Reiseguide: Prag

In den Bus und fertig, los – ein Wochenende auf der Suche nach dem goldenen Prag

Foto: (c) Lisa Radda

Foto: (c) Lisa Radda

Der erste Eindruck von Prag ist der eines älteren, schäbigeren Wiens. Alles ist grau in grau. Langsame Rolltreppen, veraltete öffentliche Verkehrsmittel und der abbröckelnde Verputz der Häuser erinnert an einen alten Film. Alles wirkt trist und abgenutzt. Auf den zweiten Blick wirkt Prag bedrohlich. Die hohen Gebäude und Sehenswürdigkeiten haben sich im Laufe der Zeit rabenschwarz verfärbt. Die beängstigenden Fratzen gotischer Wasserspeier blicken von den zahlreichen Kirchen herab. Es scheint, als würden sie jeden Schritt genau beobachten. Noch ist nicht klar, wieso Tschechiens Hauptstadt den Beinamen „die goldene Stadt“ trägt.

Tipp 1: Bequeme Schuhe anziehen
Schon nach einem kurzen Spaziergang wird klar: Die belebte Stadt hat einiges zu bieten. Überall tummeln sich Leute und das geschäftige Treiben erinnert an einen Marktplatz. Auch wenn es eher darum geht, das schönste Mitbringsel zu ergattern. Um an diesem „Wettbewerb“ teilnehmen zu können, ist es allerdings ratsam, bequeme Schuhe anzuziehen. Da man ohnehin die meiste Zeit zu Fuß unterwegs ist und die Pflastersteine absatzfeindlich sind, eignen sich Sneakers am besten.

Tipp 2: Kennst du Prag, kennst du sie alle
Obwohl man in Prag nicht wirklich etwas „eigenes“ oder „neues“ findet, fühlt man sich auf Anhieb geborgen. Egal wo man in Prag ist, man sieht, riecht oder hört etwas Bekanntes. Oftmals sind es auch die Stimmen der vielen deutschen Touristen, die schon vormittags auf der Suche nach dem besten Bier der Stadt sind. Prag outet sich zudem als Sammelstätte von bekannten Sehenswürdigkeiten: Die Oper erinnert an die „Opéra de Paris“, die gotischen Kirchen an Bauten, wie sie in Italien zu finden sind. Die astronomische Uhr lässt einen im Gedanken nach Barcelona fliegen, das Haus mit dem Goldenen Dach weckt Erinnerungen an Tirols Landeshauptstadt Innsbruck und die Fiaker am Altstädter Ring erwecken nostalgische Gedanken an Wien.

Tipp 3: Ein-Euro-Land
Die wohl simpelste Erklärung für die Beliebtheit von Prag ist wahrscheinlich das günstige Bier. Bier ist hier billiger als Wasser und mit dem beinahe lächerlichen Preis von unter einem Euro ist es durchaus legitim, seinen Wasserhaushalt mit Bier zu füllen. Abgesehen von den Getränken ist auch das Essen durchaus leistbar. Rund um den Altstädter Ring befinden sich viele kleine Restaurants mit dicken Speisekarten. Besonders ansprechend ist, dass man auch in den kälteren Jahreszeiten noch im Freien sitzen und den Ausblick genießen kann. Wärmelampen und kuschelige Fleecedecken halten warm.

Tipp 4: Taschenrechner nicht vergessen
Auch für versierte Kopfrechner und mathematische Genies könnte Tschechien eine Herausforderung werden. Für einen Euro bekommt man momentan 25,50 tschechische Kronen. Der etwas komplizierte Wechselkurs sorgt gerade am Anfang für Verwirrung und kurzweilige Schockzustände. Ein positiver Aspekt bleibt allerdings: man hat auf einmal gar keine Lust mehr zu shoppen. Auch wenn die langen Einkaufsstraßen auf den ersten Blick einladend aussehen, schreckt der ausgeschrieben Preis in tschechischen Kronen im ersten Moment ab. Man braucht einige Zeit um sich daran zu gewöhnen, alles durch 25,50 zu dividieren. Durch das ständige Rechnen schwirrt einem schon nach kurzer Zeit der Kopf. Am besten gleich aufs Shopping verzichten – der Kontostand wird es einem danken.

Drei Insider Tipps:
1. Die Fahrscheinautomaten in den U-Bahnstationen nehmen nur Münzen. Am besten noch vor der Reise Geld wechseln.
2. Zu jeder vollen Stunde bewegen sich die kleinen Figuren auf der astronomischen Uhr am Altstädter Ring. Wenn man sich direkt neben eine Reisegruppe stellt, bekommt man eine gratis Einführung in die Bedeutungen der jeweiligen Statuen. Außerdem erfährt man allerhand interessantes über Traditionen in Prag.
3. Fünf Stunden Busfahrt von Wien aus lohnen sich wirklich. Mit dem passenden Buch und guter Musik vergehen sie wie im Flug. Es ist auch die kostengünstigste Variante nach Prag zu kommen.

Was du auf keinen Fall machen solltest:
1. Davon ausgehen, dass Prager unfreundlich sind. Die meisten von ihnen können einfach nur wenig bis schlecht Englisch.
2. Ins Wachsmuseum gehen. Wären die Figuren nicht ausgeschildert würde man die meisten von ihnen gar nicht erkennen. Da sind selbst drei Euro Eintritt zu viel.
3. An den Straßenschildern verzweifeln. Prag hat eine eigenartige Art, Straßen zu benennen. Doch auch wenn auf Anhieb nicht die gewünschte Adresse gefunden wird, ist das Ziel bestimmt näher als angenommen.

Lisa Radda ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: lisa.radda[at]mokant.at

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