Wiener Festwochen: Die schönen Tage von Aranjuez

Foto: (c) Wiener Festwochen, Ruth Walz

Peter Handkes „Die schönen Tage von Aranjuez“ bei den Wiener Festwochen 2012

Foto: (c) Wiener Festwochen, Ruth Walz

Foto: (c) Wiener Festwochen, Ruth Walz

Es geht um die Liebe zwischen Mann und Frau und wie von ihr erzählt wird. „Unterbrich mich!“, fordert sie und unterbricht sich damit selbst. Er stellt ihr Fragen dazu. So gestaltet sich der Dialog zwischen einer namenlosen Frau und einem namenlosen Mann auf der Bühne des Akademietheaters. Geschrieben wurde „Die schönen Tage von Aranjuez“ von Peter Handke und inszeniert von Luc Bondy. Es geht um das Lieben, Rächen, Bereuen und die beiden Geschlechter. Peter Handke greift die Grundthesen seines Sprechtheaters wieder auf, um mit den Wörtern auf die Sprache selbst zu verweisen. Er täuscht keine Wirklichkeit vor, sondern macht Liebesphrasen zu neuen Versatzstücken auf der Suche nach Wahrheit über das Zwischenmenschliche.

Wie war das damals?
Ein erster Blick auf die Bühne lässt das schon erahnen: Auf der Bühne ist hinter der Bühne. Der Blick ist frei auf die Rückseite eines Theatervorhangs mit Rahmen und was sich sonst noch alles hinter einer Bühne befindet: einzelne Bühnenbilder und ein Paravent. Sie erscheint in spanisch-aristokratischer Kleidung mit weißer Halskrause und schreitet über die Bühne. Er taucht plötzlich aus der Falltür auf mit schwarzen Strapsen und Unterhose. Im Verlaufe des Stücks schlüpft er in einen schwarzen Anzug und sie zeigt das pastellfarbene Kleid, das sie darunter trägt. Wie es das erste Mal mit einem Mann war, fragt er sie. Daraufhin werden zwei Szenen der Liebe geschildert: Sie als Kind in einem Obstgarten mit festlich weißer Kleidung. Als pure Unschuld ist sie in einen Akt verstrickt, der aber weniger sexuell zu sein scheint als spirituell. Die zweite Geschichte erlebte sie Jahre später in einer Salinenhütte zwischen menschlichen Exkrementen und Blutegeln. Doche sie beschreibt eine Liebe, die einnehmend und Sinne raubend war.

Ihr Dialogpartner fordert sie dazwischen aggressiv auf, sich auf einen Gartenstuhl gegenüber dem Publikum zu setzen, um zu erzählen. Seine Haltung is typisch für Handke: Das Erzählen soll im Mittelpunkt stehen. Die Dramen spielen sich in den erzählten Geschichten ab, nicht auf der Bühne. Damit verbildlicht sich vieles nicht auf der Bühne, sondern in den Köpfen der Zuseher und Zuseherinnen.

Was passiert hier eigentlich?
Neben dem Erzählen scheinen die anderen Vorgänge auf der Bühne nebensächlich. So vergeht die Zeit, es wird langsam Abend und der Vorhand öffnet sich, um einen dunklen Himmel mit vielen Sternen zu zeigen. Geküsst haben sich die beiden auch schon und zwischenzeitlich wechselt er die Rolle. Er wurde vom unbeholfenen Slapstick-Kellern zum Indianerhäuptling und zum 50er-Jahre Schauspielidol. Neben diesen vielen Bezügen gibt es noch einen Ausschnitt aus „Cat on a hot tin roof “ mit Elizabeth Taylor auf dem Vorhang zu sehen. Schließlich fallen Schüsse wie aus dem Wildwestfilm und Blut spritzt, dann geht es schnell zu Ende. Und am Ende fragt man sich, warum das Stück „Die schönen Tage von Aranjuez“ heißt. Im Stück wird dieser Ort angesprochen und wie die Erinnerungen an Orte verschwimmen kann. Aranjuez gibt es wirklich, aber eigentlich ist der Name eine Anspielung auf den ersten Satz in Friedrich Schillers „Don Carlos“. Wurde hier also geträumt oder erzählt?

Rezension von Vanessa Scharrer
Titelbild: (c) Wiener Festwochen, Ruth Walz

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