Heinz-Christian Strache: „Grüne sind spaßbefreit“

Heinz-Christian Strache über die Harmlosigkeit seines Comics, Computerspiele, Sexobjekte und unglaubwürdige Stadtratsposten

Foto: (c) Georg Marlovics

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Polarisierend und nie um einen Sager verlegen – Heinz-Christian Strache, FPÖ-Spitzenkandidat bei den Wiener Gemeinderatswahlen, redet gerne und viel. Nicht nur über den Wahlkampf, den er zur Zeit führt, sondern auch über die Getränke, die er während seiner basischen Entgiftung zu sich nehmen darf. „Der Rest ist Sport“, schließlich ist so ein Wahlkampf kein Spaziergang, sondern „ein Marathon“. Im Gespräch mit mokant.at bekräftigt er sein Ziel, die rote Absolute brechen zu wollen. Denn: „schwarz ist machtgeil“ und wenn Häupl rappt, gehen alle nach Hause.

mokant.at: Egal wem ich erzählt habe, dass ich ein Interview mit Ihnen führen werde – es hat extreme Reaktionen hervorgerufen, von Begeisterung bis hin zu totaler Ablehnung.
H.C. Strache: Sie brauchen keine Angst haben, ich beiße nicht. (lacht)

mokant.at: Gefällt es Ihnen, so zu polarisieren?
H.C. Strache: Nein, ganz und gar nicht. Aber es ist immer so, dass es Neider gibt in einer Gesellschaft, wenn man so erfolgreich ist. Wir sind angetreten um das Proporzsystem in unserer Gesellschaft aufzubrechen und Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft aufzuhalten und sie in eine sozial gerechtere und bessere Entwicklung zu führen. Und da gibt es natürlich immer Menschen, die andere Interessenslagen haben, weil sie Macht und Privilegien nicht verlieren wollen. Es wird oft mit Diffamierungen, mit bewusst falschen Unterstellungen gearbeitet, und man muss es immer so sehen: Wir, die Freiheitliche Partei, sind der kleine David, und wir haben einen Goliath gegen uns stehen.

mokant.at: Was ist das wichtigste Wahlziel für Wien? Über die zwanzig Prozent zu kommen?
H.C. Strache: Es gibt mehrere große Wahlziele. Das eine ist die rote Arroganz und Allmacht der SPÖ zu brechen. Wenn ich mir die jetzige SPÖ anschaue, mit Häupl als Verantwortungsträger, dann hat er Wien in vielen Bereichen in eine negative Richtung geführt.

mokant.at: Häupl oder die SPÖ allgemein?
H.C. Strache: Häupl als Chef hat die Entwicklung der SPÖ zu verantworten. Und da sieht man, dass zum Beispiel 35.000 Arbeitsplätze in zehn Jahren abgebaut worden sind. Es gibt sehr viele Fehlentwicklungen, bei denen ich sage: Das kann man ändern, indem man auch anderen Parteien wie der Freiheitlichen Partei die Chance gibt, es besser zu machen. Ich will daher als ein Hauptziel diese rote absolute Mehrheit brechen. Ich will die Zwanzig-Prozent-Marke überspringen. Denn dann muss die Wählermeinung ernst genommen werden. Das ist ein Ziel, das ich habe, weil ich Verantwortung übernehmen möchte, diese Inhalte auch umzusetzen.

mokant.at: Wie schaut es auf Bezirksebene aus? Glauben Sie, dass einzelne Bezirke blau werden?
H.C. Strache: Das wäre schön, das würde durch einen Erdrutsch möglich sein. Es bräuchte einen Erdrutsch in Wien, dessen sind wir uns bewusst, und wenn es den geben könnte in manchen Bezirken, Favoriten, Simmering, Floridsdorf oder Donaustadt, wäre das erfreulich.

Foto: (c) Georg Marlovics

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mokant.at: Das halten Sie für möglich?
H.C. Strache: Ich halte in einer Demokratie prinzipiell alles für möglich. Als Realpolitiker sage ich, wir werden einige Bezirksvorsteher-Stellvertreter zusätzlich gewinnen und es ist realpolitisch eher unwahrscheinlich, einen Bezirksvorsteher möglich zu machen. Ich spüre einen riesigen Aufbruch in Wien. Nicht nur bei den Jungen, bei denen sind wir besonders stark, weil die ja die negativen Entwicklungen wie einen Rucksack mit Steinen gefüllt zu tragen haben, die von SPÖ und ÖVP aufgebürdet wurden. Dort sind wir stärkste Partei, aber auch bei den älteren Menschen erlebe ich einen Aufbruch, die seit dreißig Jahren aus Treue heraus die SPÖ oder ÖVP gewählt haben. Denen reicht es auch, die kommen auf mich zu und sagen: Ich kann die SPÖ nach vierzig Jahren nicht mehr wählen.
mokant.at: Frau Marek kandidiert nicht als Bürgermeisterin, weil sie weiß, ein Sieg ist nicht realistisch. Warum platzieren Sie sich bewusst als Bürgermeisterkandidat?
H.C. Strache: Das zeigt, dass Frau Marek sich selbst nichts zutraut, damit ist sie zumindest ehrlich. Als Spitzenkandidatin sollte man sich schon auskennen in Wien, Frau Marek braucht ja einen Stadtplan, um zum Rathaus zu finden. Wenn ich mir die Wahlautos von ihr ansehe, auf denen steht „Schwarz macht geil“, dann glaubt man, das ist Werbung für einen Sexclub, und dann bemerkt man, der Slogan stimmt: Wenn es heißt „Schwarz ist machtgeil“, dann hat sie Recht. Das erkennen die Wähler auch und wissen, eine Stimme an sie, ist eine vergebene Stimme. Wir wissen, dass sechzig Prozent aller Wiener keine absolute SPÖ-Mehrheit mehr wollen, und die sprechen wir an.

mokant.at: In Ihrem Wahlkampf ist immer wieder von „unserer“ Kultur die Rede. Was ist das für Sie?
H.C. Strache: Ich habe versucht, das mit dem Plakat „Mehr Mut für unser Wiener Blut“ zum Ausdruck zu bringen. Unsere Kultur, das Wiener Blut, bringt die Wiener Lebensfreude zum Ausdruck. Ich empfinde diese Wiener Lebensart, die Lebensfreude, die Kultur, und deshalb sage ich auch, ich will Wien als Weltstadt erhalten, nicht zur Allerweltstadt verkommen lassen, sie soll unverwechselbar sein. All diese Positiva möchte ich erhalten wissen. Es gibt eine wundervolle Vielfalt in Europa, mit vielen Kulturen und Sprachen, und genauso liegt es mir am Herzen, die Kulturen und Sprachen in Europa zu erhalten. Ich will nicht diesen zentralistischen EU-melting-pot, wo eine Sprache am Ende gesprochen wird und sich alle Kulturen vermengen.

Foto: (c) Georg Marlovics

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mokant.at: Gegen die Vermengung der Kulturen scheint sich auch Ihr Comic zu richten.
H.C. Strache: Wir haben unter anderem Wiener Sagen bearbeitet und im Comedy-Comic dargestellt. Darin haben wir meine Person und Michael Häupl in eine Zeitreise in die Vergangenheit zurückgeschickt, um zu zeigen, wie sich beide möglicherweise verhalten hätten. Allerdings in einer sehr lustigen Art und Weise, wo man sehen kann, dass in der Realität die Grausamkeiten sicher wesentlich dramatischer waren.

(Zeigt auf ein Bild) Hier sieht man einen kleinen Jungen, der Kara Mustafa, dem Belagerer, eine mit einer Steinschleuder „aufbrennt“. Der kleine David gegen den großen Goliath, der damals erfolgreich war, zum Glück. Bei Asterix und Obelix fliegen Hinkelsteine, da werden die Römer als Spinner bezeichnet! Und niemand sagt, das ist italophob, da wird keine Anzeige wegen Hetze gemacht. Bei uns sehr wohl, und das zeigt, dass die Grünen spaßbefreit sind und überhaupt mit Comics und Comedy nichts anfangen können.

mokant.at: Sie sind immer als Superheld dargestellt, im Gegensatz zu Herrn Häupl. Muss ein Politiker in Ihren Augen körperliche Qualitäten haben?
H.C. Strache: Nein, aber ich kann nichts dafür, dass ich jünger, sportlicher und dynamischer bin, auch mehr Vorzugsstimmen kriege als Häupl. Ich kann nichts dafür, dass die Menschen in mir einen Hoffnungsträger sehen und in Häupl einen abgehalfterten Politiker, der versagt hat und daher eigentlich pensionsreif ist.

mokant.at: Die vor kurzem veröffentlichte Erstwählerstudie sagt was ganz anderes.
H.C. Strache: Gut, dass Sie das ansprechen. Die Ergebnisse der Studie machen nicht, wie die SPÖ vorgibt, die Sozialdemokratie zum Sieger, sondern zeigt, dass die Panik der Genossen sehr groß ist. Warum? Der Vorstand dieses Instituts war von 1985 bis 1988 VSSTÖ-Vorsitzender, das ist also eine Studie, die die SPÖ in Auftrag gegeben hat. Ich zitiere aus Studien, die ich nicht in Auftrag gegeben habe, die nicht SPÖ-nahestehende Zeitungen zitiert haben, wonach wir bei den jungen Wählern mit Abstand die stärkste Partei sind.

mokant.at: Liegt es an Ihrem Aussehen, dass Sie populär sind bei den Jungen?
H.C. Strache: Ich glaube es liegt daran, dass ich authentisch bin und als ehrlicher Mensch wahrgenommen werde, der den Mut hat, Fehlentwicklungen aufzuzeigen.

mokant.at: Herr Oxonitsch hat Ihnen wenig Authentizität bescheinigt, wenn Sie im Praterdome rappen.
H.C. Strache: Das ist insofern sehr authentisch, weil ich es ja mache. Ich gehe dort hin, bin für die Menschen da, jeder kann mit mir reden. Herr Oxonitsch geht dort gar nicht hin, und wenn er es täte, würde ihn erstens niemand kennen und zweitens keiner mit ihm reden wollen. Und wenn Josef Pröll und Häupl noch dazukommen, würden sie alle Menschen aus der Disco hinaustreiben. So gesehen ist es authentisch.

mokant.at: Sie haben sich als „Polit-Rapper“ bezeichnet …
H.C. Strache: Die Freiheit der Kunst habe ich für mich in Anspruch genommen.

Foto: (c) Georg Marlovics

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mokant.at: Würden Sie es begrüßen, wenn andere Politiker darauf einstiegen?
H.C. Strache: Naja, dann würden sie mich kopieren. Was ist denn der Grund dafür, dass manche so aufgeregt reagieren? Weil ich im Bereich der modernen Kommunikationstechniken den anderen um Lichtjahre voraus bin. Als ich 2004 Landesobmann geworden bin, war ich der jüngste Landesobmann aber auch der jüngste Bundesparteiobmann in der Geschichte der Republik. Ich habe damals bemerkt: Die Menschen sind nicht politikverdrossen, sondern Politiker-verdrossen. Wie kann ich Politik moderner, frischer transportieren, damit Menschen, die vielleicht gar nichts mehr mit Politik am Hut haben, sich wieder dafür interessieren? Das haben wir mit neuen Zugängen geschafft, unter anderem mit dem Rap. Warum nicht selbst einmal Probleme unserer Zeit offen ansprechen und damit einen Diskurs ermöglichen? Von Facebook, wo ich mit 65.000 Fans als Politiker die meisten Fans im deutschsprachigen Raum habe, bis hin zu Comics, wo wir die Freiheit der Kunst und der Karikaturen nützen. Wir sind auch viel lustiger als ein Haderer.

mokant.at: Beim Minarett-Computerspiel haben Sie in Sachen Modernität aber zurückgerudert.
H.C. Strache: Da habe ich nicht zurückgerudert, sondern bin nicht gefragt worden und habe nichts gewusst. Derjenige Berater, der das der FPÖ Steiermark angeboten hat, hat das Spiel mir auch angeboten, und ich habe abgelehnt, weil ich gesagt habe, ich brauche keine Spiele, ich mache das mit anderen Argumenten. Aber Spiele sind für mich nicht das geeignete Mittel, um politische Inhalte zu vermitteln.

mokant.at: Von Ihnen wird es also keine Spiele geben?
H.C. Strache: Wenn es Spiele gibt, dann nicht mit dem Anspruch, etwas politisch bewegen zu wollen sondern mit dem Anspruch, etwas humoristisch thematisieren zu wollen.

mokant.at: Zum Thema Bildung: Sie haben eine 25-prozentige Quote an Migrationskindern in Schulklassen verlangt, momentan sind es über vierzig Prozent. Was wollen Sie mit den restlichen Kindern machen?
H.C. Strache: Es ist schlimmer, wir haben mittlerweile schon über fünfzig Prozent im städtischen Raum.

mokant.at:
Aber was soll mit den Kindern passieren?
H.C. Strache: Es sind mittlerweile fünfzig Prozent. Was zeigt, dass die SPÖ falsche Familienpolitik gemacht hat, das heißt die eigenen Familien nicht gefördert, nicht unterstützt hat. Uns hat man eingeredet, nur wenn man in Zuwanderung investiert, sind unsere Pensionen gesichert, heute bemerken wir, das Gegenteil ist der Fall. Der Schulbereich ist dramatisch: Wir haben eine SPÖ in Wien, die siebenhundert Landeslehrer eingespart hat, wir haben überfüllte Klassen mit dreißig Kindern und mehr, wo teilweise nur zwei bis drei Kinder aus Österreich stammen, was nicht unbedingt gut ist für die Integration oder für die Anhebung des Bildungsniveaus.

mokant.at: Wobei man unterscheiden muss zwischen Kindern, die Migrationshintergrund haben und Kindern, die kein Deutsch sprechen.
H.C. Strache: Ja, aber es ist halt oftmals so, dass Kinder, die kein Deutsch können, einen Migrationshintergrund haben und nicht umgekehrt. Und deshalb gibt es die Problematik, dass unsere Kinder in den Schulen zur Minderheit geworden sind. Wir müssen eine verpflichtende Deutschvorschule einführen, für Kinder, die mit fünf Jahren kaum Deutsch können, bevor sie in die Regelschule dürfen.

Foto: (c) Georg Marlovics

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mokant.at: Und was passiert mit jenen Kindern, die erst mit vierzehn nach Wien kommen? Sollen die mit den Fünfjährigen in die Vorschule gehen?
H.C. Strache: Vierzehnjährige müssen ihre Integrationsbringschuld leben. Die müssen so rasch wie möglich die Landessprache lernen. Wir wollen zum Beispiel die Schülerhöchstzahl in Klassen auf 25 senken als Muss, siebenhundert bis tausend neue Lehrer anstellen, und wir wollen sicherstellen, dass sich die heutigen Zustände verbessern. Ganz ehrlich: bevor ich nur noch zwei österreichische Kinder in einer Klasse habe, nehme ich sie raus und gebe sie in eine Klasse, wo sie nicht die Minderheit sind. Dann ist das sicherlich besser als umgekehrt. Ansonsten sind wir in der Situation, in der unsere Kinder sich integrieren müssen, und das kann es nicht sein. Deshalb habe ich auch von Quoten gesprochen, das muss man sich ansehen, wo das überhaupt möglich ist.

mokant.at: Was ist für Sie eine freie Frau?
H.C. Strache: Eine freie, selbstbestimmte Frau ist eine Frau, die bei gleicher Leistung gleichen Lohn erhält, die frei und selbstbestimmt wählt, welchen Lebensweg sie geht und nicht einer Zwangsbeschneidung ausgesetzt wird, einer Zwangsheirat, unterdrückt wird oder gezwungen wird, eine Burka zu tragen, daheim zu bleiben und nicht den Deutschkurs besuchen zu dürfen. Wenn wir heute in die Jugendanwaltschaft hineinschauen, wenden sich zwei Drittel der Mädchen dorthin, weil sie Gewalt in der Familie erfahren, unter Kopftuchzwang gestellt werden und so weiter. Das zeigt auf, dass Frauen in unserer Gesellschaft unterdrückt werden, und das kann und darf nicht der Fall sein. Man darf die Frauen nicht auf ein Sexobjekt reduzieren.

mokant.at: Wenn man sich Ihren Comic ansieht, sehen die abgebildeten Nixen aber wie Sexobjekte aus.
H.C. Strache: Wir sind mit Sicherheit nicht prüde. Wir haben mit Sexualität kein Problem. Warum sollte eine Frau sich nicht pflegen und sich hübsch herrichten?

mokant.at: Auf Ihrer Homepage ist die Forderung nachzulesen: „Sofortige Ausweisung bei nichtvorhandener Integrationsbereitschaft“. Wie wollen Sie eine solche feststellen?
H.C. Strache: In Amerika gibt es die Green Card, eine gute Einrichtung, wo die Amerikaner ganz genau schauen, wen sie ins Land lassen, und was sie von ihm erwarten. Wen man nicht braucht am Arbeitsmarkt, wer die sprachlichen Erwartungen nicht erfüllt, wird gar nicht zugelassen. Und wenn man zugelassen wird, hat man Dinge zu erfüllen: man hat den Arbeitsprozess wahrzunehmen, wenn man arbeitslos wird, hat man das Land zu verlassen.

mokant.at: Und das könnten Sie sich auch vorstellen?
H.C. Strache: Solche Mechanismen brauchen wir auch in unserer Gesellschaft. Wir können nicht Menschen, die zu uns kommen, langzeitarbeitslos sind und glauben, vom Sozialstaat leben zu können, bei uns lassen. Die müssen halt dann wieder zurückgehen.

Foto: (c) Georg Marlovics

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mokant.at: Wenn die zwanzig Prozent nicht erreicht werden – bleiben Sie in Wien? Können Sie sich einen Stadtratsposten auch vorstellen?
H.C. Strache: Ich sage ganz offen: alles, was ein Plus vor dem Ergebnis hat, ist ein Gewinn. Aber ich stehe als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung, das heißt, mich gibt es nur als Bürgermeister, weil ich mit Sicherheit nicht als Nummer zwei zur Verfügung stehen kann (H.C. Strache hat mittlerweile bekanntgegeben, auch als Vizebürgermeister zur Verfügung zu stehen, Anmerkung der Redaktion). Ich möchte in Wien das Vorzeigemodell für Österreich möglich machen. Häupl hat alleine in den letzten Jahren 35.000 Arbeitsplätze vernichtet durch seine Politik, er hat durch die Kommunalsteuern Wien so unattraktiv gemacht, dass die Betriebe abgewandert sind ins Wiener Umland. Wien ist heruntergewirtschaftet worden in den letzten Jahren.

mokant.at: Aber das wäre ja ein Grund, in Wien auch als Nummer zwei zu bleiben.
H.C. Strache: Ich kann nur dann in Wien bleiben, wenn ich die Kraft durch die Wähler bekomme. Wenn ich den Bürgermeister stellen kann, dann macht es Sinn, in Wien zu bleiben. Sonst kann ich ja auf parlamentarischer Ebene mehr für das Land möglich machen.

mokant.at: Die Frage ist, wie glaubwürdig es ist, wenn sie wieder in die Bundespolitik gehen.
H.C. Strache: Es wäre unglaubwürdig, würde ich mich mit einem Stadtrat zufrieden gebe, wo ich diese freiheitlichen, richtigen Programme nicht umsetzen könnte. Ich kann sie nur als Bürgermeister umsetzen. Keine halben, sondern ganze Sachen, das ist mein Anspruch.

mokant.at: Glauben Sie, dass Häupl für weitere fünf Jahre bleiben wird?
H.C. Strache: Ich glaube, dass er in Wirklichkeit längst abgedankt hat, und nach längstens einem Jahr einen Nachfolger einsetzen wird.

mokant.at: Glauben Sie, dass die Zusammenarbeit mit der SPÖ einfacher werden würde, wenn Häupl weg wäre?
H.C. Strache: Wenn eine Person Macht verliert, zwingt sie das zum Umdenken und zum Ablegen der ideologisch verfärbten Brille. Dann wird es vielleicht einmal Persönlichkeiten geben in der Wiener Sozialdemokratie, die offen sind und bereit sind, mit allen legitimierten demokratischen Parteien korrekt umzugehen.

mokant.at: Wie hält man sich fit im Wahlkampf?
H.C. Strache: Im Wahlkampf gar nicht. (lacht) Ich komme aus dem Leistungssport, und bereite mich auf Wahlkämpfe langfristig vor. Ich habe seit dem Jahr 2005 bis heute vierzehn Wahlkämpfe geführt. Und das geht natürlich an die Substanz. Ich habe mich vorbereitet, habe im März vergangenen Jahres begonnen, eine hunderttägige basische Entgiftung zu machen, die ich einmal im Jahr mache, wo ich mich ausschließlich basisch ernähre, jeden Tag zwei Liter Entgiftungstee trinke, zwei Liter naturtrüben Apfelsaft mit Leitungswasser und ein Glas Rotwein. Der Rest ist Sport. Ich habe wieder bis zu zwölf Kilo abgenommen, heute ist mein Optimalgewicht 82 Kilo bei einer Größe von 1,86 Meter. Da bin ich auch wieder angekommen. Der Wahlkampf ist wie ein Marathon, noch dazu, wie ich ihn betreibe. Jetzt, kurz vor der Wahl, steigere ich die Intensität, und wenn ich am 10. Oktober durch das Ziel laufe, bin ich natürlich am Limit. Wäre ich da nicht am Limit, hätte ich nicht alles gegeben.

mokant.at: Sind Sie schon froh, wenn es vorbei ist?
H.C. Strache: An so etwas denkt man nicht. Man ist voll in der Konzentration, diesen Weg zu Ende zu gehen. Dann erst beginnt man darüber nachzudenken.

Titelbild: (c) Georg Marlovics

Michaela Wein hat mokant.at gegründet und war von März 2010 bis Dezember 2011 als Chefredakteurin für mokant.at tätig.

8 Comments

  1. Bernieee

    2. Juni 2014 at 16:07

    Erstaunlich wie oft Strache im Interview von Stadler erwähnt wird. Stadler dürfte in der Tat einen enormen „Strache-Komplex“ haben. Wäre mir umgekehrt noch nicht so eklatant aufgefallen. Zumindest in diesem Interview kommt das Wort Stadler kein einziges mal vor.

  2. mp

    2. Juni 2014 at 18:01

    Naja, das Interview ist von 2010, da war Stadler noch bei der FPÖ glaub ich

    • Bernieee

      5. Juni 2014 at 16:14

      Stimmt, auf das Datum hab ich gar nicht geachtet. Aber ich glaube Stadler war zu diesem Zeitpunkt bereits bei der Bienenzüchterpartei (BZÖ (c) Stadler)

      • Dominik Knapp

        5. Juni 2014 at 16:28

        Laut Wikipedia gehörte Stadler ab Herbst 2008 dem BZÖ an und wurde sogar zum Obmann-Stellvertretet des Parlamentsklubs gewählt. In einem ersten Interview nach der EU-Wahl-2014-Niederlage seiner REKOS erwähnte Stadler jedoch, er hätte damals nur wegen Jörg Haider zum BZÖ gewechselt.

        • mp

          5. Juni 2014 at 18:50

          Echt schon so lange
          Hatte das Gefühl, das liegt nicht so weit zurück. Erinnere mich an eine böse Rede vom Kickl wegen Bußgürtel und so, als Stadler wechselte 🙂

  3. Da Fronz

    5. Juni 2014 at 16:18

    Eigentlich eh verrückt, dass diese beiden – sich ideologisch doch sehr nahestehenden Personen – so überhaupt nicht miteinander können.

    • Max Mose

      16. September 2015 at 11:43

      Zu viele Köche verderben den Brei. Da geht es doch – wie so oft – um Machtverhältnisse. Und sowohl Strache als auch Stadler (oder einst Haider) sind „Alpha-Tiere“ die gerne selbst im Mittelpunkt stehen. Besonders Stadler schätze ich diesbezüglich als großen Neider ein, der mit dem kometenhaften Aufstieg Straches überhaupt nicht klar kam.
      Mal davon abgesehen ist Stadler dann doch noch ums Eck „katholischer“ als Strache es jemals sein könnte.

  4. Max Mose

    16. September 2015 at 11:52

    Im Prinzip könnte dieses Interview mit ein paar kleinen Ausnahmen auch von 2015 sein 😀

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