KopfhörerInnen: Flogging Molly – Speed of Darkness

Flogging Molly – Speed of Darkness
(VÖ: 31.05.2011, Borstal Beat Records)

Cover: (c) Borstal Beat Records

Flogging Molly sind keine der Bands die sich gedanklich als erste aufdrängen, möchte man zum Punkrocknahen Genre auch noch das Konzept „Dunkelheit“ mitdenken. Nichtsdestoweniger hat Frontmann Dave King seit jeher nicht zuletzt durch sein Gespür für atmosphärische, nachdenkliche und oftmals auch durchaus düstere Texte bestochen. Die Tatsache, dass jene Texte von der Band jedoch zumeist in ein primär heiteres Celt-Punk Gewand mit traditionellen Instrumenten wie Mandoline, Akkordeon und Fidel gezwängt wurden, mag der Hauptgrund dafür sein, weshalb die Band oft immer noch in die Ecke der Spaßpunks und der munteren Trinkmusik gestellt wird. Auf „Speed of Darkness“, ihrer ersten Veröffentlichung die dem Begriff des Konzeptalbums bereits relativ nahe kommt, widmen sich Flogging Molly dem Thema der Finanzkriese, verortet und mit Ärger vertont im Brennpunkt Detroit.

An diesem Flogging Molly Album werden sich die Geister scheiden. Nicht aufgrund des dem Album zugrunde liegenden Konzeptes und auch nicht aufgrund eines unerwarteten Stilwechsels. Vielmehr nähert sich die Band gefährlich nahe dem Abgrund der Massentauglichkeit und der Selbstwiederholung. „Grenzwertig eingängig“ mag durchaus eine der ersten Wertungen sein, die Songs wie „Revolution“ oder „The Present State of Grace“ provozieren. Die wilde Phase der Jugend scheint hinter sich gelassen, „Speed of Darkness“ ist kein neues „Drunken Lullabies“ oder „Swagger“ deren Wurzeln noch tiefer im Punkrock lagen und auf denen Geschwindigkeit durchaus größer geschrieben wurde. Trotzdem schlittert die Band haarscharf am drohenden Abgrund vorbei und liefert ein rundes Album ab das letztendlich eher einen Reifeprozess erkennen lässt und die Band wiederholt als profunde MusikerInnen ausweist.

Ein Albumintro das sich aus einem langsam pulsierenden Gitarrenakkord in eine der schnellsten Nummern des Albums überschlägt, klassische Hard Rock Anleihen wie in „Oliver Boy (All Of Our Boys)“, sowie ein Einstieg wie zu „The Cradle of Humankind“ der ausschließlich auf Klavier und Gesang setzt, gab es so bei Flogging Molly noch nicht. Es sind Momemente wie diese, die dem Album Glaubhaftigkeit und Kurzweiligkeit verleihen. Ihrem bereits bewährtem Stil bleibt die Band ansonsten jedoch entschieden treu, erfindet sich nicht neu und wagt sich auch nicht in Gefilde vor, die HörerInnen zuvor nicht zumindest bereits erahnen könnten. Flogging Molly bedienen sich ihrem Konglomerat aus keltisch-irischem Folk und einem Rock, dem das lässige Präfix „Punk“ allerdings mitunter einfach freundschaftlich abgesprochen werden muss.

Das Konzept des Albums geht zum größten Teil auf. Im Großen und Ganzen ist es eine gutsortierte Reihe von Fight songs, ein Album das fordern will, doch dem auch angekreidet werden muss, dass es sich dafür letztendlich zu brav und zu wenig verärgert artikuliert. Ganz will sich das Bild des entlassenen und angepissten Working Class Heroes nicht einstellen, was nichts daran ändert, dass das Album an sich als klar gelungen bewertet werden kann. Für Flogging Mollys noch junges Eigenlabel „Borstal Beat Records“, stellt „Speed of Darkness“ somit einen guten Referenzpunkt dar, an den es anzuknüpfen gilt.

david.prieth@mokant.at'
David Prieth war als Leiter der Ressorts Musik und Kultur für mokant.at tätig.

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