Kvelertak: „Anfangs waren wir beschissen“

Kvelertak-Sänger Erlend Hjelvik im mokant.at Interview über Erfolg, Metal und Kvelerbräu

Kvelertak (zu deutsch „Würgegriff“) sind in der Rock- und Metalszene derzeit in aller Munde. Das selbstbetitelte Debütalbum der Norweger aus dem Jahr 2010 brachte der Band zwei Grammies ein, befreite sie von faden Lagerhallenjobs und katapultierte sie für ein halbes Jahr in die Plattenverkaufscharts. Im mokant.at-Interview sprach Sänger Erlend Hjelvik über den neuen Lebensstil als erfolgreicher Musiker, die zentrale Bedeutung des Spaßes und das hauseigene Bier Kvelerbräu.

mokant.at: Ihr werdet in Norwegen im Radio gespielt, habt zwei Grammies erhalten – wie ist es möglich, dass eine Metal-Band im ganzen Land so populär wird? In Österreich wäre das wahrscheinlich sehr, sehr schwierig.
Erlend Hjelvik: Ich habe selbst nicht gedacht, dass so etwas möglich ist. Ich hätte selbst auch nie ewartet, dass unser Album so gut angenommen, ein halbes Jahr lang in den Top 40 Verkaufscharts bleiben und uns Grammies einbringen würde. Ich weiß nicht, wahrscheinlich ist die Musik einfach nur wirklich gut (lacht).

mokant.at: Wie verlief die Tour bisher?
Hjelvik: Sie verlief toll! Beinahe jedes Konzert war entweder ziemlich voll oder ausverkauft. Da waren viele großartige Shows dabei. Auch die Bands, mit denen wir zusammengespielt haben, waren super, es war ein toller Trip bisher.

mokant.at: Ihr habt bereits mehrmals in Wien gespielt, seit ihr das Album vor zwei Jahren veröffentlicht habt. Zum Beispiel mit großen Bands wie Converge oder Kylesa.
Hjelvik: Als wir das letzte Mal hier waren, haben wir mit Comeback Kid gespielt. Zuvor haben wir auch einmal eine Show mit Coliseum und Bison B.C. in Wien gespielt.

Foto: (c) Georg Marlovics

Foto: (c) Georg Marlovics

mokant.at: Also habt ihr es innerhalb von zwei Jahren vom „Support Act“ zum Headliner einer fast ausverkauften Tour gebracht. Wie fühlt es sich an, das in so kurzer Zeit geschafft zu haben?
Hjelvik: Es fühlt sich großartig an! Ich denke, dass wir, seit wir das Album 2010 veröffentlicht haben, wirklich hart gearbeitet haben. Wir sind auch beinahe ständig auf Tour. Das ist jetzt schon die vierte Europa-Tour, die wir machen. Es ist schön, nun selbst eine headlinen zu können und sind wir sind froh, dass es so gut läuft.

mokant.at: Wie hat der rasche Erfolg eures ersten Albums euer persönliches Leben verändert?
Hjelvik: Die Musik ist jetzt mein Job, was ich mir anfangs nie gedacht hätte. Zuerst habe ich in einer Lagehalle gearbeitet und gefrorene Pizza in einen Truck geladen. Inzwischen bin ich nicht mehr viel zuhause und beinahe ständig auf Tour. Meiner Meinung nach ist das super. Ich kann die Miete bezahlen und zugleich in der Band spielen, also gibt es nichts weshalb ich mich beklagen müsste. Es ist perfekt.

mokant.at: Nach außen hin wirkt ihr wie eine Band, bei der Spaß eine zentrale Rolle einnimmt, wohingegen viele Metal-Musiker darauf konzentriert sind, ein hartes, manchmal auch böses, Image zu verkörpern.
Hjelvik: Ich denke, dass es ziemlich verlogen ist, zu tough auszusehen oder sich so zu verhalten. Die meisten Leute, die in Bands spielen, machen das ja eigentlich wegen dem Spaß. Ich weiß nicht, für mich ergibt es keinen Sinn, etwas zu tun, wenn es nicht irgendwie Spaß macht. Ich denke, wir lassen diese Mentalität einfach nach außen durchscheinen.

mokant.at: Wie kam die Band eigentlich zustande?
Hjelvik: Bjarte, unser Gitarrist, der auch alle Lieder schreibt, und ich wohnen zusammen. Wir hatten nicht wirklich etwas zu tun und sind den ganzen Tag im Keller herumgesessen und haben zusammen gespielt. Zuerst nur zum Spaß, doch dann sind ein paar Freunde von uns, die in anderen Bands gespielt haben, auch dazu gekommen und wir haben begonnen, live zu spielen. Das war’s eigentlich. Anfangs waren wir wirklich beschissen, doch dann haben wir viel geübt, viel live gespielt, bessere Songs geschrieben und das wars dann.

mokant.at: Warum, glaubst du, war Skandinavien immer so zentral für die gesamte Metalszene?
Hjelvik: Ich weiß nicht wirklich, wahrscheinlich, weil es so kalt dort ist und so weiter (lacht). Das ist eine schwierige Frage. Skandinavien war aber immer schon eine Metal- und Rockregion und es kommen eine Menge an wichtigen Bands aus dieser Gegend. Das könnte ein Grund sein, weshalb Skandinavien stets eine recht gute Basis für Dinge wie Black Metal, Death Metal und Rock’n’Roll war.

mokant.at: Wie sieht die heutige Metalszene in Norwegen aus?
Hjelvik: Das weiß ich nicht. Weißt du, die alten Bands sind immer noch die besten. Es gibt ein paar neue Bands, aber die sind inzwischen auch nicht mehr wirklich neu. Bands wie „Purified in Blood“ und so weiter, aber ansonsten sind es die selben Bands, über die ich schon die letzten zwei Jahre rede. Es gibt nicht wirklich viele neue Bands.

Foto: (c) Georg Marlovics

Foto: (c) Georg Marlovics

mokant.at: Ist die Black-Metal-Szene ansonsten in Norwegen noch lebendig?
Hjelvik: Ja! Das neue „Taake“ Album ist zum Beispiel der beste Black-Metal-Release, den ich seit langer Zeit gehört habe. Er schafft es einfach, mit Black Metal etwas Neues zu machen. Außerdem habe ich gerade mit meiner anderen Black Metal Band „Djevel“ (Norwegisch für „Teufel“, Anmerkung der Redaktion) in diesem Sommer ein neues Album veröffentlicht. Es tut sich also schon etwas, aber trotzdem bleiben die alten Bands die besten.

mokant.at: Ihr wart inzwischen sogar in den USA auf Tour. Wie ging es euch dort?
Hjelvik: Wir hatten dort eine Co-Headliner-Tour mit „Skeleton Witch“, die toll war. Vor allem in New York, Chicago und den größeren Städten waren die Hallen total voll und das Publikum einfach verrückt. In New York haben wir sogar ein Show auf einem Boot gespielt, das um Staten Island und ganz nah an der Freiheitsstatue vorbeigefahren ist.

mokant.at: Also ist Kvelertak inzwischen auch in den USA ziemlich bekannt?
Hjelvik: Ich würde nicht sagen „bekannt“, denn wer ist in den USA schon bekannt? Aber es scheint dort eine Menge Leute zu geben, die uns kennen und auch der Andrang auf den Konzerten war groß. Es war super, also denke ich, dass wir uns dort herumsprechen.

mokant.at: Könnte das damit zu tun haben, dass ihr inzwischen auch in die bekannte „Baroness“-Community involviert seit, da John von „Baroness“ ja auch das Artork zu eurem Album gestaltet hat?
Hjelvik: Auf jeden Fall! Es sind eben solche Dinge und auch, dass Kurt Ballou von „Converge“ unser Album aufgenommen hat. Auch haben eine Menge an amerikanischen Websites wie metalsucks.com über uns und das Album geschrieben. All diese Dinge helfen dabei, wenn man in den USA touren will.

mokant.at: Obwohl ihr „nur“ ein Album aufgenommen habt, seit ihr inzwischen Helden in der gesamten Szene. Arbeitet ihr bereits an neuem Material und wird es bald ein neues Album geben?
Hjelvik: Ja, wir haben bereits zwei neue Songs, die wir auch auf dieser Tour spielen werden. Sobald wir die Tour beendet haben, werden wir an neuen Liedern arbeiten und hoffentlich nächsten Sommer ins Studio gehen, damit wir im Herbst das Album vielleicht schon fertig haben. Aber wir werden sehen, wie es sich entwickelt.

mokant.at: Gibt es bereit eine konkrete, übergeordnete Idee für ein neues Album, oder schreibt ihr einfach nur Songs und schaut was passiert?
Hjelvik: Es ist noch irgendwie zu früh um darüber zu reden, weil wir bis jetzt eben nur zwei Songs fertiggeschrieben haben. Aber für mich klingt es bereits sehr vielversprechend und ich denke, dass es sogar besser als das erste Album wird. Das Wichtigste ist, dass wir immer noch über uns selbst lachen können, dann wird der Rest hoffentlich auch klappen.

mokant.at: Wie lange habt ihr gebraucht, um das erste Album einzuspielen?
Hjelvik: Das ist schwer zu beantworten, da die Songs auf dem Album einfach das gesamte Material sind, das wir bis zu diesem Zeitpunkt zusammenhatten. Wir sind dann fünf Wochen im Studio gewesen, aber es war im Prinzip eine Zusammenstellung von allem, was wir bis zu diesem Punkt hatten.

mokant.at: Was hat es mit dem Kvelerbräu auf sich, das ihr heute Abend verkaufen werdet? Wie seid ihr darauf gekommen?
Hjelvik: Das war ein Freund von uns aus Wien, sein Name ist Thomas. Er hat einfach begonnen, für uns Bier zu brauen und der Typ, der das Tourposter gemacht hat, Michael Hacker, hat das Etikett dazu gestaltet. Das sind beide gute Freunde von uns, leider ist die Auflage aber zu limitiert! Wir haben nur 30 Flaschen und sechs davon haben wir bereits selbst behalten. Wir freuen uns schon darauf, es heute zu kosten. Es scheint eine ziemlich große Nachfrage danach zu geben, das Bier in unseren Merchandise aufzunehmen, fast jede Musikseite hat bereits über das Bier geschrieben. Hoffentlich schaffen wir es, in Norwegen unser eigenes Bier zu bekommen, wir werden daran arbeiten.


Titelbild: (c) Georg Marlovics

david.prieth@mokant.at'
David Prieth war als Leiter der Ressorts Musik und Kultur für mokant.at tätig.

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