Renee Pornero: „Der richtig gute Sex“

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Renee Pornero spricht über ihre Erfahrungen als Pornodarstellerin und -produzentin

Die 32-jährige Steirerin Manuela war zehn Jahre lang Pornodarstellerin und einige Jahre auch Pornoproduzentin. Ihre ersten Schritte im Business machte sie bereits während ihrer Schulzeit. Es folgte eine steile Karriere als „Renee Pornero“. Sie war in der Szene bekannt für ihre Vorliebe für Anal- und Interracialsex. Vor zwei Jahren verabschiedete sich Manuela aus dem Porno-Geschäft und lebt seitdem zurückgezogen auf dem Land in der Steiermark, wo sie als Webmasterin arbeitet. mokant.at erzählte sie im E-Mail-Interview von Geschlechtskrankheiten, privatem Sex und von den Reaktionen aus ihrem Umfeld.

mokant.at: Wie kommt ein Mädchen vom Land zum Porno?
Renee Pornero: Ich hatte schon Erfahrungen mit Webcam-Shows gemacht und betrieb bereits eine kleine Model-Website und schließlich bin ich dann zu einem Casting nach Deutschland geflogen. Ich hatte keine großen Pläne, aber die Produzenten planten Großes und von Beginn an waren verschiedene Medien mit am Start.

mokant.at: Wie haben deine Eltern und dein Umfeld darauf reagiert?
Renee Pornero: Viele waren anfangs geschockt. Meinen Eltern erzählte ich erst davon, als ich wusste: Okay, in dem Business bleibe ich. Sie waren natürlich nicht hocherfreut, aber zumindest meiner Mutter konnte ich hier und da mal etwas aus meinem Leben erzählen. Da war natürlich die Angst vor den Drogen, Krankheiten et cetera, aber sie vertrauten darauf, dass ich vernünftig handle. Jetzt, nach dem Leben als Pornodarstellerin, ist das Verhältnis um einiges besser. Die Freunde von damals habe ich immer noch. Ich hatte Glück, dass sie mich immer als Mensch beurteilt haben und nicht nach irgendwelchen Klischees. Ich war immer offen allen gegenüber, auch wenn ich nicht damit hausieren ging. Die Erfahrungen waren also durchwegs positiv.

mokant.at: Wie kann man sich den Arbeitsalltag einer Pornodarstellerin vorstellen, beziehungsweise gibt es so etwas wie Alltag überhaupt?
Renee Pornero: Ich war sehr viel unterwegs, es gab viele Stunden, in denen ich einfach nichts zu tun hatte. An Flughäfen, in Hotels, am Set. In L. A. war ich viel am Shoppen, an den Wochenenden war ich in Clubs. Leider habe ich dort auch viel Geld liegen lassen. Es gab neben den Drehs ein paar wenige Pflichttermine: Nagelstudio, Sonnenstudio, zu diversen Castings antanzen, Promotion-Auftritte. Alles in allem viel an Freizeit. Es konnte eben immer spontan ein Job kommen, also war ich immer im Standby. Nebenher betreute ich aber auch noch meine eigenen Websites selbst. Ich war also schon immer ein Nerd.

mokant.at: Apropos Los Angeles: Unterscheidet sich die Pornobranche Amerikas stark von der in Europa?
Renee Pornero: Der Vorteil für Produzenten und Darsteller in L. A. ist, dass alles in kleinstem Umkreis sofort greifbar ist. Ein Ersatzdarsteller, das AIM-Healthcare Center (nur von diesem Labor werden HIV-Tests und Ähnliches akzeptiert) Equipment, Locations und so weiter. Rein organisatorisch ist hierzulande alles etwas komplizierter. In Österreich gab es nie so etwas wie eine Pornobranche. Ich musste viel reisen und vorab alles detailliert managen, damit es effiziente Trips waren. Auch die Tests kamen von zig verschiedenen Labors. Keine Möglichkeit, die Ergebnisse genau zu überprüfen.

mokant.at: Inwiefern haben Geschlechtskrankheiten und auch die Angst davor deine Arbeit beeinflusst?
Renee Pornero: Natürlich sehr! Ohne Test kein Dreh. Wie gesagt, in den Staaten wird hier sehr genau gearbeitet, ich hatte mir dort nie etwas eingefangen. In Europa schleppte ich öfter eine bakterielle Entzündung oder ähnliches mit mir rum. Dadurch, dass man besonders reinlich als Darstellerin ist, zerstört man sich auch die Natürlichkeit im Intimbereich. Sauberkeit, Antibiotika, Verkehr mit Fremden – ein Teufelskreis. Was die Gesundheit anbelangt, bin ich sehr froh, dass Porno für mich Geschichte ist.

mokant.at: Du hast ja zu einer Zeit mit Pornos begonnen, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Wie hat sich seit damals das Geschäft verändert?
Renee Pornero: Natürlich ist das Geschäft merkbar eingebrochen. Es hat die Produzenten gezwungen, mit der Zeit zu gehen und das Medium Internet als Geschäftsfeld zu nutzen. Die meisten haben es erst sehr spät erkannt, viele haben aber die Chance rechtzeitig entdeckt und verdienen sich trotz Gratisangeboten ein goldenes Näschen. Auch darf man nicht die Kunden vergessen, denen die gute alte Originalfassung auf DVD und mittlerweile Blu-ray noch etwas wert ist. Ich betreibe einen Online-Shop. Meine Kunden schätzen das Service und die schnelle, unkomplizierte Abwicklung. Besonders hochklassige Spielfilm-Pornos gehen nach wie vor sehr gut. Und davon gibt es mittlerweile so einige, die das Prädikat Wertvoll verdienen.

mokant.at: Wie schaut der private Sex vom Pornostar Renee Pornero aus. Gibt es den überhaupt?
Renee Pornero: Klar gibt es den! Das ist dann der richtig gute Sex. Der am Set ist sehr abenteuerlich, man probiert viel aus. Privat geht es mehr ums Gefühl, hier findet der Sex noch immer auf einer emotionalen Ebene statt. Normaler Sex war für mich immer jener, bei dem ich mir aussuchen konnte, wo, wann und mit wem ich ins Bett hüpfe. Inszenierungen, Rollenspiele und Co konnte ich dabei nie leiden. Ich mochte immer schnellen, schmutzigen, heftigen Sex. Viele erwarten natürlich von einer Pornero die hohen Künste in Sachen Deepthroat, Analverkehr und Co. Die gab es aber auch nur dann, wenn ich tatsächlich Bock drauf hatte.

mokant.at: Mittlerweile hast du Renee Pornero hinter dir gelassen, sowohl als Darstellerin als auch als Produzentin.
Renee Pornero: Als Darstellerin war es einfach an der Zeit Adieu zu sagen. Es war alles nur noch Einheitsbrei, keine Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln. Zudem waren die Gagen am Sinken, gefordert wurde zumindest körperlich immer mehr. Auch als Produzentin gab es für mich irgendwann kein Weiterkommen mehr. Gute Darsteller sind in Europa Mangelware und ich war von meinem Vertrieb abhängig, was das Plot anging. Meine Ideen deckten sich nicht mit deren Reglements – Softversionen werden sehr strikt behandelt. Schließlich wurden auch die Budgets gekürzt und ich konnte mein Team und die Darsteller nicht mehr ihrem Aufwand entsprechend entlohnen. Dieses Preisdumping war einfach nicht okay. Ich hatte viel Freude am produzieren, aber so ging es einfach nicht.

mokant.at: Nun führst du ja ein beschauliches, zurückgezogenes Leben am Land. Was vermisst du aus deinem „Pornoleben“?
Renee Pornero: Ehrlich gesagt: Ich vermisse nichts. Es war eine aufregende Zeit und ich bin glücklich, dass ich diese Erfahrungen machen durfte. Sie haben mich als Mensch geprägt und ich bereue keine Sekunde. Ich habe auch zu Leuten aus der Branche kaum noch Kontakt, durch meinen Online-Shop weiß ich allerdings über das Geschehen im Business genauestens Bescheid. Und ja, ich mache gerne mal Porno-Abende mit ausgewählten Streifen.

mokant.at: Was kann Renee Pornero jungen Porno-Newcomern und -Newcomerinnen mitgeben?
Renee Pornero: Wichtig ist, dass sie oder er es wirklich aus Überzeugung und nicht des Geldes wegen anstrebt. Es macht einen sonst seelisch kaputt. Weil man bereit ist, Dinge zu tun, nur weil ein paar extra Dollar winken. Die große Überredungskunst in dieser Branche heißt eben „Kohle“. Ja, man kann in kurzer Zeit gutes Geld verdienen. Man muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass es eine durchaus kurze Karriere sein kann. Man sollte das Geld gut anlegen und einen Plan für das Leben danach haben. Einen vernünftigen Plan. Und man sollte zu diesem Beruf stehen können. Und auch damit leben können, wenn sich das Umfeld von einem distanziert. Ich hatte das Glück, dahingehend keine schlechten Erfahrungen gemacht zu haben. Ich hatte eine abgeschlossene Ausbildung, habe nebenher „seriöse“ Jobs ausgeübt und immer einen Plan B. Vor allem aber hatte ich immer Menschen, die mich nie im Stich gelassen haben.

Titebild: (c) Stefan Wuernitzer

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Renee Porneros Onlineshop

Katharina Zedlacher-Fink war als Leiterin der Ressorts Politik und Gesellschaft für mokant.at tätig.

5 Comments

  1. Tekin

    24. Oktober 2014 at 00:39

    Hallo Renne wie gehest es dir? Was ich habe gesehen in internet bist du fur mich beste Frau und zimlich sehr hubsch bist. Wie kan ich mit dir kontag haben? Machst gut bye bye. Von Schweiz Tekin.

  2. BiggiBardot

    3. Februar 2015 at 16:55

    Ich habe die Filme mit Renee immer sehr gerne geschaut. Das Interview finde ich richtig interessant, danke dafür. 🙂

    • Deutscher Heino

      3. Juni 2015 at 14:57

      Wo findet man solche Filme? Habe im Internet nichts von ihr gefunden. Im Ösi-Land gibt es halt keine guten Pornos.

      • A person

        9. März 2016 at 17:52

        Pssst: Google is ein Anfang.

  3. Deutscher Heino

    3. Juni 2015 at 14:55

    Renne, dich hätte ich sehr gerne mal abgeschleppt!

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