RFS vs. JuLis: Wer soll zahlen – „Schnösel“ oder Deutsche?

Claudia Gamon (JuLis) und Oskar Polak (RFS) fordern beide eine ideologiefreie ÖH

In einem Punkt sind sie sich sehr einig: Oskar Polak vom Ring freiheitlicher Studenten (RFS) und Claudia Gamon von den Jungen Liberalen (JuLis) wollen eine ideologiefreie ÖH, die nur die Interessen der Studierenden vertritt. Während Polak zur Verbesserung der Qualität der Studien unter anderem ein Kopftuchverbot an den Universitäten fordert, will Claudia Gamon die Studierenden zu „Kunden von Bildungsunternehmen“ machen. Studiengebühren können sich beide vorstellen. Claudia Gamon wünscht sich, dass „Schnösel“ einen Beitrag zu ihrer Ausbildung leisten, ginge es nach Polak sollte die deutsche Bundesregierung für deutsche Studierende zahlen.

mokant.at: Warum sollte ich die JuLis wählen?
Claudia Gamon: Die JuLis haben ein ideologiefreies Wahlprogramm ausgearbeitet, in dem wir einfach gute Lösungen für die Hochschulpolitik vorschlagen. Wir möchten, dass die ÖH wieder eine starke Lobby wird. Wir sind für eine Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft. Auf einer freiwilligen Basis würden die Studenten, die dabei wären, wirklich dahinterstehen. Wenn man die die Bundes-ÖH in einen Verein umwandelt, hätte sie viel mehr Handlungsmacht.
Oskar Polak: Auch wir wollen eine ideologiefreie ÖH. Wir treten an, um die ÖH von Grund auf zu einer Gewerkschaft für Studierende hin zu reformieren. Außerdem haben wir eine starke Partei im Hintergrund, mit der man so etwas auch umsetzen könnte.

mokant.at: Versteht ihr die ÖH als reine Interessenvertretung?
Oskar Polak: Ja, es soll nur um Studenten gehen.

mokant.at: Ist es möglich, Gesellschaftspolitik komplett rauszuhalten? Die Fraktionen sind ja zum größten Teil Vorfeldorganisationen von Parteien.
Oskar Polak: Die AG und der VSStÖ behaupten in Wahlzeiten immer, mit den Parteien nichts zu tun zu haben. Das ist verlogen. Das machen wir nicht. Die Gesellschaftspolitik, die nichts mit den Studenten zu tun hat, sollte einfach aus der ÖH draußen bleiben. Wir haben in der Bundesvertretung Positionen, die ÖH solle den Stopp der Kämpfe in Libyen fordern. Das ist eine maßlose Selbstüberschätzung und ein richtiger Kindergarten. Es muss um Studententhemen gehen, wir müssen die Studenten vertreten.

mokant.at: Oskar, du bist für ein Kopftuchverbot an den Universitäten. Wie genau vertrittst du mit einer solchen Forderung die Interessen der Studierenden?
Oskar Polak: Mir hat jemand aus Graz eine E-mail geschrieben, dass er es bedenklich findet, dass das Kopftuch eine perfekte Möglichkeit bietet, mit einem Headset bei Prüfungen zu schummeln. Kein Professor kann einem Mädchen das Kopftuch herunterziehen. Wenn wir die Qualität der Studien verbessern wollen, müssen wir dafür sorgen, dass es keine hundertprozentige Sicherheit beim Schummeln gibt. Ich habe anfangs als freiheitlich denkender Mensch beim Gedanken an ein Kopftuchverbot ein bisschen Bauchweh gehabt. Dann hab ich das Buch von Alice Schwarzer „Die große Verschleierung“ gelesen und habe festgestellt, dass ein Kopftuchverbot an Bildungsinstitutionen auch im Bezug auf Menschenrechte und Gleichberechtigung viele Vorteile hat. Länder wie die Türkei, Ägypten, Frankreich haben das und es funktioniert sehr gut, weil die Religion aus den Universitäten draußen bleibt.
Claudia Gamon: Wie hoch ist der Prozentsatz von Leuten, die überhaupt auf die Idee kommen, so zu schummeln?
Oskar Polak: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Studenten erstaunlich intelligent sind. Es ist kein vorgeschobener Grund. Das war der Anfang der Debatte dazu. Es stimmt, es ist ein gesellschaftspolitisches Thema. Es betrifft uns Studierende noch nicht in einem großen Ausmaß. Aber man muss aktiv werden, bevor die Problematik groß wird, bevor immer mehr Religionsdebatten in die Universitäten hineingetragen werden.

mokant.at: Habt nicht gerade ihr die Debatte in die Universität getragen?
Oskar Polak: Wir haben dieses Thema bewusst aus dem Wahlkampf herausgelassen, gerade weil wir keine Religionsdebatten hineinbringen wollen. Wenn ich gefragt werde, antworte ich darauf, aber mir wäre es lieber, wenn das nicht im Wahlkampf diskutiert wird.

mokant.at: Auch die JuLis meinen ja, es soll nur um Studierendenpolitik gehen. Wie geht das als Partei, die etwa auch zu den EU-Wahlen angetreten ist?
Claudia Gamon: Natürlich haben alle JuLis auch sehr starke Meinungen zu Gesellschaftspolitik und wir haben ein Parteiprogramm. Aber wir können das trennen. Die Beschäftigung in der ÖH mit gesellschaftspolitischen Themen ist Ressourcenverschwendung, falsch investierte Motivation und Energie. Es gibt Impulse und Ideen in der Wegrichtung der Unipolitik, die aus einer Ideologie heraus stammen. Der Unterschied ist, welche Themen man daraus ableitet.

mokant.at: Welche Sachen würdet ihr jetzt konkret angehen, wenn ihr die Chance dazu hättet?
Claudia Gamon: Die Universitätsvertretung hat die Chance, das Studierendenleben an der Wurzel zu beeinflussen. Man kann mit Professoren verhandeln, an Studienplänen mitarbeiten, in Verhandlungen mit Ministerien hineingehen. Die ÖH sollte kritisch und laut sein, aber nicht in Demonstrationen, sondern am Verhandlungstisch.

mokant.at: Jetzt hast du mehr die Art beschrieben, wie die ÖH arbeiten soll, aber welche konkreten Dinge sollte die ÖH jetzt durchsetzen?
Claudia Gamon: Wenn die Studiengebühren wieder eingeführt werden, muss die ÖH schauen, dass sie den Studierenden etwas bringen und nicht sinnfrei in die Bürokratie fließen, wie die der schwarz-blauen Regierung. Es ist die Aufgabe der ÖH, dass für die Studierenden Vorteile herauskommen.

mokant.at: Wie sollen diese Vorteile aussehen?
Claudia Gamon: Es muss bessere Stipendien und Beihilfen geben. Dazu muss die ÖH Ideen einbringen und dann Druck machen.

mokant.at: Oskar, was würdet ihr konkret in der ÖH angehen?
Oskar Polak: Wir merken, dass ein abgeschlossenes Studium in Österreich immer weniger wert ist. Es kann nicht sein, dass Witze wie „Wer Jus studiert, kriegt auch einen Taxi-Schein dazu“, langsam Realität werden. Wir haben in Klagenfurt, wo wir in der Universitätsvertretung sind, gezeigt, dass man sehr konstruktiv mit der Politik in Kärnten zusammenarbeiten kann. Wir haben viele Sachen ausgehandelt. Zum Beispiel haben wir die Busverbindungen und die Öffnungszeiten in der Bibliothek verbessert. Es wurden Willkommenspakete von der Regierung für die Studierenden eingeführt.

mokant.at: Verbessern günstigere Busverbindungen die Qualität des Studiums?
Oskar Polak: Nein, das sind die Rahmenbedingungen. Dazu würde auch gehören, dass das Angebot an Kursen den Interessen der Studierenden entspricht. Es ist für Berufstätige furchtbar schwer, in einen Kurs hineinzukommen, weil die Kurse am Abend überlaufen sind. Dann verliert man schnell ein Semester. Das andere ist die Qualität. Man muss weggehen von diesem verschulten Bologna-System, das die Forschung erst in den zweiten Abschnitt hineinzudrängen beginnt.

mokant.at: Das heißt, ihr seid gegen Bologna?
Oskar Polak: Absolut. Das Bologna-System wurde in Österreich schlecht umgesetzt. Einerseits wurden die Studiendauern verlängert. Andererseits hat man teilweise das, was früher Diplomstudium war, irgendwie in drei Jahre gequetscht, nach denen man dann einen Scheinabschluss hat.
Claudia Gamon: Es hilft, die Bolognadeklaration zu lesen. Es steht überhaupt nichts drinnen von Verschulung.
Oskar Polak: Es geht um die Umsetzung. Die Umsetzung war miserabel.
Claudia Gamon: Es geht um die Vergleichbarkeit der Abschlüsse und die Freizügigkeit der Studierenden innerhalb der EU. Bologna war eine wunderbare Idee, ein Versuch eine gemeinsame europäische Hochschullandschaft zu errichten. Das Problem war wie immer die miserable österreichische Umsetzung, die komplett schiefgelaufen ist. Es hat niemand gesagt, dass man das Diplomstudium in drei Jahre Bachelor hineinquetschen soll. Die ÖH sollte konkrete Änderungen für die Umsetzung anbieten, anstatt kategorisch zu sagen, Bologna war schlecht.

mokant.at: Der RFS will die Studienbedingungen verbessern. Wie soll das finanziert werden?
Oskar Polak: Da sind sich alle ÖH-Fraktionen einig. Jede will zwei Prozent vom BIP, wir sind keine Ausnahme. Der Unterschied ist, wie man dazu kommen will. Wir sehen derzeit, dass die Bevölkerung mit den Studierendenprotesten einfach nicht mitgehen kann. Es kommen viele Forderungen, die völlig unhaltbar sind. Wir haben einen roten Kanzler, der es nicht einmal ordentlich kommentiert hat. Er hat gewusst, dass er nie mehr gewählt wird, wenn er diese Sachen umsetzt. Wir brauchen Forderungen, bei denen Politik und Bevölkerung mitgehen können. Wir müssen ein Bild der Studenten in Österreich schaffen, das die Bevölkerung auch unterstützt. Wenn man derzeit am Land irgendwo an einem Stammtisch sitzt und sagt, dass man Student ist, sind die Vorurteile gewaltig.

mokant.at: Was sind das für Vorurteile?
Oskar Polak: Zu faul zum Arbeiten, herumlungerndes Pack, von Sandlern kaum unterscheidbar. Das ist das Bild, das wir in der Öffentlichkeit leider abgeben.

mokant.at: Wie würdest du das ändern?
Oskar Polak: Als Erstes natürlich in Gesprächen.

mokant.at: Und wenn die nichts bringen?
Oskar Polak: Die ÖH hat derzeit eine Verhandlungsposition, mit der man nicht an einen Wissenschaftsminister herantreten kann. Der neue Wissenschaftsminister Töchterle hat gesagt, er würde sich von der ÖH bezüglich der Studienbeiträge überzeugen lassen, wenn die ÖH die besseren Argumente hat. Die ÖH hat an die Öffentlichkeit einfach falsch gesendet, dass der neue Wissenschaftsminister gegen Studienbeiträge ist. In der ATV-Diskussion ist dann ganz frech gesagt worden, dass man natürlich die besseren Argumente hat.

mokant.at: Seid ihr für Studiengebühren?
Oskar Polak: Bei den derzeitigen Bedingungen wären Studiengebühren ein Witz. Wenn wir ein ordentliches Paket ausverhandeln, das es möglich macht, in der Mindeststudienzeit fertig zu werden, können wir auch über Studiengebühren verhandeln.

mokant.at: Die JuLis sind die einzige Fraktion, die mit Studiengebühren wirbt. Warum macht ihr das?
Claudia Gamon: Es gibt verschiedene Argumente, die dafür sprechen. Das eine ist die jetzige Situation, die komplett unsozial, unfair und ungerecht ist. Das jetzige System ist eine Umverteilung von unten nach oben. Die finanzielle Last wird vor allem vom Mittelstand getragen. Jemand, der eine Lehre gemacht hat, zahlt mit seinen Steuern das Studium von denen, die es sich leisten können: Ein Tischler zahlt einem Schnösel sein Studium. Vom Studium profitiert vor allem der Student selbst. Deswegen sollte auch er einen Beitrag zu seiner Ausbildung leisten.

mokant.at: Wenn der Student arbeitet, finanziert er mit seinen Steuern die Pension dieses Tischlers.
Claudia Gamon: Es geht um die Idee dahinter. Wir stehen für ein anderes Steuersystem, wo der Faktor Arbeit weniger besteuert wird. Wenn ich Jus studiere, verdiene ich später exponentiell mehr. Dann kann ich auch einen Beitrag leisten.

mokant.at: Nicht alle sind Schnösel, sehr viele arbeiten während des Studiums. Wenn sie Studiengebühren zahlen müssten, könnten sie sich das Studium vielleicht gar nicht mehr leisten.
Claudia Gamon: Es gibt das Modell der nachgelagerten Studiengebühren. Diejenigen, die jetzt zahlen können, machen es jetzt. Die anderen können ein Bildungsdarlehen aufnehmen, das man später, wenn man mehr verdient, zurückzahlen kann. Es soll mit den Studiengebühren auch nicht das Budgetloch gestopft werden. Aber laut einer OECD-Studie haben Unis, die Zugangsbeschränkungen, Studiengebühren und dazu ein Beihilfen- und Stipendiensystem haben, die höchsten Anfängerquoten und die höchsten Absolventenquoten.

mokant.at: In diesem Zusammenhang meint ihr auch, die Uni sollte wie ein Unternehmen funktionieren. Wie stellt ihr euch das vor?
Claudia Gamon: Ein Bildungsunternehmen, ja. Die Idee hinter den Studiengebühren ist folgende: Wenn ich nicht Kunde bin, kann ich auch nichts verlangen. Wenn ich meinen Beitrag leiste, kann ich Qualität und eine exzellente Ausbildung erwarten. Im Moment ist mir die Uni zu nichts verpflichtet.

mokant.at: Aber wird die Uni dann nicht zur Ware, die dann an den Bestbietenden verkauft wird?
Claudia Gamon: Es gibt viele Leute, die vor der Ökonomisierung der Bildung Angst haben. Wir wollen die Universitäten nicht privatwirtschaftlich organisieren. Aber unser Hochschulsystem ist Teil unserer Volkswirtschaft. Es gibt keine Gratis-Bildung, es fallen überall Kosten an und deswegen ist die Bildung ökonomisiert. Bildung existiert nicht in einem sozialistischen Utopia. Sollen wir die Lehrenden mit Blumen zahlen? Ich will den Lehrenden und den Studierenden etwas bieten.

mokant.at: Oskar, im derstandard.at-Chat hast du gemeint, auch mit den Linken sprechen zu wollen. Gleichzeitig verteilt der RFS Dosenbier mit Sprüchen wie „Prost, wenn dir die Linken stinken“. Ist das eine Dialog-Basis?
Oskar Polak: Die ÖH ist unter der Wahrnehmungsschwelle, diese wollten wir brechen. Wir haben uns bewusst auf das Wort „Linke“ verständigt, weil wir Linke und Rechte quasi als die Extreme herangenommen haben. Die stinken uns im Prinzip beide. Es passt nur nicht auf eine Dose drauf.

mokant.at: War der Reim nicht der Grund dafür, dass ihr das Wort Linke genommen habt? Erinnert nämlich ein bisschen an „Daham statt Islam“.
Oskar Polak: Es ist dasselbe Werbekonzept dahinter. Die große Masse geht nicht zur Wahl und wir müssen es schaffen, dass sich die Studierenden überhaupt für die Wahl interessieren.
Claudia Gamon: Wir haben auch ein aufreißerisches Thema plakatiert. Aber ich muss mich ja trotzdem nicht auf dieses Niveau hinunterbewegen. Es ist nicht notwendig, sich auf diesen ideologisch gefärbten Diskurs einzulassen. Das Thema ist irrelevant. Es gibt ja auch Plakate gegen „Genderwahn“.
Oskar Polak: Das waren wir.
Claudia Gamon: Und gegen Männerfeindlichkeit.
Oskar Polak: Das waren auch wir.
Claudia Gamon: Das ist meiner Meinung nach genauso unwichtig, wie die anderen gesellschaftspolitischen Themen. Das bringt die Universitätspolitik nicht weiter. Ich kann auch so plakatieren, dass es Öffentlichkeit bekommt, indem das Thema wichtig ist und die Leute anspricht. Ich muss mich nicht vom Niveau her so weit hinunterbewegen.
Oskar Polak: Um auf dieses „Prost, wenn dir die Linken stinken“ zurückzukommen: Wir merken, dass innerhalb der ÖH einige gewaltbereite Linke auch in der Führung mitarbeiten. Wir finanzieren innerhalb der ÖH mit unseren Zwangsmitgliedsbeiträgen Demonstrationen, bei denen Gewalt an der Tagesordnung steht und auch gewünscht ist.

mokant.at: Welche Demonstrationen meinst du konkret?
Oskar Polak: Es sind so viele. Es werden busweise zu allen möglichen Demonstrationen gewaltbereite Leute hingebracht.

mokant.at: Linke?
Oskar Polak: Meistens. Nur um das klarzustellen: Ich distanziere mich von allen Rechten, die auch nur ansatzweise mit der Demokratie Probleme haben. Gewalt ist für mich ein Problem mit der Demokratie. Das andere: Claudia, du hast uns vorgeworfen, dass diese Sachen nichts mit der Studentenpolitik zu tun haben. Das ist richtig. Mir wäre es viel lieber, wenn diese Sachen innerhalb der Studenten kein Thema wären. Aber sie sind ein Thema. Wir haben die Quotendebatte plakativ mit der Männerfeindlichkeit angerissen, damit es eine Diskussion darüber gibt. Wir sind gegen Quoten. Für uns sollte die Qualität des Einzelnen entscheiden. Wir sehen das Geschlecht nicht als Merkmal, das qualifiziert oder disqualifiziert.
Claudia Gamon: Kann ich einwerfen, dass ihr nicht gegen Gesellschaftspolitik seid, sondern einfach findet, dass die ÖH die falsche Gesellschaftspolitik macht? Wenn ich konsequent keine Gesellschaftspolitik fordere, kann ich nicht sagen: „Nieder mit dem Genderwahn!“
Oskar Polak: Gerade die ÖH hat eine Vorreiterrolle in der Genderdebatte. Wir wollen, dass die ÖH sich nicht um die Genderdebatte kümmert, sondern um alle Studenten.

mokant.at: Der Grund für die Debatte ist ja, dass bisher nicht die Leistung, sondern das Geschlecht gezählt hat, nämlich das männliche. Sollte man das nicht zumindest thematisieren, Oskar?
Oskar Polak: Wir sind für Chancengleichheit, nicht für Ergebnisgleichheit. Die Interessen und Eignungen sind teilweise unterschiedlich. Ich habe ein tolles Beispiel aus der amerikanischen Luftwaffe: Man ist draufgekommen, dass es sinnvoller ist, weibliche Kampfpiloten auszubilden, weil sie besser dafür geeignet sind. Wenn wir sagen, wir brauchen 50 Prozent Männer und 50 Prozent Frauen wäre das einfach ein Blödsinn. Es sollte immer um die Eignung des Einzelnen gehen. Wir sehen in letzter Zeit, dass gerade konservative Parteien Frauen in Spitzenpositionen bringen. Es gab Bundespräsidentschaftskandidatinnen von der ÖVP und von der FPÖ, in Deutschland ist eine Frau an der Spitze. Die gläserne Decke, die noch vor ein paar Jahren ein Thema war, ist mittlerweile durchbrochen. Es geht ohne Quote und ohne staatliche Eingriffe.

mokant.at: Du hast gemeint, dass in den USA bei den Piloten mehr Frauen genommen werden, weil sie geeigneter sind. Wenn man sich die Professoren in Österreich ansieht, sind es hauptsächlich Männer. Sind Frauen also weniger geeignet für diesen Beruf?
Oskar Polak: Nein, nein, nein. Das ist ein großes Missverständnis. Es gibt in der Schweiz ein Modell gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz, nämlich einen anonymisierten Test. Das ist ein Zugang, den ich für wesentlich fairer halte, weil es wirklich um die Qualifikation und nicht um das Geschlecht geht.

mokant.at: Du hast Frauen an der Spitze von Parteien angesprochen. Im RFS sind ja sehr wenige Frauen im Bundesvorstand vertreten.
Oskar Polak: Es werden immer mehr. Gerade ich in Klagenfurt habe eine tolle Nachfolgerin, Nicole Di Bernardo. Wir vom RFS sind sehr stark Angriffen und Vorurteilen ausgesetzt. Wir erfahren wirkliche Gewaltbereitschaft. Es wird uns vorgeworfen, wir hätten zu wenig Plakate. Wir können in der Nacht plakatieren, am nächsten Tag sind alle Plakate wieder abgerissen, auch Angriffe bei Wahlkampfständen kommen vor. Viele Frauen meinen: „Wir arbeiten schon gerne mit, aber bitte stellt’s uns nicht nach vorne.“ Jede Frau, die sich bei uns engagieren will, wird von uns, sofern sie geeignet ist, in Top-Positionen gewählt. Wir haben an der TU in Wien eine Spitzenkandidatin.

mokant.at: Du sprichst immer wieder von der Gewaltbereitschaft euch gegenüber. In diesem Zusammenhang hast du vorher gesagt, dir stinken Linke genauso wie Rechte. Würdest du den RFS nicht als rechts bezeichnen?
Oskar Polak: Das politische Spektrum ist wie ein Hufeisen. Das heißt, wenn man ganz rechts außen ist, braucht man nur einen Schritt machen und ist ganz links außen. Es geht hier um Gewaltbereitschaft. Ich habe mit jedem, der kein Demokrat ist, die Demokratie ablehnt, den demokratischen Grundkonsens nicht einhält, mit Gewalt losgeht und Sachen verwüstet, ein Problem. Da ist es mir völlig egal, ob der von links oder rechts kommt, das find ich nicht in Ordnung.
Claudia Gamon: Was meinst du genau mit Gewaltbereitschaft? Wenn jemand Plakate abreißt? Unsere Plakate werden auch abgerissen. Das bedeutet für mich, dass sich die Leute nicht mit mir auf einen Diskurs einlassen wollen. Das ist für mich nicht Gewaltbereitschaft.
Oskar Polak: Wenn du Flyer verteilst und jemand kommt her, schubst dich und schreit dich an, du sollst verschwinden. Was das Plakateabreißen angeht: Mir ist Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sehr wichtig. Es ist schade um die Energie und die Ressourcen, die wir verbrauchen, um die Plakate die ganze Zeit nachzudrucken. Es gibt ein tolles Nietzsche-Zitat: „Ein Demokrat muss nicht nur andere Meinungen ertragen, er muss auch Freude an ihrem Widerspiel haben.“

mokant.at: Hat der RFS Freude an anderen Meinungen?
Oskar Polak: Selbstverständlich.
Claudia Gamon: Auch wenn’s um Genderwahn geht?
Oskar Polak: Ich selbst habe gerade das Genderzertifikat auf der Klagenfurter Universität eingereicht, ich habe mich damit auseinandergesetzt. Wenn ich ein Thema kritisieren will, muss ich mich auskennen. Ich habe sehr viel Freude.

mokant.at: Die Frage, ob ihr rechts seid, hast du mir aber noch nicht beantwortet.
Oskar Polak: Ich habe kein Problem damit, wenn jemand mich als rechts bezeichnet, sofern er nicht irgendetwas mit extrem sagt. Ich selbst würde mich als konservativ bezeichnen.

mokant.at: Auch national-konservativ?
Oskar Polak: Durchaus.
Claudia Gamon: Ausländische Studenten zahlen mehr, es sei denn sie kommen aus Deutschland?
Oskar Polak: Nein, nein.

mokant.at: Soweit ich weiß, bist du Mitglied in einer Burschenschaft, die schlagend ist und sich selbst als national-konservativ bezeichnet. Ist sie auch deutschnational?
Oskar Polak: Klingt jetzt blöd, wenn ich sage „teilweise“. Aber das ist ein anderer Nationenbegriff, der einfach noch von vor 200 Jahren kommt. Mir ist die Regelung der Staaten wichtig. Man hat gesehen, dass alle diese Mehrvölkerstaaten zerfallen sind. Ich bin der Meinung, dass es sinnvoll ist, die Staaten nach möglichst ähnlichen Kulturen zu regeln. Ich bin dafür, dass man sich in Nationalstaaten organisiert. Unser Nationalstaat ist Österreich. Das ist jetzt von der Universitätspolitik furchtbar weit weg, ich hoffe, dass du nicht nur das in den Artikel hineinschreibst, sondern wirklich die Studentensachen. Um zur Studentenpolitik zu kommen: Jedem Österreicher muss es möglich sein, ein gutes Studium abzuschließen. Wir haben keine Mittel, um alle auszubilden. Der Herr Faymann müsste sich nach Brüssel bewegen und dort auf den Tisch klopfen und sagen: „Wir sind ein kleines Land, wir schaffen es nicht.“ Ich finde es toll, dass man überall in Europa studieren kann. Aber es muss einen finanziellen Ausgleich geben. Mir wäre es am liebsten, wenn die deutsche Bundesregierung für jeden deutschen Studenten, der hierher kommt, zahlt.
Claudia Gamon: Das ist wieder einmal komplett falsch. Es ist wunderbar, dass man überall studieren kann. Ich bin nicht nur in Österreich, ich bin in Europa. Nicht Brüssel ist schuld daran, dass wir Probleme haben, sondern die österreichische Hochschulpolitik. Nur weil ein Österreicher sich oft zu bequem ist, die oft viel besseren Universitäten außerhalb Österreichs wahrzunehmen, da können die anderen Regierungen auch nichts dafür. Sie dafür zu bestrafen, dass sie eine bessere Hochschulpolitik haben, ist abstrus. Man kann das Problem nur dadurch lösen, indem wir ähnliche Zugangsregelungen und ähnliche Voraussetzungen haben, wie in den anderen Ländern. Ich verstehe nicht, warum man Österreich nicht in eine einheitliche, europäische Bildungslandschaft eingliedern kann. Österreich ist keine Insel. Es gibt andere System, die besser funktionieren, von denen unsere Studenten profitieren würden.
Oskar Polak: Also du siehst das Problem ähnlich, hast nur eine andere Lösung. Du willst den freien Hochschulzugang abschaffen und ich ein Gegenfinanzierungsmodell mit der EU, um unseren freien Hochschulzugang zu erhalten.
Claudia Gamon: Nicht ganz. Natürlich haben wir ein Problem, aber das Problem liegt nicht an Europa und auch nicht an den ausländischen Studierenden. Wir könnten auch von ihnen profitieren. Es kommen viele aus dem Ausland, die sich wunderbar eingliedern würden in den Arbeitsmarkt, es wird ihnen aber nicht die Chance gegeben zu bleiben. Man schickt gut ausgebildete, integrierte Leute wieder weg. Damit verschwendet man unglaublich viel Potenzial.

Titelbild: mokant.at > foto: Hans-Georg Eilenberger

Sofia Khomenko ist Chefredakteurin von mokant.at

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