Thomas und Ilona Maurer: „Eine schwache Frau ist eine starke Frau“

mokant.at > foto: georg marlovics

Foto: (c) Georg Marlovics

Thomas Maurer glaubt, „dass Emanzipation einer Partnerschaft im Weg steht“

Durch die ATV-Doku-Sendung „Das Geschäft mit der Liebe“ ist das Ehepaar Ilona und Thomas Maurer bekannt geworden. Die Sendung begleitet die Maurers bei der Arbeit und macht ihre Kunden zu den Protagonisten. Ilona und Thomas Maurer betreiben die Agentur „East Diamond Beauties“, mit deren Hilfe österreichische Männer Frauen aus dem Osten kennenlernen können. Umstritten und erfolgreich zugleich sind Partnervermittlungsagenturen dieser Art. Welches Frauen- und Männerbild dahinter steckt und was das Erfolgsrezept ist, verrät das Ehehpaar im Interview.

mokant.at: Frau Maurer, wie würden Sie Ihren Job charakterisieren?
Ilona Maurer: Wir haben eine Agentur, die Kennenlern-Castings organisiert, bei denen unseren Kunden mehrere Frauen vorgestellt werden, aus denen sie eine Frau zum Glücklichsein auswählen können.

mokant.at: Sie sind einer breiten Masse aus der ATV-Sendung „Das Geschäft mit der Liebe“ bekannt. Wie ist es dazu gekommen?
Ilona Maurer: Das erzählt besser mein Mann. Durch seine Kontakte sind wir dazugekommen. Es hat mit dem Übersetzen auf Reisen begonnen. Das ist so gut gelaufen, dass wir auf die Idee gekommen sind, eine Agentur aufzumachen.
Thomas Maurer: 2009 haben wir darüber gesprochen, im Rahmen der ATV-Serie das zu machen, was ich früher mit Models gemacht habe, nämlich Castings. Aber mit dem Unterschied, dass es sich um Kennenlern-Castings handelt und dass einem Mann nicht eine Frau vorgestellt wird, sondern vier Frauen gleichzeitig. Dadurch hat er nicht nur eine größere Auswahl, sondern es entsteht auch ein Konkurrenzverhältnis unter den Damen, was sehr belebend wirkt.

mokant.at: Wieso belebend?
Thomas Maurer: Die Ukraine ist eines der ärmsten Länder der Welt. Für Touristen gelten aber immer andere Preise, das Visum kostet Geld, die guten Hotels sind hochpreisig und so ist ein Mann in einer Woche mehrere tausend Euro los. Und wenn sich der Mann nur mit einer Frau treffen würde und das würde nicht passen, weil sie andere Vorstellungen voneinander haben, dann wäre das schade. Der Aufwand stehe in keiner Relation zu dem Ergebnis.

mokant.at: Was ist der Anreiz für osteuropäische Frauen, bei den Castings mitzumachen?
Thomas Maurer: Deutschsprachige Männer haben den Ruf, dass sie sehr familienfreundlich sind, Punkt eins. Punkt zwei: Die Männer in den Herkunftsländern sind arm, arbeitslos und oft dem Alkohol verfallen. Es gibt ganz wenige Superreiche, Oligarchen, die haben an jedem Finger hundert Frauen und dann gibt’s ein paar Normale, das ist aber wie ein Lotto-Sechser. Das heißt, die Perspektive für die Frauen ist schlecht: „Nehme ich einen arbeitslosen Säufer oder nehme ich einen Oligarchen, wo ich die Nummer 350 bin?“

mokant.at: Ist die Haltung gegenüber osteuropäischen Frauen eine andere?
Thomas Maurer: Das ist wie in der ATV-Sendung: Viele Männer halten sich in Wien zurück und sagen nicht das, was sie sich denken, weil der Mainstream zur Emanzipation und zum Feminismus hingeht. Drüben denken sie sich dann: „Das ist ja eh nur eine Ostblockfrau“ … Das ist natürlich eine schlechte Basis für eine Beziehung.

mokant.at: Was ist das Besondere an osteuropäischen Frauen?
Thomas Maurer: In der ersten Staffel der ATV-Serie hat eine Dame namens Olga es so zusammengefasst: Österreichischen Frauen versuchen sich fast männlich durchzusetzen, wenn es um Beziehungen geht. In Russland jedoch sagt man: „Eine schwache Frau ist eine starke Frau“. Das bedeutet, dass, wenn sie durch ihre weibliche Schwäche den Mann bezirzt, wird sie stark, weil er für sie alles machen würde.

mokant.at: Sind österreichischen Frauen uninteressant geworden durch die Emanzipation?
Thomas Maurer: Ich glaube, dass Männer und Frauen in Österreich nicht glücklich sind, weil einiges falsch läuft. Ich glaube sehr wohl, dass die Emanzipation – bis zum Feminismus vorangetrieben – einer Partnerschaft im Weg steht. Früher hat man Emanzipation mit Vermännlichung übersetzt. Wenn ein Mann bei seiner Frau männliche Züge wahrnimmt, wird er durch machoides Verhalten versuchen, dagegen zu arbeiten. Das alles sind Dinge, die falsch laufen.

mokant.at > foto: georg marlovics

Foto: (c) Georg Marlovics

mokant.at: Wie leben Sie Ihre Beziehung?
Thomas Maurer: Wenn Sie sich meine Frau anschauen, da gibt’s kein hartes Wort, kein Schreien, aber sie bekommt auch alles, weil sie so lieb ist und weil man ihr einfach alles geben will. Wenn sie ihre Weiblichkeit richtig einsetzt, ist sie die wahre Chefin daheim. Ein Mann, der wirklich liebt, tut alles für seine Frau. Er soll den Chef spielen dürfen, aber sie ist die Chefin.

mokant.at: Ilona, Sie sind in der ATV-Sendung eher im Vordergrund. Warum ist das so?
Ilona Maurer: Das ist meine Firma, die ich hier repräsentiere. Und wenn wir in den Osten reisen – da kenne ich mich einfach aus. Ich fühle mich jedoch sicher, wenn Thomas dabei ist. Viele Kontakte stellt Thomas her, er gibt mir Ratschläge. Er kann gut Leute und Situationen einschätzen.
Thomas Maurer: Ich bin das Mastermind, sie ist die Marke! Ich fühle mich sehr wohl im Hintergrund. Außerdem wird Ilona sehr geschätzt von den Medien. Sie kommt sehr gut an, denn was sie sagt, ist natürlich.

mokant.at: Werden Sie auf der Straße erkannt?
Ilona Maurer: Ja! Wenn wir unterwegs sind, werden wir erkannt und oft über die Protagonisten der Sendung befragt. Darüber reden wir jedoch nicht.

mokant.at: Was löst Ihre Bekanntschaft durch die Serie aus?
Thomas Maurer: In der Werbepause der am Montag laufenden ATV-Sendung ruft beispielsweise ein Mann an und sagt, dass er mit seinen vier Freunden gern eine Reise nach Ungarn machen würde, ob wir das nicht organisieren können.
Ilona Maurer: So ganz nach dem Motto „Willst du mir für ein lustiges Wochenende eine Frau besorgen?“. Aber so etwas machen wir nicht!

mokant.at: Wie fühlt man sich da als Frau?
Ilona Maurer: Naja, angegriffen und beleidigt. Aber da muss man sachlich bleiben und klarstellen, dass wir nur seriös Beziehungen stiften!

mokant.at: Wie viele Kunden betreuen Sie derzeit?
Ilona Maurer: Seit dem Fernsehauftritt sind wir fast überfordert. Aktuell haben wir fünfzig Kunden, weitere fünfzig sind in der Warteschleife. Die Kunden haben alle unterschiedliche Bedürfnisse, auf die wir individuell eingehen.

mokant.at: Kommt es bei den Kennenlern-Castings auch zu unangenehmen Situationen?
Ilona Maurer: Wir lehnen Kunden im Vorhinein auch ab, wenn wir merken, das funktioniert nicht. Bevor wir auf Reisen gehen natürlich, weil das eine viel zu intensive Zeit ist.
Thomas Maurer: Bei ungebührlichem Benehmen, wenn wir schon in einer Casting-Situation sind, brechen wir ab. Es gibt Männer, die führen sich wie ein Schwein auf, wenn sie in den Osten kommen, und denken, weil sie Österreicher sind, wird ihnen der rote Teppich ausgerollt. Ein Mann, der sich schlecht benimmt, wäre absolute Negativ-Werbung. Außerdem suchen wir nur liebe Mädchen aus und die wollen wir nicht mit irgendwelchen Proleten belästigen.

mokant.at: Wissen die Damen, worauf sie sich einlassen?
Ilona Maurer: Frauen bekommen vor dem möglichen Treffen Fotos vorgelegt und wenn ihnen der Mann optisch nicht zusagt, können sie gehen. Das bedeutet, dass die, die da sind, tatsächlich interessiert sind. Auch er muss umgekehrt ausgesucht werden.

mokant.at: Wie werden die Castings organisiert?
Ilona Maurer: Wir besprechen mit dem Kunden im Vorfeld genau, was er sich vorstellt und wohin er fahren will. Dann reise ich hin und knüpfe Kontakte und bereite die Reise mit dem Kunden vor.

mokant.at > foto: georg marlovics

Foto: (c) Georg Marlovics

mokant.at: Wie sprechen Sie die Mädchen an?
Ilona Maurer: Die Mädchen erreichen wir durch verschiedene Medien: durch Inserate, regionales Fernsehen und Radio. Dann melden sie sich bei uns. Eine andere Möglichkeit ist, sie persönlich anzusprechen.
Thomas Maurer: Ilona kann sehr gut Leute ansprechen, da hat sie wirklich eine Gabe, Menschen zu begeistern. Ilona spricht die Leute persönlich an, auf der Straße oder im Kaffeehaus oder im Kaufhaus. Ich bin eher derjenige, der aussucht, welche Dame zu dem Kunden passen könnte. Wir machen aktuelle Fotos von den Damen mit der Digitalkamera, diese zeigen wir dann dem Kunden in Wien.
Ilona Maurer: Die Fotos müssen schon realistisch sein und passen, damit die Erwartungen nicht zu hoch gesteckt und die Enttäuschung nicht zu groß ist.

mokant.at: Wie bereiten Sie die Mädchen im Vorfeld eines Castings vor?
Ilona Maurer: Ich berichte über den Mann und zeige ihr, welche Perspektiven sie mit ihm hätte, zum Beispiel eine Familie zu gründen. Aber wir verdrehen nichts. Generell aber halten die Damen viel von deutschsprachigen Männern.

mokant.at: Zeigen Sie den Damen auch Fotos von Ihren Kunden, also von den Männern, die sie interessieren sollten?
Thomas Maurer: Ich bin ja der Meinung, dass es vom Mann keine Fotos geben muss, weil ein Mann interessant und nicht schön sein muss. Die Frau punktet mit der Schönheit, er mit dem, was er ist. Vielleicht hat er ein Haus, eine Firma und ist zuverlässig. Mit diesen Infos kann sich die Frau dann ein Bild machen.

mokant.at: Die Frau braucht also eine Vision vom Leben mit ihm, der Mann braucht ein optisches Bild von der Frau, mit der er leben könnte?
Thomas Maurer: Ich glaube, das Aussehen der Frau ist für einen Mann wichtiger als das Aussehen des Mannes für die Frau. Ein schöner Mann im Osten wird eher abgelehnt, da denken die Frauen, dass sie den nie für sich alleine haben können oder sogar, dass er homosexuell ist. Man hat keinen Vorteil, wenn man als Mann super aussieht, man hat’s sogar schwer. In Russland haben die hässlichsten Männer die schönsten Frauen. Wichtige Attribute sind eher, dass er Kinder will, die Familie erhalten kann und gut zu seiner Frau ist.

mokant.at: Ein Beispiel: Ein Wiener trifft vier Ukrainerinnen. Wie helfen Sie bei der Überwindung der Sprachbarriere?
Thomas Maurer: Wir sind eine Werbe- und Eventagentur. Wir veranstalten den Event und helfen. Aber wir lassen den Flirt, wir stören nicht. Der hat die Auswahl in einer optimierten Situation, die wir herstellen. Wir stellen eine natürliche Situation her, wir helfen und fördern bei Entwicklungen. Dann trifft der Kunde eine Auswahl. Ilona und ich beraten begleitend, welche Dame es ernst meint und wo er sich vielleicht nicht anstrengen muss. Wir wollen für beide das Optimale herausholen.

mokant.at: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ilona Maurer: Mit meinem Mann zusammen, verheiratet und mit vielen, vielen Kinder.
Thomas Maurer: Wie viele?
Ilona Maurer: Drei.
Thomas Maurer: Nur drei? (lächelt)

 Passend dazu: Steckbrief East Diamond Beauties

Titelbild: (c) Georg Marlovics

nathalie.chrstos@mokant.at'
Natalie Chrstos war als Redakteurin für mokant.at tätig.

1 Comment

  1. a1053028@unet.univie.ac.at'

    Anita

    5. August 2014 at 15:47

    absolut heftig seine meinungen. der lebt ja noch im mittelalter

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.