General Hatzenbichler: „Wie ein guter Rosamunde-Pilcher-Film“

General Hatzenbichler and the Apologists of Groove and Seduction im Interview -

Sympathisch sind sie ja, die Band-Mitglieder von General Hatzenbichler and the Apologists of Groove and Seduction. Im Interview zeigen sich General Hatzenbichler und Co. von ihrer extremen Seite: Von wüsten Beschimpfungen über kuschelige Anekdoten ist alles dabei.

Bild: (c) Daniel Jordan & Roland Schreier

Foto: (c) Daniel Jordan & Roland Schreier

mokant.at: Wann und aus welcher Motivation heraus habt ihr begonnen Musik zu machen?
General H.: Sag’s Hannes!
Hannes: Naja, angefangen hat das ganze schon vor einer Weile – damals allerdings als reinster Blödsinn. Wirrer Keyboard-Bass-Schlagzeug-Unsinn. Irgendwann war es dann aber doch das Ziel, Musik zu machen, die zumindest ansatzweise den Anspruch der Ernsthaftigkeit erfüllt. Das war dann eigentlich die Geburtsstunde von General Hatzenbichler and the Apologists of Groove and Seduction.
Roland: Wird so sieben Jahre her sein, oder acht mittlerweile.
General H.: 2005 im Herbst.

mokant.at: Wie viele wart ihr damals?
Roland: Ich wollte den Bandstammbaum schon mal aufzeichnen, der ist aber etwas verworren. Es gab ein paar Wechsel. Albert hat zum Beispiel als Flötist angefangen und hat dann Tamburin, Schlagzeug und jetzt Gitarre gespielt.
Hannes: In der Geburtsstunde waren wir zu dritt: Roland, Georg und ich, in Georgs Liebesbunker, äh, Keller.
Roland: Jaja, und dann später der General am Gesang, ich am Keyboard, der Hannes am Bass, der Fred an der Gitarre und der Ian G. Miller am Schlagzeug.
Hannes: Ja, genau, der Ian G. Miller! Der jetzt mit Destroyed but Not Defeated wirklich erfolgreich ist. Den kennen wir!

Bild: (c) Daniel Jordan & Roland Schreier

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mokant.at: Wieso sagt ihr „wirklich erfolgreich“?
Hannes: Destroyed but Not Defeated haben‘s immerhin schon zum Album der Woche auf FM4 geschafft, da scheitert es bei uns schon am Fertigkriegen des Albums. Im Grunde nur am Fertigkriegen des Albums eigentlich.

mokant.at: Würdet ihr sagen, dass ihr faul seid?
General H.: Nein, beschäftigt. Deswegen dauert es so lange.
Christian: Faul nicht, aber wir haben vielleicht ein anderes Zeitempfinden.
General H.: Dafür ist alles schön bunt …
Hannes: …und riecht gut.

mokant.at:Wie viele Alben habt ihr denn schon veröffentlicht?
Roland: Zwei feine EPs.

mokant.at: Wie heißen die Kunstwerke?
Hannes: „Don’t shoot us, we are General Hatzenbichler and the Apologists of Groove and Seduction“ und die zweite, die ist eigentlich … self-titled?
Roland: „The White Sticker Album”

(c) Daniel Jordan / Roland Schreier

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mokant.at: Euer Bandname ist relativ lang. Brauchen die Fans auf den Konzerten nicht lange, um euren Namen zu schreien?
General H.: Die heulen ihn, und das dauert eh länger.
Albert: Die schreien einfach vor Erregung ob des Generals.
General H.: Schön, dass ihr euch immer so an meiner Person ergötzen könnt.
Frederik: Manchmal könnte man meinen, „Ausziehen!“ sei unser Bandname.
Albert: Die Musik vereinnahmt einen so, dass man sich gar nicht mehr artikulieren kann.

mokant.at: Wie beschreibt ihr denn eure Musik?
Roland: Die offizielle Bezeichnung wäre: Blues-Soul-Country-Sex-Rock.

mokant.at: Also seid ihr Rocker?
Roland: Nein, wir sind Gentlemen.
Albert: Naja, natürlich sind wir von Rock beeinflusst, aber nicht reinrassig

mokant.at: Welche Vorbilder habt ihr?
Roland: Bob Dylan kann man wohl nennen, Tom Waits, alte Blueser wie Son House oder Howlin‘ Wolf.
Frederik: Die rollenden Steine nicht zu vergessen!
General H.: Unsere Einflüsse sind so weitreichend wie der Bandname. Captain Beefheart wär auch einer meiner Liebsten.
Hannes: Das fängt wahrscheinlich bei den frühen Bluesern an: Robert Johnson, Blind Lemon Jefferson, dann etwas später etwa Lightnin‘ Hopkins und so weiter – nicht nur was Musik, sondern auch was den Lifestyle betrifft: dieses outlaw-tum, dieses ständige unterwegs sein.

Bild: (c) Daniel Jordan & Roland Schreier

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mokant.at: Wo tourt ihr denn rum? Verwüstet ihr auch Hotelzimmer?
Albert: Soll vorgekommen sein. Der Stefan mal.
General H.: Drei Betten gingen zu Bruch.
Hannes: Um eine halbwegs klar interpretierbare Antwort zu geben: Ja, wir verwüsten.
Stefan: Ach ja, das waren die wilden Jahre.
Christian: Getourt wird meist in Österreich: Wien, Linz, Graz und als Heimspiel in Klagenfurt.
Roland: Und von Ort zu Ort als Wanderzirkus über mehrere Autos verteilt.

mokant.at: Ihr wohnt ja nicht alle im gleichen Bundesland. Ist es da kompliziert, alles zu managen?
Christian: Ist zwar nicht leicht zu managen, aber dafür proben wir auch intensiver und eher in Projekten, also an ganzen Wochenenden oder Feiertagen geblockt.
Roland: Die räumliche Distanz bringt den Vorteil, dass, wenn man sich wieder sieht, man übereinander herfällt wie hungrige Liebende – nur halt musikalisch.
Christian: Vergleichbar mit einer Fernbeziehung.

Bild: (c) Daniel Jordan & Roland Schreier

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mokant.at: Habt ihr keine Freundinnen, auf die ihr euch freuen könnt?
Frederik: Immer weniger Freundinnen …
Hannes: Bei uns in der Band gibt es eigentlich ein Freundinnen-Verbot. Das sind wir unseren Fans schuldig. Es wird aber regelmäßig gebrochen, wenn auch nie für besonders lange Zeit.

mokant.at: Oder könnt ihr euch vor lauter Groupies einfach nicht entscheiden?
Albert: Im Zweifelsfall: alle.
Stefan: Neben dem General verblasst alles.
General H.: Ich sag nur Eurotophobie.

mokant.at: Also ihr macht Musik nicht hauptberuflich?
Hannes: Nein, keineswegs.
Albert: Kann man so sagen.
Christian: Nein, wir verkaufen uns nicht.
Roland: Das ist richtig, aber als Lebensinhalt.

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mokant.at: Vier Männer – vier verschiedene Antworten.
Albert: Naja, inhaltlich schon teils kongruent.
Hannes: Inhaltlich immerhin vergleichbar.

mokant.at: Ihr wirkt als wäret ihr ziemlich locker drauf, habt ihr keine Starallüren?
General H.: Der ist gut!
Albert: Ich erwarte mir bei jedem Auftritt Crème brûlée, sonst spiele ich nicht. Also ich hoffe bei eurer Party gibt‘s dann welche …
Roland: Wir sind auch keine Stars, außer dem General.
Hannes: Der General gilt aber gemeinhin als schwierig.
General H.: Mir reicht schon Ahoi Brause.
Albert: Allüren des einfachen Mannes.

mokant.at: Eure Musikvideos sind ja ziemlich schräg, habt ihr die Ideen dazu selbst?
Albert: Welche Videos meinst du denn?

mokant.at: Naja zum Beispiel die zu den Songs „Desert“ oder „Cowboy“.
Frederik: Der Roland ist prinzipiell unser kreativer Übervater.
Stefan: Und der Hannes die Mutter.
Hannes: So, das war’s, ich bin raus! Brennt in der Hölle, ihr Idioten!

mokant.at: Haben wir den Hannes verärgert?
General H.: Das ist normal.
Christian: Hannes, du bekommst auch wieder Schwedenbomben, okay? Friede?
Hannes: Okay, ist wieder gut.

mokant.at: Also alles self-made?
Roland: Jaja, alles self-made.
Christian: Wem anderen trauen wir nicht.
Roland: Wir trauen nicht einmal uns untereinander und wenn doch, wird das nur mit Verrat belohnt.

mokant.at: Seid ihr textlich auch so poetisch, also in musikalischer Hinsicht?
Hannes: Ich denke schon, dass wir vergleichsweise viel Wert auf Texte legen. Bob Dylan wird aber keiner mehr aus uns werden, höchstens optisch, mit den Jahren.
Christian: Ja, da geht es um die großen Themen: Liebe, Verrat, Flucht, Verzweiflung – wie ein guter Rosamunde-Pilcher-Film.

(c) Daniel Jordan / Roland Schreier

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mokant.at: Also Themen direkt aus dem Leben gegriffen.
Hannes: Ja. Wenn man sich ehrlich ist, hat aber noch keiner von uns als Cowboy gearbeitet.
General H.: Die Lyrics und der tiefere Sinn dieser, sind uns schon wichtig. Sicher gibt‘s Lieder, die einfach so passieren, aber im Großen und Ganzen legen wir sehr viel Wert drauf. Das dauert dann eben.
mokant.at: Also eine Albumproduktion dauert deshalb so lang, weil sie einfach perfekt sein muss?
Hannes: Perfektion ist vielleicht das falsche Wort.
Roland: Naja, wenn sie perfekt sein sollte, würde sie ja eh nie fertig werden. Es ist schon so, dass das immer nur eine Momentaufnahme ist. Und wenn dann halt etwas nicht perfekt ist, ist das voll okay, aber wir haben unsere Ansprüche. Wir haben zwanzig Songs in fünf Tagen eingespielt und die sind größtenteils fertig. Die letzten Details dauern halt wieder mal ewig.
mokant.at: Also arbeitet ihr gerade an einem dritten Album?
General H.: Tun wir!

mokant.at: Darf man schon wissen, wie es heißen soll?
Roland: „General Hatzenbichler‘s Stupendous Stories of Adventure and Romance”.

mokant.at: Also setzt ihr euch auch keine Deadline, wann das Album fertig sein soll?
Hannes: Das Leben setzt uns seine Deadline.
General H.: Es geht darum, gute Musik zu machen und Freundschaften zu pflegen.
Hannes: Nein, bis zum Sommer sollte es schon allerspätestens soweit sein.

mokant.at: Wo seht ihr eure Ziele? Wollt ihr zum Beispiel international durchstarten oder ist Ruhm nicht so wichtig?
Christian: Rum ist wichtig, ja. (lacht)
Albert: Ich würde gerne in Andorra durchstarten.
Roland: Naja, in erster Linie machen wir die Musik, die wir selbst hören wollen. Wenn es dann jemand anderen gefällt, ist ein feiner Bonus.
Hannes: Ich weiß nicht, ob sowas wie durchstarten planbar ist, wenn man nicht gerade von Dr. Dre entdeckt wird. Mit etwas Glück bist du vielleicht in der Vodafone-Werbung und darfst deinen Song ein Leben lang auf Festivals spielen. Ein anderer macht einen genauso guten Song und keinen interessiert‘s.

Bild: (c) Daniel Jordan & Roland Schreier

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mokant.at: Woran glaubt ihr, liegt es, dass Rock nicht so stark in den Charts vertreten ist? Generell ist es ja so, dass der breiten Masse eher Electro/Disco-Musik besser gefällt. Wie findet ihr das?
Hannes: Wir sind da flexibel und biedern uns an. Unser nächstes Album wird tatsächlich ein Disco-Album.
Roland: Da mischen dann Klenk und Meder mit, die coolen Electro-Nerds.

mokant.at: Darf man das jetzt als eine ernsthafte Aussage auffassen?
General H.: (lacht)
Hannes: Die große Rock-Zeit haben wir leider verpasst, weil wir für unser Album so lange brauchen. Wir wollten mit den Strokes gemeinsam rauskommen.
Roland: Das mit dem Discoalbum ist ernst gemeint, eventuell nicht nur Disco, aber auf jeden Fall ein Tanzalbum.

mokant.at: Um in die Charts zu kommen?
Hannes: Ich denke schon, dass man mit Musik, wie wir sie machen, erfolgreich sein kann. Dann ist man vielleicht nicht in den Single Top Fourty, aber schlecht leben wird Jack White halt auch nicht.
General H.: Aber zuerst müssen wir uns um die Fertigstellung dieses Albums kümmern.

mokant.at: Wo kann man denn eure Musik hören bzw. kaufen?
Roland: Am Konzert in Wien. Und wenn das Album fertig ist, wird es wohl in den üblichen Online-Vertriebswegen zu finden sein.

Bild: (c) Daniel Jordan & Roland Schreier

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mokant.at: Werdet ihr auf der mokant-Party schon neue Songs präsentieren?
Hannes: Natürlich!
Christian: Wir bringen auch unsere handverlesene EP aus dem Vorjahr mit.
Hannes: Vielleicht schaffen wir ja sogar eine Song-Premiere.

mokant.at: Wo würdet ihr gerne einmal auftreten?
Albert: Ich würde gerne mal im Flex oder im WUK spielen.
Christian: Im Burgtheater.
Frederik: Oder in einem Friseursalon.
General H.: Am Broadway: „General Hatzenbichler – das Musical“.
Albert: Mit sechzig dann in Las Vegas.

mokant.at: Seid ihr irgendwo unter Vertrag, oder produziert und managt ihr alles selbst?
Roland: Wir haben alles in eigener Hand und demnach Narrenfreiheit.

mokant.at: Erinnert ihr euch an einen ganz besonderen Moment in eurer Karriere?
Roland: Mein liebster Moment war in Admont.
Stefan: Das Konzert als Vorband von Mambo Kurt.

mokant.at: Wieso?
General H.: Bushrock, Stöckchen holen für den Hund.
Hannes: Georg, das kann doch niemand verstehen!
Roland: Damals, wo wir in dieser riesen Halle gespielt haben und dort nur fünf Kinder unser Publikum waren und das eine Mädchen jeden Song mitgesungen hat, obwohl sie uns nicht kannte.
Hannes: Und danach haben wir mit einer Heavy-Metal-Band ums Bier gestritten …
Albert: … bei der dann auch niemand war. Zu recht.

mokant.at: War sie Hellseherin oder wie?
Hannes: Ja, vielleicht. Sie hatte irgendetwas Spirituelles an sich.

mokant.at: Fein, fein.
Frederik: Und der Schnapsrausch nach dem Konzert war auch fein …
Roland: Ich denke, sie hat Wörter aus ihrer Phantasie gesungen. Ist aber beim General auch oft so.
Stefan: Jaja, die wilden Jahre. Aber das Thema „Verwüsten“ hatten wir schon.

Titelbild: (c) Daniel Jordan / Roland Schreier

Barbara Tiefenbacher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.tiefenbacher[at]mokant.at

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