Guadalajara: „Mag Battles nicht“

Der Gitarrist von Guadalajara spricht im Interview über deren neue Bandbesetzung

Guadalajara sind wieder unterwegs: Ein Schlagabtausch von Sänger Volker Schaffler und Trompeter Bernhard Kaufmann lässt gleich zwei neue Gesichter zwischen den Reihen von Guadalajara hervorblitzen. Mit Patrick Lux und Matthias Bistan ist die „gefährlichste“ Blaskapelle Österreichs nun auf dem Weg zu neuen Untaten. Mit mokant.at sprach Gitarrist Gregor Münch über die neue Besetzung der Band und die aktuellen Projekte.

(c) Gernot Eder

Foto: (c) Gernot Eder

mokant.at: Nach elf Jahren haben zwei Gründungsmitglieder die Band verlassen. Sänger Volker und Trompeter Bernhard, die als Songwriter mitunter für den Erfolg von Guadalajara verantwortlich sind.
Gregor: Das stimmt. Volker und Bernhard haben sehr viele Songs geschrieben und waren die Ideenbringer. Im Endeffekt hat aber die gesamte Band das Songwriting und die Arrangements inne. Besonders Markus trägt sehr viel dazu bei und auch der Rest der Truppe hat einiges niedergeschrieben. Jetzt haben wir neue Mitglieder, die auch kreativ sind. Gerade haben wir wieder angefangen zu schreiben und es läuft in eine gute Richtung.mokant.at: Interimsmanager Philipp Fleissner begründete den Ausstieg Bernhards in einem Interview, sich auf der Trompete nicht ausreichend weiterzuentwickeln. Heißt das vereinfacht gesagt, er war zu schlecht?
Gregor: Nein, dass heißt es nicht. Philipp Fleissner wurde falsch interpretiert. Wir haben uns auf Wunsch von Bernhard als Band daraufhin nicht geäußert. Sicherlich gab es Differenzen, aber schlussendlich hat Bernhard und auch Volker aus privaten und beruflichen Gründen die Band verlassen. Wir haben das mit beiden in einem Gespräch ausgeredet.

mokant.at: Bernhard ist als Trompeter ausgeschieden, hat aber gleichzeitig mit seiner Agentur „The Acardia Agency“ das Management von Guadalajara inne. Macht es diese Zusammenarbeit mit einem Ex-Mitglied nicht umso schwieriger?
Gregor: Im Gegenteil. Es bringt eher Vorteile als Nachteile mit sich. Diese Trennung zwischen Band und Management oder Band und Booking ist eine gute, weil man somit besser und professioneller arbeiten kann und Emotionen dadurch nicht mehr persönlich werden. Natürlich war es eine Umstellung, nachdem Bernhard die Band verlassen hat, aber wir sitzen noch immer zusammen auf einem Tisch und arbeiten an Guadalajara, um die Band nach vorne zu bringen. So wie Philipp Fleissner zitiert wurde, soll das auf keinen Fall dastehen oder wirken.

mokant.at: Was ist an den Gerüchten dran, dass auch „No More Encore“-Sänger Christopher als Frontmann im Gespräch ist?
Gregor: Er war kurzzeitig im Gespräch, galt in erster Linie aber als Substitut für die Deutschland-Tour mit den Ohrbooten. Wir wollen, dass die Leute einfach hundertprozentig bei uns dabei sind. Wenn jemand schon eine Band hat, wird es schwierig, eine zweite ernsthaft zu betreiben. Außerdem ist Christopher auch noch Schauspieler.

mokant.at: Wer sind die Neuen, die Bernhard und Volker ersetzt haben?
Gregor: Unbekannte, talentierte Leute. Wir haben kein großartiges Casting gemacht oder es über Facebook oder sonstige Seiten ausgeschrieben. Wir haben Bekannte gefragt und sind so auf Trompeter Matthias Bistan und Patrick Lux gestoßen. Matthias ist 23 Jahre und ursprünglicher Voitsberger, der in Graz studiert. Patrick ist 25 und kommt aus Wien.

mokant.at: Hat sich die Dynamik innerhalb von Guadalajara dadurch verbessert?
Gregor: Klar. Es ist ein neuer Schwung reingekommen. Es ist so, wie wenn man eine langjährige Beziehung hat und sich einen kleinen Hund dazu holt. Der bringt dann auch wieder mehr Leben rein.

mokant.at: Wie geht es Patrick damit, Worte zu singen, die er nicht geschrieben hat?
Gregor: Es ist für ihn sicher ein bisschen komisch, einen richtig persönlichen Zugang zu finden. Genauso ist es für uns natürlich auch komisch, wenn die Worte von Volker oder Bernhard von jemand anderen gesungen werden. Aber die Situation ist nun mal so und wir arbeiten daran, bald eigene Lieder mit Patrick rauszubringen. Prinzipiell ist es aber kein großes Problem.

mokant.at: Beim Donauinselfest seid ihr in neuer Formation aufgetreten. Welches Resümee ziehst du aus diesem Auftritt?
Gregor: Für diese Formation war es ein Sprung ins kalte Wasser. Man könnte sagen, wir hatten eine Warm-up Show, ein Konzert, bevor wir am Donauinselfest und am Novarock gespielt haben. Das war in Wels mit Skero, wo zweitausend Leute waren. Für Patrick und Matthias war das natürlich eine Herausforderung. Für das Donauinselfest haben wir aber positive Resonanz bekommen. Wir hatten viel Spaß und von den Jungs hab ich eigentlich auch nichts Negatives gehört.

mokant.at: Für einen Song habt ihr bei diesem Auftritt Volker auf die Bühne geholt und den neuen Sänger Patrick somit direkt dem Publikum zum Vergleich gegenüber gestellt. Gab es diesbezüglich keine Bedenken, dass ihr damit beim Publikum Aussagen wie „Volker war aber schon besser“ produziert?
Gregor: Ehrlich gesagt ist das egal. Wenn jemand Andeutungen macht, dass er noch mal auf die Bühne will, gibt man dem auf jeden Fall noch einmal die Chance. Es war eine schöne Geste, dass die beiden da waren und quasi eine Handübergabe stattgefunden hat.

mokant.at: Sozusagen der krönende Abschluss der Guadalajara-Karriere von Volker?
Gregor: Genau. Mir ist ganz klar, dass es Leute geben wird, die sagen: „Der Volker ist eben der Volker“. Der Volker wird auch immer der Volker bleiben, in seiner Figur als Frontmann bei Guadalajara. Das ist jetzt ein neues Kapitel. Als Wagnis sehe ich das nicht, sondern ich bin der Meinung, dass das ein Zeichen von Anstand war. Wir wollten damit sicher nicht abwiegen, wer besser ist. In der Musik kann man das meiner Meinung nach nicht sagen. Ich mag diese Battles zwischen Bands nicht. Es hat jede ihre Vor- und Nachteile.

Interview von Daniela Wolf
Titelbild: (c) Gernot Eder

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