The Boys You Know: Wiener Musikmafia, verbotene Substanzen

The Boys You Know philosophieren im Interview über Bandsuchportale, WoW und die Musikmafia

mokant.at: Die meisten unserer Leser werden euch noch nicht kennen. Könnt ihr euch kurz vorstellen und uns näherbringen, wer welchen Part in der Band übernimmt?
Thomas: Ich rede gar nichts. Das macht ihr heute.
Mathias: Ich bin der Mathias Kollos und spiele Gitarre.
Benjamin: Benjamin Philippovich, ich bin an den Drums.
Sophie: Ja, Sophie Schmiedauer, Bass und Zigaretten.
Mathias: …und Thomas Hangweyrer, Gitarre und Gesang.
Thomas: (lacht) Achso, ja, ich mach auch mit.

mokant.at: Wie habt ihr euch kennengelernt?
Sophie: Da bin ich die schlechteste Ansprechperson, da ich als letzte zur Band gekommen bin.
Thomas: Das kann man eigentlich gar nicht erzählen (lacht). Wir haben uns irgendwie kennengelernt.
Mathias: (lacht) Über World of Warcraft.
Thomas: Nein, okay, ich kann’s eh sagen: Wir haben uns im Internet kennengelernt – auf „Bandsuche.at“

mokant.at: Im Ernst?
Thomas: Ja, ich finde da muss man schon dazu stehen und mit der Wahrheit rauskommen.

mokant.at: Da seid ihr wahrscheinlich die einzige ernsthafte Band, die sich so gefunden hat?
Thomas: Auf jeden Fall die erste, die’s zugibt! (lacht)

mokant.at: War der Bandname „The Boys You Know“ schon gewählt, bevor eine Dame zur Band gestoßen ist?
Thomas: Ja aber ich find das cool. So mit Mädchen und „The Boys You Know“. Der Name bezieht sich ja nicht auf uns, sondern ist mehr so der Titel von dem Ganzen. Wenn ein Autor sein Buch benennt, dann heißt er ja auch nicht so wie sein Buch. Das war ja der Titel des Projekts, wir alle sind „The Boys You Know“ und irgendwie ist jeder „The Boys You Know“.

mokant: Also eher eine philosophische Bedeutung?
Thomas: Nein, überhaupt nicht. In ganz vielen Songs geht es eben um Leute und die sind „The Boys You Know“ und außerdem war es lustig, da wir schnell wussten, dass das Album „Waste Your Time“ heißen wird und dann heißt es: „The boys you know waste your time“. (lacht) Wir fanden das irgendwie cool.

mokant: Welcher Stilrichtung würdet ihr euch zuordnen?
Mathias: Grindcore! (lacht) (Anmerkung der Redaktion: Grindcore ist eine Musikrichtung und gilt als eine der extremsten Spielarten des Metal und Hardcore Punks im weitesten Sinne.)
Sophie: Nein, Indie Rock.
Thomas: Ist nicht alles Indie-Rock?
Sophie: Nein, alles ist Alternative.
Thomas: Indie-Alternative-Pop-Rock, wie siehst du’s?

mokant.at: Indie-Rock-Pop.
Thomas: Ja, haben wir eh gesagt, dann passt’s eh! (lacht)

mokant.at: Thomas, kann man sagen, dass du der Kopf der Band bist?
Thomas: Ja und der Chef der Band, kann man so sagen ja.

mokant.at: Das Songwriting läuft nur über dich?
Thomas: Nein, überhaupt nicht. Das Songwriting läuft über alle. Ich bin nur der, der am lautesten schreit und sich am wichtigsten macht, weil er glaubt, dass seine Idee was kann (lacht), aber künstlerisch machen wir das alle gemeinsam im Proberaum.
Benjamin: Jeder schreibt sein Instrument selber. Der Thomas und der Matthias schreiben halt die Melodien und der Thomas die Texte.
Thomas: (lacht) Weil wir halt auch die einzigen Instrumente spielen, die Melodien können.
Sophie
: Danke! (lacht)
Thomas: Nein, aber Bass… Wie willst du Songs schreiben am Bass? „Another One Bites the Dust“ mal ausgenommen.

mokant.at: Welche Themen werden in euren Lyrics behandelt?
Thomas: (lacht) Das ist zur Abwechslung eine Frage für mich. So Alltagszeug…
Matthias: Liebesg’schichtn und Heiratssachen!
Thomas: Ja, genau! Nein, halt alles was einen so bewegt, aber ohne das große Drama ich finde das große Drama immer super verlogen. Die Leute lügen sich da immer selbst so an. Die, die glauben, sie führen ein GZSZ-Leben, sind die Einzigen, die das glauben. Jeder andere findet diese Leute voll durchschnittlich und langweilig. Mir ist das eben so aufgefallen. Ich habe das Gefühl, dass die Sachen, die wirklich interessant sind, eh die Sachen sind, die jeder erlebt. Ich brauche keinen Selbstmord usw. Ich finde das alles ziemlich platt und langweilig. Ich mache es mir da nicht so leicht. Ich schreibe eher über Momente und meine Texte sind auch nie fertig, die sind keine Poesie, sondern Lautmalerei weil es sich dann vom Rhythmus her gut ausgeht (lacht).

mokant.at: Wie lange liegen die Texte denn schon in deiner Schublade?
Thomas: Nicht so lange. Ich muss mich da immer quälen. Für mich gibt’s da immer hunderttausend Möglichkeiten. Es bleiben auch nie dieselben Texte. Ich singe neuerdings bei Konzerten ganz andere Texte als zum Beispiel auf der Platte. Das ist super um sich zu orientieren (lacht). Ich finde Sachen dann auch ganz schnell peinlich, darum ist es ganz praktisch, dass unsere Songs auf Englisch sind.

mokant.at: Bleibt das in Zukunft auch so oder wagt ihr euch auch ans Deutsche?
Thomas: Es bleibt auf jeden Fall Englisch, denn auf Deutsch ist mir alles viel zu peinlich. Wenn man meine Texte eins zu eins übersetzten würde, könnte ich das nie jemandem vorlesen, aber auf Englisch ist es dann so cool und so (lacht).

mokant.at: Gibt es für die nächsten Monate einen Masterplan? Tour? Zweites Album?
Matthias: (lacht) Zusammenbleiben und nicht auflösen. Nein, kein Masterplan von dem ich wüsste.
Thomas: Eine Tour auf jeden Fall nicht, da im Moment noch ziemlich wenige Leute zu unseren Konzerten kommen und wir ganz einfach die Kosten nicht stemmen könnten.
Matthias: Zwei ausgewählte Konzerte stehen aber schon fest.

mokant.at: Stimmt, ihr spielt demnächst in St. Pölten und im Sommer in Kärnten beim Acoustic-Lakeside-Festival.
Sophie: Wann war das Konzert in St. Pölten nochmal? (lacht)

mokant.at: Am 15.6. im Freiraum.
Sophie: (lacht) Danke.

mokant.at: Wie seht ihr Wien als Musikstadt? Gibt es genug Möglichkeiten musikalisch aktiv zu sein?
Matthias: Im Vergleich zu? Vorarlberg (lacht)? Hunderttausendmal besser!
Sophie: Ja, sicher mehr als irgendwo sonst in Österreich.
Thomas: Ja, aber das ganze in Wien ist so eine Mafiageschichte. Es kann dir in Wien als sehr gute Band auch passieren, dass du herumtingelst und es interessiert niemanden, obwohl es richtig cool ist. Es gibt halt eben die vier oder fünf Leute zu denen du gehen kannst, die alles machen, die auch mit allen Medien zusammenhängen. Entweder du bist ein Freund von ihnen oder du wirst es, aber das ist dann auch nicht so leicht. Aber ich glaube, dass ist in jeder Stadt so, nicht nur in Wien.

mokant.at: Seid ihr privat befreundet, geht ihr zusammen fort oder habt ihr eine rein musikalische Beziehung zueinander?
Thomas: Ich geh nie fort!
Matthias: (lacht) Ja er geht nie fort, er arbeitet immer.
Sophie: Ich arbeite in einer Bar in Linz, ich gehe eigentlich immer fort, wenn ich arbeite (lacht), aber allgemein wenn wir alle vier mal Zeit haben, gehen wir auch zusammen fort.
Thomas: (lacht) Wir verstehen uns schon, ja und ja, wir sind Freunde.
Matthias: Wir haben einen Vertrag unterschrieben, dass wir Freunde sind (lacht).

mokant.at: Ihr seid ja fleißig am Videos drehen. Euer neuestes Werk heißt „Walk With Me“. Was genau behandelt der Song?
Thomas: Der Song hat irgendwie zwei Textzeilen. In dem Song geht’s um die Ecken die man eh in und auswendig kennt, wo man aufgewachsen ist, wo man täglich vorbeirennt und wo einen der Geruch an diesen Orten an zehntausend Sachen erinnert, auch wenn man mit dem Ort schlimme Sachen assoziiert oder dort mal verprügelt wurde. Du kannst nach 15 Jahren dort hinkommen und dir fallen tausend Sachen ein, als ob es gestern gewesen wäre. Darum geht’s in dem Song.

mokant.at: Ihr seid mit „All the Other Kids“ im Moment (Stand 19.3.2013) auf Rang 10 der Austrian Indie Charts platziert. Stolz?
Thomas: Ja sehr, vor allem weil das keine Verkaufscharts sind und du nicht einfach deine eigene Platte 10.000-mal kaufen kannst. Diese Charts werden von einer Jury bestimmt und gewählt.

mokant.at: Ich bin zufällig auf YouTube über euer Roadmovie „Konzert in Wels“ gestolpert. Wie steht ihr denn so zu Drogen und Alkohol?
Matthias: (lacht) Das ist daneben!
Sophie: Es war eine sehr lustige Aftershowparty (lacht). Wir haben halt sehr gefeiert mit den Fans und der Crew und es war ein super Auftritt, den wir dort gehabt haben. Es war sehr unterhaltsam, wie man ja  in dem Video sieht (lacht).

mokant.at: Okay, ich belasse es lieber dabei. Vielen Dank für das nette Interview und die ehrlichen Worte!

Interview von Daniel Frick
Titelbild: (c) Kathi Reidelshöfer, The Boys You Know

 

Alle über "mokant.at Redaktion" veröffentlichten Artikel enthalten allgemeine Informationen, wurden von mehreren Redakteuren verfasst oder stammen von ehemaligen Redakteuren, die vor dem Umstieg auf das neue Layout (7.1.2014) für mokant.at tätig waren.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.