011 die ersten Proteste in Syrien begannen, hat sich der Konflikt in zu einem ausgewachsenen Bürgerkrieg gewandelt. 1,4 Millionen Menschen haben das Land bereits verlassen und mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung benötigt Hilfe aus dem Ausland. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food Program, kurz WFP) unterstützt zurzeit etwa zwei Millionen Syrer in ihrer Heimat und in den syrischen Nachbarländern Libanon, Jordanien, Irak und der Türkei, wohin viele Syrer geflüchtet sind.

Hilfe für zwei Millionen Menschen
Die Proteste in Syrien vor nunmehr mehr als zwei Jahren begannen friedlich. „Das Volk will den Sturz des Regimes“ sprühten Schulkinder damals an Hauswände der südsyrischen Stadt Dar’a. Sie wurden verhaftet und gefoltert. Was sie wahrscheinlich nicht ahnten, war, dass damit und den darauf folgenden Demonstrationen der Bürgerkrieg beginnen würde. Seit damals ist auch das WFP in Syrien aktiv. Inzwischen werden über zwei Millionen Menschen mit mindestens 2100 Kilokalorien pro Tag und Kopf versorgt.

Zwei Drittel derer, die UN-Hilfe erhalten, sind bereits nach Jordanien, in die Türkei, in den Irak und in den Libanon geflohen. Im Libanon machen die knapp 500.000 Flüchtlinge schon mehr als zehn Prozent der Bevölkerung des Landes aus. Wie kann eine Organisation so viele Menschen mit Nahrungsmittel versorgen? „In erster Linie sind es freiwillige Spenden von Regierungen aus den Industrieländern, aber auch immer mehr ehemalige Schwellenländer beteiligen sich“, sagt Katharina Weltecke vom WFP. Neben den Staaten sind es auch Firmen- und Privatspenden, die zum Budget des WFP beitragen. 2011 hatte das WFP insgesamt 3,82 Milliarden US-Dollar für ihre Arbeit zur Verfügung.

„One fits all“-Lösungen sind passé
Vor fünfzig Jahren, als das Ernährungsprogramm der UN ins Leben gerufen wurde, verstand man unter Nahrungsmittelhilfe noch das plumpe Austeilen von Lebensmittel aus den USA. Es wurde keine Rücksicht auf spezielle Bedürfnisse oder regionale Eigenheiten der betroffenen Länder genommen. „Das ist glücklicherweise nicht mehr der Fall“, sagt die Pressereferentin Weltecke. Heutzutage werden verschiedene Ansätze ausprobiert, um die Not von hungerleidenden Menschen zu lindern. Einerseits kauft WFP für fast eine Milliarde US-Dollar Lebensmittel direkt in den betroffenen Ländern oder Regionen. Davon soll die regionale Landwirtschaft profitieren und nicht nur Agrarkonzerne im Westen. Andererseits werden vermehrt Bargeldtransfers durchgeführt und elektronische Gutscheine verteilt. Diese sogenannten e-vouchers sind eine Art Bankomatkarte, auf die monatlich Geld überwiesen wird. In den türkischen Flüchtlingslagern, wohin viele Syrer geflohen sind, sind das beispielsweise 80 Lira, also in etwa 45 Dollar. Dieser Betrag reicht aus, um im lagerinternen Supermarkt täglich die benötigten Lebensmittel mit 2100 Kilokalorien zu kaufen.

Das Welternährungsprogramm ist unparteiisch und strikt humanitär, das heißt, es „leistet Hilfe an die betroffene Zivilbevölkerung jedweder Couleur“. Dass es bei bewaffneten Konflikten schwierig ist, als neutraler Akteur zu handeln, zeigt nicht nur der Bürgerkrieg in Syrien. In Süd-Somalia zog sich die Organisation 2010 wieder zurück, als einige Mitarbeiter getötet wurden und die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Steigende Lebensmittelpreise
Trotz der scheinbar hohen Zahlen, wie Budget oder Anzahl der versorgten Menschen, ist der Anteil des Welternährungsprogramms am Nahrungsmittelhandel verschwindend gering. „Wir vom WFP spielen ja gerne damit, dass wir die größte humanitäre Organisation weltweit sind. Aber in Wirklichkeit machten unsere Nahrungsmittelankäufe in der Dürrekrise Ostafrikas (im Jahr 2011; Anmerkung der Redaktion) weniger als fünf Prozent des Exports von Lebensmittel aus der Region aus“, erklärt Katharina Weltecke. Seit die Lebensmittelpreise ab 2008 wieder kräftig gestiegen sind, hungern wieder mehr Menschen. „Steigende Lebensmittelpreise haben zwischen Juni 2010 und Februar 2011 die Zahl der hungernden Menschen um zusätzlich 44 Millionen erhöht“, steht auf der Website des WFP.

Titelbild: (c) WFP Abeer Etefa

martin.fellner@mokant.at'
Martin Fellner ist als außerordentlicher Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: martin.fellner[at]mokant.at

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