Reiseguide: Shanghai

Reisetipps für Großstadtabenteurer: Verkehrsregeln, Grüne Oasen und Dinge, die man in Shanghai getan haben sollte
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Man stelle sich folgende Situation vor. Ein junger Mann kehrt nach einem vierwöchigen Asienaufenthalt zu seiner Familie nach Österreich zurück und überrascht selbige bereits unmittelbar nach seiner Ankunft mit den Worten: „Ich habe mich unsterblich verliebt. Sie ist groß, laut und stinkt, aber ich kann es nicht erwarten sie irgendwann einmal wieder zu sehen.“ Jeden Eltern würde es in einer solchen Situation wohl die Sprache verschlagen, nicht so den meinen, als ich Ende August aus China zurückkam. Sie entgegneten lediglich nachfragend „Also hat dir Shanghai gefallen?“ Meine Antwort konnte nur „Ja“ lauten. Mehr als 18 Millionen Einwohner auf einer Gesamtfläche von gerade einmal 6.340 km² sprechen eine deutliche Sprache. Diese Stadt ist the place to be in der Volksrepublik und nachdem sie jeder – nicht nur aus diesem Grund – zumindest einmal in seinem Leben besucht haben sollte, nun nachfolgend ein paar Reisetipps für den geneigten Shanghai-Urlauber.

 

Tipp 1: Verkehrsregeln sind was für Anfänger
Es gibt bekanntlich ein Gerücht, das besagt, Asiaten könnten nicht Auto fahren. Trifft das nun auf Chinesen zu? Nein, ganz im Gegenteil! Zumindest scheint jeder Shanghainese davon überzeugt, in ihm würde ein kleiner Formel-1-Fahrer stecken. Gekonnte Überholmanöver stehen hier an der Tagesordnung, gerne wird dazu auch einmal auf den Gehsteig oder die Gegenfahrbahn ausgewichen. Was für Erstankömmlinge noch befremdlich wirkt, wird rasch zur Gewohnheit. Egal ob am Zebrastreifen, auf der Straße oder in der U-Bahn, wer hier nicht drängelt, ist selbst Schuld und vor allem später am gewünschten Ziel.

Tipp 2: Have you seen Shang„high“?
Dass Shanghai eher in die Höhe, denn in die Breite wächst, wird einem wahrscheinlich schon beim Landeanflug gewahr, spätestens aber nach einem Besuch des Finanzviertels im Stadtteil Pudong. Hier reiht sich ein Wolkenkratzer an den nächsten und obwohl die meisten über hundert Meter messen, wirken sie doch stecknadelgroß im Vergleich zu den beiden 400-Meter-Riesen unter ihnen, dem „Jin Mao Tower“ und dem „Shanghai World Financial Center“. Mit 492 Metern stellt zweites sogar das höchste Gebäude des Landes dar. Ein Trip zu dessen 101. Stockwerk muss daher zum Pflichtprogramm eines jeden Sightseeing-Touristen zählen. Hiervon sollte einen auch nicht der – vor allem für chinesische Verhältnisse – überzogene Eintrittspreis von umgerechnet knapp 16 Euro abbringen.

Tipp 3: Die Seele der Stadt
Schenkt man einem der älteren Bewohner bei Gelegenheit ein Ohr, so wird man bereitwillig darüber aufgeklärt, dass es einst schöner war, in Shanghai zu leben. Nicht zu Unrecht sind viele der hier lebenden Menschen der Meinung, die Seele der Metropole würde ihrer zunehmenden Urbanisierung anheimfallen. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Shanghai ist reich an Kulturschätzen des 20. und 21. Jahrhunderts, die sorgsam über die letzten Jahrzehnte in die lokale Kultur eingearbeitet wurden. So ist die Stadt im Südosten Chinas heute ein Geflecht von Alt und Neu, das sich gleichsam durch die tragende Wirtschaftsrolle, wie die lange zurückreichende Geschichte Shanghais zu erkennen gibt. Als Tourist bekommt man so die Möglichkeit, einen komplexen Eindruck eines epochal vielschichtigen Kulturraums zu erhaschen, dessen moderner Charakter sich vor allem in den Einkaufsmeilen rund um Xujiahui und Nanjing Lu, aber auch in kunstvoll angelegten Sculpture-Parks zeigt. Der aber gleichsam Kulturdenkmäler wie den Yu-Garten und zahlreiche Tempelbauten, wie beispielsweise die Long-Hua-Pagode, beherbergt.

Tipp 4: Grüne Oasen statt grauem Ort
Wer denkt, er sei hier dem üblichen Lärm, Smog und der Hektik einer Großstadt hilflos ausgeliefert, irrt. Neben seiner Big-City-Allüren hat Shanghai nämlich auch einen Ruf als Pionierstadt für Lebensqualität zu verteidigen, dem es als Austragungsort der diesjährigen Weltausstellung, unter dem Motto „Better City, Better Life“, umso mehr gerecht werden muss. Aus diesem Grund finden sich neben zahlreichen Parks auch ausufernden Gärten in Tempel-, und Wohnanlagen überall in Shanghai. Oft sind diese so weitläufig, dass man in ihnen getrost die Zeit vergessen kann und dabei maximal durch das Zwitschern von Vögeln wieder wachgerüttelt wird.

Nicht zuletzt aus diesem Grund stellen solche Parks einen idealen Raum für die Freizeitgestaltung unterschiedlichster Großstadtchinesen dar. Wer tatsächliches Interesse an Kultur und Mentalität Chinas hat, sollte sich einen sommerlichen Nachmittag in einem solchen Park deshalb nicht entgehen lassen. Zu dieser Tageszeit, wenn es nicht mehr so heiß ist und viele gerade zu arbeiten aufgehört haben, trifft man sich hier zu gemütlichen Gesprächen, zum gemeinsamen Tanzen, oder man bleibt für sich und meditiert oder musiziert. Spätestens wenn man dann noch vorbeiziehende Shanghainesen den Donauwalzer pfeifen hört, ist man endgültig vom Charme dieses Ortes ergriffen.

Tipp 5: The Sound of Shanghai
Ein in China weitverbreitetes Phänomen stellen sogenannte K-TVs dar. Das „K“ steht dabei für das japanische Wort Karaoke, „TV“ für einen Fernsehraum, den man sich mit Freunden und Bekannten teilen kann. In Kombination bedeuten diese Buchstaben dann außer einer Menge schiefer Töne auch mindestens genauso viel Spaß. Denn neben der vorrangig chinesischen Auswahl an Titeln und Interpreten finden sich auch unzählige Vertreter westlicher Musikstile. Wer längere Zeit in Shanghai verbringt, wird sich mit Sicherheit auch des Öfteren inmitten johlender Einheimischer wiederfinden. Ein guter Weg neben dem Gesangsvermögen auch die Weltanschauung so manches Chinesen einmal näher kennenzulernen.

Tipp 6: Köstliche Klischees
Viele bekommen es mit der Angst zu tun, wenn sie an das Wort „traditionell“ im Bezug auf chinesische Speisen denken. Zu sehr wird man zumindest in Österreich mit dem Klischee vom gebratenen Hund indoktriniert und obgleich man sich hier noch wesentlich exotischere Tier- und Pflanzenarten auf die unorthodoxesten Arten und Weisen zubereiten lassen kann, schmeckt doch vieles von dem hier Angebotenen großartig und kostet vor allem nur einen Bruchteil von dem, was es in einem europäischen Delikatessenrestaurant kosten würde. Egal ob Frösche, fermentierte Eier oder Skorpione – man sollte alles einmal probiert haben, zu variantenreich und einladend ist die Shanghainesische Haute Cousine. Man muss ja nicht unbedingt gleich kalte Hühnerfüße essen.

Tipp 7: EXPO
Noch bis Ende Oktober präsentieren sich in Shanghai 192 Nationen sowie fünfzig internationale Organisationen und Corporate-Pavillons den schaulustigen Besuchern. Sehenswert waren hier vor allem die Pavillons von Saudi-Arabien, Deutschland, China, Japan, aber auch Kanada. Wer sich mehrere Nationen ansehen wollte, musste allerdings seine Zeitplanung dementsprechend ausrichten, denn die Wartezeiten für manche Gebäude betrugen bis zu acht Stunden. Wer den langen Weg nach Shanghai für die Expo nicht in Kauf nehmen wollte, kann sich auf die Weltausstellung im nächsten Jahr freuen. Die findet dann nämlich in der etwas näher gelegenen Schweiz statt.

Artikel von Pascal Honisch
Titelbild: flickr.com/Francois Philipp

 


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1 Comment

  1. Anita

    26. Juni 2014 at 13:02

    spannend, würde ich gerne mal hinfahren

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