Wien-Wahl: keine sexy Wahlentscheidung

Unsexy SPÖ lag bei der Wien-Wahl bei Jungwählern weit vorne

Sex ist für Jugendliche wichtig, dachten sich die Parteien. Und so konnte man als Jungwählerin oder Jungwähler „Schwarz macht geil“-Slogans der ÖVP hören, ein Kondom von den Grünen in die Hand gedrückt bekommen oder spärlich bekleidete Nixen im umstrittenen FPÖ-Comic bewundern. „Wir sind nicht prüde“, meinte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache darauf angesprochen im mokant.at-Interview. Das Ergebnis der Wien-Wahl: An erster Stelle liegt bei 16- bis 20-Jährigen die eher weniger sexy SPÖ (mit 46 Prozent), an zweiter Stelle kommen die Grünen (mit 21 Prozent), dann die FPÖ (20 Prozent), die ÖVP (12 Prozent), KPÖ und BZÖ bleiben bei den Jungen unter einem Prozent. Das geht aus einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts SORA hervor.

Grüne Schülerinnen, blaue Lehrlinge
Eine genaue Studie zu den Wahlmotiven der Jugendlichen gibt es noch nicht, zwei Dinge sind bei der vorliegenden SORA-Untersuchung aber jetzt schon ersichtlich: Junge Frauen wählen anders als junge Männer. Und Schüler und Studierende wählen anders als junge Erwerbstätige. Konkret wählten 29 Prozent der Mädchen die Grünen und 15 Prozent die FPÖ, während es bei den Burschen genau umgekehrt war: 27 Prozent wählten FPÖ, nur 14 Prozent die Grünen.

Einen noch deutlicheren Unterschied gibt es hinsichtlich des Bildungsgrads der Jugendlichen und deren Eltern. Sowohl bei den Schülern und Studierenden, als auch bei den Erwerbstätigen liegt die SPÖ an erster Stelle. Während die Grünen bei den Schülern und Studierenden aber auf dreißig Prozent kommen, sind sie bei den Erwerbstätigen mit zwei Prozent praktisch nicht existent. Bei diesen erreicht die FPÖ dafür stolze 45 Prozent, nur vier Prozent weniger, als die erstplatzierte SPÖ. Ähnlich verteilen sich die Stimmen je nachdem, ob die Eltern die Matura haben oder nicht.

Beliebter Strache
Die Gründe, warum die FPÖ gewählt wird, sind unter deren Gesamtwählerschaft: das Ende der absoluten Mehrheit der SPÖ (69 Prozent), Zuwanderung (68 Prozent) und der Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache (38 Prozent). Damit erzielt er den höchsten Wert aller Spitzenkandidaten. Es sind auch die drei Punkte, die den Wahlkampf der Freiheitlichen bestimmten. Der Parteichef setzte auf Jugendlichkeit und Volksnähe, bei Lehrlingen konnte er damit punkten.

„Vor allem bei Lehrlingen ist Strache sehr beliebt“, meinte Philipp Ikrath vom Institut für Jugendkulturforschung im mokant.at-Gespräch. „Er spricht eine Sprache, die Jugendliche verstehen, er spricht Probleme an, die vermeintlich ihre eigenen sind, er versucht als einziger Politiker so zu sein, dass sie ihn als einen von ihren annehmen können.“ Denn Jugendliche würden sich Einfühlungsvermögen und ein offenes Ohr für ihre Anliegen wünschen.

Ausbildung und sicherer Arbeitsplatz
Laut SORA sehen junge Menschen, die die FPÖ gewählt haben, ihrer Zukunft, im Gegensatz etwa zu SPÖ- oder Grün-Wählern, eher negativ entgegen. Sie machen sich etwa mehr Sorgen um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes. Die meisten Jugendlichen wünschen sich, dass die Politik sich um Arbeitslosigkeit kümmert. Noch wichtiger ist praktisch allen nur eines: eine gute Ausbildung.

Titelbild: wikimedia.org/ Gokcekoray (cc)

Sofia Khomenko ist Chefredakteurin von mokant.at

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