Porträt: Schöne Albträume

Bilder des Grauens und des schönen Ekels im Wohnzimmerstudio des Illustrators Andi Joska

MASCHINA – das bedeutet zu Papier gebrachte Albträume, Kreaturen und Visionen, ein Hauch Ironie, ein Faustschlag Sozialkritik. Es ist das Label von Andi Joska, dem ersten von drei österreichischen Künstlern, die wir euch in den nächsten Wochen vorstellen wollen. Im Oktober werden die drei gemeinsam im Art Space „Rabbiteye Movement“ ausstellen.

maschina

Foto: (c) Andi Joska

Bad idea?
Es sind fließende Bewegungen. Der Stift scheint über das Papier zu fliegen. Jede Linie ein Treffer, der Fineliner wird zur Waffe. Es sieht bei ihm so einfach aus. In der geräumigen Wohnküche ist der Esstisch voller Zeichnungen – viele Skizzen und ein soeben vollendetes Werk. Andi kritzelt MASCHINA ’13 in die rechte untere Ecke, legt den Stift weg. „Es heißt Bad Idea“, meint er.

Bad Idea zeigt eine schlafende Frau über deren Gesicht ein Ungetüm mit Sensenarm steht. Aus dem Mund des Wesen wächst eine Spritze, die in die Stirn der Frau sticht. Inspiriert wurde das Bild durch Stephens Kings „Katzenauge“, als im dritten Teil der Trilogie ein Troll versucht, einem kleinen Mädchen die Seele auszusaugen. „Ich bin absolut nicht politisch, die Indoktrination mit fragwürdigem Gedankengut fasziniert mich allerdings. Das Bild soll aber jeder für sich selbst interpretieren.“

Ich wollte auch was, das keiner lesen kann
Nach Andis Ausbildung zum Druck- und Medientechniker folgten mehrere Jahre als Reinzeichner, Grafiker, Junior Art Direktor und schließlich auch Art Director in unterschiedlichen Grafikagenturen und –abteilungen. Letztes Jahr zog er den Schlussstrich: „Ich wollte mich nicht länger von Leuten beurteilen und bewerten lassen, denen es an jeglichem Sinn für Kreativität und Ästhetik mangelt.“ Seitdem widmet er sich seiner Karriere als Illustrator. Wann er zu zeichnen begonnen hat, das weiß er nicht mehr. „Ich zeichne, seit ich einen Stift halten kann. Manchmal mehr, manchmal weniger, aber eigentlich immer schon.“

MASCHINA selbst besteht seit circa 2002, aber eigentlich war das nur der Zeitpunkt, an dem er angefangen hat, mit diesem Pseudonym zu unterschreiben. Wie er auf MASCHINA gekommen ist? Da sei zuerst die Tätowierung gewesen, er zieht das Shirt hoch uns zeigt mir seinen Rücken. Die grinsend vorgetragene Antwort auf die Frage, warum der Schriftzug in Kyrillisch ist, erlaubt ein Schmunzeln: „Es waren damals chinesische Zeichen sehr populär. Ich wollte auch eine Tätowierung, die keiner lesen kann.“

(Un)Menschliche Abgründe
Inspiriert von den Arbeiten von H.R. Giger und Zdzislaw Beksinski spiegeln sich auch in Andis Werken menschliche und unmenschliche Abgründe wider: Kreaturen und Motive, für deren Kreation viel Fantasie gefordert ist. Monster, Zähne, Klauen, verschlungene Krallen, Geschwüre, Körperflüssigkeiten, Eingeweide. Bilder des Grauens, des Ekels, der Schönheit in der Hässlichkeit.

„Mein Wohnzimmer ist mein Studio“, meint Andi und nimmt einen Zug seiner selbstgedrehten Zigarette. „Momentan bin ich gerade dabei, die Zeichnungen, die im letzten Jahr entstanden sind, für die Ausstellung im Juni, die im Rabbiteye Movement (einem Artspace für Illustration, Streetart und Zeitgenössische Kunst, Anmerkung der Redaktion) stattfinden wird, zu drucken“, sagt er, und zeigt einen Druck im A3-Format. „Ist mit echtem Gold verziert“, kommentiert er.

Im Nebenzimmer sind etwa zwanzig verschiedene Bilder an den Wänden aufgehängt. „Die Strafe“ steht unter einem. Es ist beklemmend und verstörend, düster und verworren. Und unheimlich faszinierend. Wer bestraft wird? „Er. Oder Es. Wer sonst muss zur Strafe 100 Mal ‚Ich darf die Hausaufgabe nicht vom Nachbarn abschreiben‘ schreiben?“

Keine Zusammenarbeit
Die Frage nach einer Zusammenarbeit mit anderen Künstlern kann Andi schnell beantworten. Vernissage: Ja. Zusammenarbeit: Nein. Selbst wenn die Chemie passt, müsse man, wenn man mit anderen Leuten zusammenarbeitet, Kompromisse eingehen. „Und Kompromisse mach ich im Job schon ungern.“ Ob er denn nachts gut schläft? „Absolut“, meint der Künstler, an Träume erinnere er sich fast nie. Abschließend noch Tipps für unbekannte Künstler? „Hahaha! Ich gebe Tipps für gänzlich unbekannte Künstler? Das wäre anmaßend, mich kennt ja auch noch kaum wer.“

Artikel erstveröffentlicht auf localauthority.at

Titelbild: (c) Andi Joska

Annabella Kittel war als Redakteurin für mokant.at tätig.

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