Sophie Oslowski: „Dachte, dass ich es nie schaffe“

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VIVA 180° Star Sophie Oslowski erzählt im Interview wie es ist, als 15-jähriges „Problemkind“ Mutter zu werden

Sophie Olsowski wurde mit 14 schwanger, mit 15 bekam sie ihr erstes Kind. Sie war ein Problemkind, wie sie selbst meint, geprägt durch Heimaufenthalte und Pflegefamilien, ihren leiblichen Vater hat sie niemals kennen gelernt, zu ihrer Mutter möchte sie bis heute keinen Kontakt. Im Interview mit mokant.at erzählt die heute 21-Jährige, wie sie es trotz allem geschafft hat, ihre schwierige Vergangenheit hinter sich zu lassen und heute ein erfülltes Leben als Mutter zweier Kinder (Maria, sechs Jahre alt und Ben, ein Jahr alt) führt und warum sie der kleinen Maria noch verschweigt, wer ihr leiblicher Vater ist.

mokant.at: Was war dein erster Gedanke als du mit 15 erfahren hast, dass du schwanger bist?
Sophie Olsowski: Indirekt wusste ich es ja. Als ich es dann richtig erfuhr, hab ich einfach nur angefangen zu weinen. Ich habe nur daran gedacht, dass ich das alles niemals schaffen werde.

mokant.at: Wie bist du selbst aufgewachsen?
Sophie Olsowski: Ich bin die ersten sechs Jahre bei meiner Oma groß geworden. Dann kam ich erst zu meiner Großtante, dann zu einer Frau vom Jugendamt und dann zu meiner jetzigen Pflegefamilie. Diese ist für mich wie meine eigene Familie. Ich habe schnell „Mama“ und „Papa“ zu ihnen gesagt.

mokant.at: Wieso konntest du nicht bei deinen leiblichen Eltern aufwachsen?
Sophie Olsowski: Meinen richtigen Vater kenne ich nicht. Meine leibliche Mutter ist psychisch krank.

mokant.at: Du beschreibst deine Kindheit als nicht sehr einfach. Wie möchtest du es schaffen, deinen Kindern diese Erfahrungen zu ersparen?
Sophie Olsowski: Ich möchte – im Gegensatz zu meiner leiblichen Mutter – meine Kinder nie allein lassen, ihnen eine Zukunft bieten können und Vorbild sein. Ihnen soll es nicht an Liebe fehlen.

mokant.at: Hast du Kontakt zu deiner leiblichen Mutter?
Sophie Olsowski: Nein, das möchte ich auch absolut nicht. Sie war nie für mich da und nun ist es auch zu spät. Wer mein leiblicher Vater ist, verschweigt sie mir auch bzw. weiß sie vielleicht selbst nicht mal. Sie hat meine Oma schrecklich behandelt. All das hat sie für mich zu einer Person gemacht, die mir absolut egal ist.

mokant.at: Wie lange hast du als junge Mutter gebraucht um dich im neuen Alltag zurecht zu finden?
Sophie Olsowski: Sehr lang, da meine Tochter sehr viel geweint hat und ein sehr anstrengendes Baby war. Gerade die Schule nebenbei hat mich natürlich auch an Grenzen gebracht. Aber es ist erstaunlich was ein Mensch schaffen kann, wenn er ein Ziel vor Augen hat. Und mein Ziel wird immer das Wohl der Kinder sein.

mokant.at: Das TV Format VIVA 180 ° zeigt Menschen, die sich selbst oder ihr Leben um 180° verändert haben. Welche 180° Veränderung ist in deinem Leben nun eingetreten, seitdem du mit 15 Mutter geworden bist?
Sophie Olsowski: Ich war vorher ein Problemkind. Ich habe mich nicht an Regeln gehalten und die Schule war mir auch egal. Ich habe oft gelogen und habe mich nie an Absprachen gehalten. Außerdem verlor ich im Juni 2006 meinen besten Freund. Auch dieser Schicksalsschlag trug dazu bei mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Ich war plötzlich Mama, hatte Verantwortung und habe diese auch übernommen. Ich bereue das alles nicht.

mokant.at: Wie sieht heute dein Alltagsleben aus?
Sophie Olsowski: Ich gehe zur Schule oder Arbeit, da ich mich seit dem 01.10.2012 in einer Ausbilung zur Gesundheits-und Krankenpflege befinde. Ich hole nach der Schule oder Arbeit meinen Partner von der Arbeit ab und wir holen dann gemeinsam die Kinder ab. Wir gehen dann oft nochmal spazieren oder einkaufen, wir spielen und zum Abend essen wir gemeinsam Abendbrot. Am Wochenende unternehmen wir viel im Freien und genießen die Zeit zusammen. Vor der Krankenpflege hab ich ein paar Fotoshootings und Komparsenrollen gehabt. Aber jetzt geht die Ausbildung vor.

mokant.at: Wolltest du Model oder Schauspielerin werden?
Sophie Olsowski: Nein, auf Dauer wäre das nichts für mich. Mal ab und zu zum Spaß das wäre okay. Aber nicht hauptberuflich. Aber ich sag niemals nie.

mokant.at: Wie schaffst du es eigentlich Ausbildung und Kinder unter einen Hut zu bringen?
Sophie Olsowski: Mit einem starken Willen und mit ganz viel Kraft, die ich durch viel Feedback von Partner, Familie und Freunden bekomme. Ich verliere mein Ziel nicht aus den Augen. Denn die Kinder sind meine tagtägliche Motivation.

mokant.at: Wann hast du Bens Vater kennengelernt?
Sophie Olsowski: Kennen gelernt Ende 2008. Zusammen gekommen sind wir am 17.09.2009.

mokant.at: Hat er deine Tochter gleich akzeptiert beziehungsweise sie ihn?
Sophie Olsowski: Ja das auf jeden Fall. Wir sind ja auch relativ schnell zusammen gezogen, weil einfach alles prima geklappt hat, als Maria und ich bei ihm wohnten. Und dann haben wir uns eine gemeinsame Wohnung gesucht. Durch die Kinder im Kindergarten kam auch schnell das Wort „Papa“ über die Lippen. Für sie ist er ihr Papa. Das weiß der leibliche Vater auch und hat damit kein Problem. Für ihn ist es wichtig, dass es Maria gut geht. Das schätze ich sehr.

mokant.at: Wie nimmt sie ihren leiblichen Vater wahr?
Sophie Olsowski: Momentan gar nicht, weil er in Innsbruck studiert. Wir haben uns aber darauf geeinigt , dass er für sie erstmal nur ein „Bekannter“ bleibt. Wir werden es ihr aber definitiv sagen, wenn sie das richtige Alter hat. Das ist mir sehr wichtig, weil ich meinen leiblichen Vater eben nicht kenne.

mokant.at: Warum möchtest du es Maria nicht gleich sagen, dass der Bekannte ihr Vater ist?
Sophie Olsowski: Weil sie das noch nicht verstehen würde und sie das jetzt vielleicht auch zu sehr verletzen würde. Für sie wird mein Partner wohl auch immer ihr Papa bleiben, denn er zieht sie ja nun mal mit mir groß und niemand anderes.

mokant.at: Warum, denkst du, würde es Maria verletzen zu wissen, wer ihr Vater ist?
Sophie Olsowski: Weil sie jetzt einen Bruder hat der ja von meinem Partner ist und sie total verletzt wäre, wenn ihr „Papa“ nicht ihr „Papa“ wäre. Dafür ist sie noch zu jung.

mokant.at: Mit welchen Vorurteilen hattest bzw. hast du als junge Mutter zu kämpfen?
Sophie Olsowski: Dass ich keinen Schulabschluss hätte und dass ich eh nichts erreichen werde. Schräge Blicke und „Oh Gott, so eine junge Mutter“ waren oftmals vorhanden. Viele waren auch neidisch, dass ich Schule und Kind so gut unter einen Hut bekommen habe und meine Eltern mir auch noch ab und zu Freizeit eingeräumt haben.

mokant.at: Wenn du heute noch einmal frei wählen könntest, würdest du deine Kinder wieder so früh bekommen oder dir mehr Zeit lassen?
Sophie Olsowski: Natürlich ein bisschen mehr Zeit lassen. Aber dennoch bin ich der Meinung, es gibt nie einen richtigen Zeitpunkt. Und ich nutze die Vorteile junge Mama zu sein. Ich gehe viele Dinge vielleicht lockerer an, habe dennoch klare Regeln. Ich denke aber ich habe einfach einen anderen Bezug zu meinen Kindern. Gerade weil ich so früh Mama geworden bin und die Kinder mein Leben so verändert haben. Vielleicht fällt es mir in Marias Pubertät leichter sie zu verstehen, weil ich jünger bin. Außerdem ist meine Belastungsgrenze eventuell höher und ich kann mit Stress besser umgehen. Mir stehen noch viele Türen im Leben offen, weil meine Familienplanung abgeschlossen ist.

mokant.at: Deine erste Schwangerschaft war nicht geplant, habt ihr die zweite geplant oder ist sie passiert?
Sophie Olsowski: Sie ist passiert. Dezember ist kein guter Monat für mich. Denn beide Kinder entstanden im Dezember. Ich habe bei meinem zweiten Kind, Ben,  etwas tief ins Glas geguckt und danach waren wir sehr leichtsinnig in Sachen Verhütung. Aber wir haben uns immer ein zweites Kind gewünscht. Nur noch nicht zu dem Zeitpunkt.

mokant.at: Gab es in deinem Leben bisher Situationen, in denen du dir gewünscht hättest, nicht so früh Mutter geworden zu sein?
Sophie Olsowski: Klar ab und zu wenn man nachts einfach mal wieder schlafen wollte – aber ich denke das geht Müttern jeder Altersklasse so.

mokant.at: Was würdest du deiner Tochter raten, wenn sie als Teenager schwanger werden würde: Austragen oder Abbruch?
Sophie Olsowski: Das muss sie ganz für sich selbst entscheiden. Egal wie sie sich entscheidet stehe ich zu ihr.

mokant.at: War für dich selbst ein Schwangerschaftsabbruch je Thema?
Sophie Olsowski: Klar hat man sich das durch den Kopf gehen lassen. Wir haben uns aber dafür entschieden – Gott sei Dank.

mokant.at: Was war der gewichtigste Grund, dich für das Kind und gegen einen Abbruch zu entscheiden?
Sophie Olsowski: Die Sicherheit alles unter einen Hut zu kriegen. Durch die Unterstützung meiner Eltern.

mokant.at: Hat dich das Jugendamt auch unterstützt?
Sophie Olsowski: Ja, bis ich 18 war konnte ich die Hilfe in Anspruch nehmen.

mokant.at: Konntest oder musstest…?
Sophie Olsowski: Musste auch. Aber sie haben mir doch ziemlich viel Freiraum gelassen und mich viel selbst entscheiden lassen. Ich hatte aber nur das halbe Sorgerecht – das ist richtig.

mokant.at: Heute hast du das alleinige Sorgerecht?
Sophie Olsowski: Ja, seitdem ich 18 bin.

mokant.at: Was war das schönste, was das schlimmste Erlebnis für dich als Mutter bisher?
Sophie Olsowski: Einen schlimmsten Tag gab es bei mir eigentlich nicht. Ich war vielleicht oft verzweifelt, weil Maria so viel nachts geschrien hat. Der schönste Tag war, als Maria mir sagte, dass sie immer bei mir bleiben will. Das schönste ist, wenn sie mich jeden Tag in den Arm nimmt und sich an mich kuschelt.

mokant.at: Was war deine Motivation bei Viva 180 ° mitzumachen?
Sophie Olsowski: Weils ein komplett anderes TV Format war, als das was man sonst so im Nachmittags-TV sieht. Außerdem möchte ich motivieren und anspornen. Egal was man alles durch hat und wie jung man Mama wird- mit genügend Willen schafft man alles.

Das Interview mit Sophie ist Teil der Kooperation von mokant.at mit VIVA 180 Grad. Die Folge mit Sophie wird am Freitag, den 26.Oktober um 20:15 auf VIVA ausgestrahlt.

Titelbild: mokant.at> foto: VIVA

Manuela Griessbach ist als Leiterin des Ressorts Gesellschaft für mokant.at tätig. Kontakt: manuela.griessbach[at]mokant.at

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