MUSA: Vom Nutzen der Schönheit

Im Wiener MUSA fordert die Ausstellung „Beauty Contest“ das Diktat der Schönheit heraus – bei freiem Eintritt.


Das MUSA versteckt sich seit 1951 hinter beziehungsweise neben dem Wiener Rathaus und bietet zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern einen Ausstellungsraum. Der Dominanz der architektonischen Nachbarin entfliehend, gelangt man in die wunderbaren modernen Hallen des MUSA. „Beauty Contest“ ist ein Kooperationsprojekt mit dem Austrian Cultural Forum in New York und haucht den hiesigen Hallen transatlantisches Leben und globale Gesellschaftspolitik ein.

Kitsch
Das Streben nach Schönheit ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Die Wahrnehmung von Schönheit unterliegt einem ständigen Wandel, ist dynamisch und niemals isoliert. In dem Bemühen um Schönheit manifestiert sich menschliche Sehnsucht – nach Harmonie, nach Idealen, nach Normalität. Abweichungen von der Norm gelten als unschön, zuviel Schönheit nennen wir Kitsch. Es gilt „hinter die Mechanismen der Definitionsmacht zu blicken – vor allem mit den Mitteln der Kunst“, schreibt Andreas Stadler, Leiter des Austrian Cultural Forum, im Vorwort des Ausstellungskatalogs. „Ein Nutzen der Schönheit liegt nicht klar zutage, ihre kulturelle Notwendigkeit ist nicht einzusehen, und doch könnte man sie in der Kultur nicht vermissen“, schrieb schon Sigmund Freud.

Bezaubernd schön
Das Projekt „Beauty Contest“ legt den Schwerpunkt auf das Streben nach Schönheit für den eigenen Körper und setzt unterschiedlichste Künstler und Medien in Beziehung, um sich diesem Thema zu nähern. Rashaad Newsomes Bling-Bling-Collage trifft etwa auf Sissi Farassats ebenso schillernde paillettenbesetzte Fotografie „Rio 2“. Beide richten ihren Fokus auf die kulturelle Identität von Schönheit, auf Rezeptionsmechanismen, auf Gender. Clarina Bezzolas plastische Superfrau wird zum männerverschlingenden Ungetüm, Petra Buchegger stellt sich mutig vor projizierte Idealfrauenbilder. Ohrwurm verursachend ist das textarme Musikvideo („Fuck you… fuck you… fuck you…“) von Kalup Linzy, in dem er selbst die Protagonistin gibt und gekonnt mit Randidentitäten spielt. Zwei der bezauberndsten Arbeiten sind die von Evangelia Kranioti. Die Künstlerin thematisiert die Erkundung eines Mysteriums, ihre Arbeiten implizieren ein Versteckspiel. Die raumhohe Installation „I Do“ projiziert Rätselbilder auf die Innenseite eines Brautkleides, die kleine Leiter lockt zum Hineinsteigen. Die andere Arbeit in der Serie ist eine Fotografie, die Alice-im-Wunderland-Konnotationen aufwirft, und von der man sich am liebsten entführen lassen möchte.

Ein schönes Stück Österreich
Klingt patriotisch bis populistisch, ist aber der Titel von Katarina Schmidls Gesäß, das sie mit Strohhalmen in Rot-Weiß-Rot ausformt. Der Abschnittstitel soll aber dem MUSA gelten. Das Museum begeistert durch minimalistisches Design, einladende Räume und gratis Kunstgenuss-Angebot. Die Ausstellung „Beauty Contest“ zeigt Denkmuster auf, macht Mut und gibt Hoffnung: Die Kunst hat die Macht, das Diktat der Schönheit herauszufordern und die Möglichkeit, die Freiheit des Individuums zu stärken.

Die Ausstellung Beauty Contest kann noch bis 26. Mai bei freiem Eintritt besucht werden.

Titelbild: (c) Katharina Schmidl; MUSA

Sabrina Freundlich ist stellvertretende Chefredakteurin von mokant.at. Sie beschreibt sich als writeophile and fortune cookie lover. Kontakt: sabrina.freundlich[at]mokant.at

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