Tibetisches Neujahr in Wien: Losar Tsang!

„Save Tibet“ und die Tibetergemeinschaft Österreich luden zum tibetischen Neujahrsfest

Es ist ungewöhnlich, wenn zwischen Büsten von Beethoven und Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg vor dem Akademischen Gymnasium Wien plötzlich tibetische Gebetsfahnen wehen und nicht Schüler widerwillig auf die Klassenzimmer zusteuern. Am 25. Februar begann das neue königliche tibetische Jahr 2139. Aus diesem Anlass luden die Organisationen „Save Tibet“ und die Tibetergemeinschaft Österreich zum Neujahrsfest „Losar“. Serviert wurden süßer Reis und Buttertee. Die Veranstalter verzichten dieses Jahr allerdings auf Tanz und fröhlichen Gesang, denn Grund zu feiern haben die Tibeter eigentlich nicht. In ihrem Heimatland herrscht auf Grund der vielen Selbstverbrennungen der letzten Jahre große Trauer. So wurde explizit Abstand von einer festlichen Veranstaltung genommen.

Gemeinsames Gebet
Begonnen wurde wie immer mit einer Rauchopferzeremonie für ein gutes neues Jahr und für ein langes Leben des Dalai Lama. Anschließend erklang die tibetische Nationalhymne. Nach einem kurzen Dokumentarfilm zu den aktuellen Selbstverbrennungen und einer Gedenkminute beteten die Anwesenden in einem interkonfessionellen Friedensgebet für Beistand. Der Nachmittag begann etwas heiterer mit einer tibetische Märchenstunde mit Geschichten, vorgetragen von der Schauspielerin Johanna Lonsky. Märchenhaft wirkten auch die Erzählungen aus dem Leben von Professor Heinrich Nußbaumer. Er las ein sehr persönliches Kapitel aus seinem neuesten Buch „Meine kleine große Welt“. Darin berichtete er unter anderem von seiner Freundschaft zum Dalai Lama und zu Heinrich Harrer.

Losar als Neubeginn
Im Mittelpunkt des Losar (Lo=Jahr, sar=neu), dem wichtigsten Feiertag in Tibet, steht für die im Exil lebenden Tibeter das Zusammentreffen mit Landsleuten und das gemeinsame Gebet für Ausdauer und Hoffnung auf eine bessere Zukunft ihrer Heimat. Traditionell bekommt zu Losar jedes Haus einen frischen Anstrich, die Familien besorgen sich neue Kleider und Streitigkeiten werden vergessen. Die Anwesenden sprachen sich eindringlich für das Beharren auf gewaltlosem Widerstand gegen die chinesische Unterdrückung aus. Das Ideal eines tibetisch-chinesischen Dialoges als langfristiges Ziel wurde vor Augen gehalten. Losar bietet Gelegenheit zum Neubeginn, zu neuen Vorsätzen und Hoffnungen.

Und diese geben die Tibeter tatsächlich nicht auf. Entgegen so mancher Fehlinterpretationen der westlichen Welt sind die Selbstverbrennungen nicht Ausdruck der Hoffnungslosigkeit. Im Gegenteil: Die betroffenen Tibeter opfern in diesem Akt, den ihre Landsleute keineswegs gutheißen, den eigenen Körper als Zeichen ihrer Solidarität mit ihrem Land und Volk. Nach bald 53 Jahren chinesischer Besetzung beweisen sie eine unsterbliche Hoffnung auf Freiheit und Frieden.

Artikel von Sophia Schnack
Titelbild: flickr.com/Jan-Christian Teller

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