Niko Alm: Der Lugner des Kirchenvolksbegehrens

mokant.at> foto: Raimund Appel

Niko Alm, Mitinitiator des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien, über die Gründe für sein Engagement, Mediengeilheit und Basis-Arbeit

Niko Alm ist vieles, aber nicht schüchtern. Als selbsternannter Mastermind des Volksbegehrens gegen Kirchenpivilegien bekommt er gerade eine Menge Aufmerksamkeit, schließlich begann heute die Eintragungswoche für seine Initiative. Was möchte der Medienmacher Alm mit seinem Engagement erreichen? mokant.at hat die Auftaktveranstaltung der Initiative im Wiener Cafe Siebenstern besucht und mit ihm gesprochen.

Als unser Fotograf bereits am Eingang von einer Mitarbeiterin mit den Worten „Sind Sie Herr Alm?“ begrüßt wird, wird deutlich, dass Unternehmer Alm mit der Basis seiner Bewegung eher wenig Kontakt hat. Seit einem Jahr sammle die Unterstützerin auf der Straße Unterschriften und verteile Informationsmaterial, doch Alm habe sie im Gegensatz zu Sepp Rothwangel, dem Co-Initiator des Volksbegehrens, erst einmal und nur von Weitem gesehen. Mit ein wenig Verspätung erscheint Alm dann zum vereinbarten Gesprächstermin, mittlerweile haben sich bereits viele Medienvertreter und Unterstützer im Siebenstern versammelt.

Ja, es macht schon stolz
Eines vorweg: Wer mit Medienmacher Alm ein Gespräch führt, hat nicht immer ein leichtes Spiel. Gerne referiert er eloquent über die Geschichte der anerkannten Religionen und ihre Privilegien. Persönliche Fragen übergeht er dabei meist geschickt. Ja, es mache schon stolz, meint Niko Alm, dass man ihn nun überall auf der Welt kenne. Persönlichen Hintergrund gebe es für sein Engagement gegen die Kirche allerdings keinen. Dass er in einigen Foren bereits Richard Lugner des Kirchenvolksbegehrens genannt wird, kostet ihn nur ein Lächeln: „Ich wurde ja schon mit einigen verglichen, aber mit dem Lugner …“

Für die Basis-Arbeit habe er nur wenig Zeit, gibt Alm zu. Daher sei ihm die Verwechslung mit unserem Fotografen auch nicht peinlich. Er engagiere sich eben in anderen Bereichen für die Initiative. Freizeit habe er trotz seines großen Engagements aber immer noch genug, versichert er uns. Denn: „Was andere als Hauptaufgabe sehen würden, sieht der unternehmerische Tausendsassa Alm als Freizeitbeschäftigung“, wird er in seinem eigenen Online-Medium The Gap porträtiert. Auf dieser Seite findet er sich übrigens auch unter jenen hundert „High Potentials, die Österreich und unsere Welt in den nächsten Jahren entscheidend mitgestalten werden“ wieder.

Die haben ja angefangen“
In erster Linie möchte der Medienmacher eine demokratische Schieflage aufzeigen, sagt er. Es ginge nicht an, dass anerkannte Religionen mehr und andere Rechte haben als der Rest der Bevölkerung. Warum er sich in Zeiten wie diesen ausgerechnet den eher zahnlosen Gegner Amtskirche aussucht anstatt andere Privilegienritter, wie Politiker oder Banker, bleibt im Gespräch trotz mehrmaligen Nachfragens leider unbeantwortet. Mit dem Engagement seiner Firma für einige politische Amtsträger und Angst um Auftragsverlust habe dies aber nicht zu tun, meint Alm. Diese machen nur etwa fünf Prozent seiner Gesamtaufträge aus.

Niko Alm provoziert gerne. Das zeigt sich an seiner Internet-Seite satan.at, die direkt auf die Website der katholischen Kirche Österreichs weiterleitet. Alm selbst sieht das Ganze allerdings nicht als Provokation, schließlich habe die Kirche ja angefangen. Sie habe sich die Internetadresse kirchenprivilegien.at gesichert und leitet auf eine religiöse Seite weiter. Da müsse man zurückschlagen. Doch auch wenn es anders scheint, Alm hat durchaus ein Herz für gläubige Christen: „Sie sind herzlich eingeladen unser Volksbegehren zu unterschreiben!“, meint er abschließend, um einen Moment später seine Begrüßungsrede auf der Bühne zu halten.

Passend dazu: Kirchenvolksbegehren: Stimmenfang mit Nudelsieb und Unterhose

Titelbild: mokant.at> foto: Raimund Appel

Manuela Griessbach ist als Leiterin des Ressorts Gesellschaft für mokant.at tätig. Kontakt: manuela.griessbach[at]mokant.at

1 Comment

  1. Vera

    26. Februar 2016 at 11:04

    Ich habe gerade gesehen, dass Niko Alm auch externer Lehrbeauftragter an der Publizistik Uni Wien ist!

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